Facebook verliert über 100 Milliarden Dollar

Facebooks Börsenwert ist eingebrochen, die Nutzerzahlen sinken – auch in der Schweiz. Aber es gibt einen Lichtblick.

Die Zahlen bei Facebook zeigen nach unten. Doch der Konzern hat auch Tochter-Firmen mit regem Zuwachs, zum Beispiel Instagram (zweites Symbol von links) mit bereits einer Milliarde Nutzer.

Die Zahlen bei Facebook zeigen nach unten. Doch der Konzern hat auch Tochter-Firmen mit regem Zuwachs, zum Beispiel Instagram (zweites Symbol von links) mit bereits einer Milliarde Nutzer. Bild: Dado Ruvic/Reuters

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Facebook enttäuscht mit seinen Quartalszahlen: Der Aktienkurs des sozialen Netzwerks fiel bei Eröffnung der Börse in New York um über 18 Prozent. Damit verlor der Konzern fast ein Fünftel seines Börsenwerts, rund 110 Milliarden Dollar. Am Ende des Handelstags notierte die Aktie schliesslich noch bei 176 Dollar – fast 42 Dollar weniger als am Mittwochabend.

Unter den Erwartungen blieb der Konzern im zweiten Quartal vor allem bei den Nutzerzahlen. Die Zahl stieg auf 2,23 Milliarden. Experten hatten mit 2,25 Milliarden Nutzern gerechnet.

In der EU war die Zahl der monatlich aktiven Nutzer um rund eine Million gesunken, nachdem die neue Datenschutzverordnung in Kraft getreten war. Auch in der Schweiz sind die Nutzerzahlen rückläufig: Das Portal Bernetblog, welches quartalsweise Zahlen des Facebook-Adplanners für die Schweiz auswertet, meldete für das zweite Quartal eine erneute Abnahme der Nutzerzahlen.

Über eine Milliarde Instagram-Nutzer

Besonders bei den Nutzern unter 20 Jahren ist das Portal nicht mehr beliebt. Hier entsprach die Abnahme im letzten Quartal Bernetblog zufolge 9,5 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal. Im Vergleich zum Juni 2017 sind die U-20-Nutzerzahlen demnach sogar um 26,5 Prozent gesunken. Jüngere Nutzer steigen auf andere Services, etwa Snapchat oder die Facebook-Tochter Instagram, um.

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Letzteres ist denn auch Hoffnungsträger von Facebook. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nannte die App einen «unglaublichen Erfolg». Instagram hat mittlerweile über eine Milliarde Nutzer, Bloomberg Intelligence schätzt den Wert des Unternehmens auf über 100 Milliarden Dollar. Das Wachstum bei den Nutzern ist rasant, Ende letzten Jahres nutzten noch rund 600 Millionen Menschen die Foto-App. «Instagram ist zu einem absoluten Monster in Bezug auf Nutzerwachstum und Engagement geworden», sagte Rich Greenfield, Analyst bei der US-Investmentfirma BTIG.

Verknüpfung von Facebook und Instagram

Auch Facebook hat begriffen, wo die Nutzer sind. Der Konzern versucht diese via seiner Tochterfirma zurück auf die Mutterplattform zu locken. Er fordert Instagram-Nutzer testweise auf, Bilder eines Freundes auf Facebook abzuchecken. Die Story-Funktion, die Facebook nach Instagram einführte, funktionierte besser, sobald Nutzer ihre Storys mit einem Mausklick auf beiden Plattformen posten konnten. TV-ähnliche Formate werden ebenfalls auf beiden Plattformen getestet, Facebook Watch auf Facebook und IGTV auf Instagram. Nutzer haben die Wahl, auf beiden Plattformen gleichzeitig zu posten.

Auch personelle Veränderungen zeigen eine weitere Verknüpfung der beiden Netzwerke: Chris Cox, Produktchef bei Facebook, ist seit Mai neben der Hauptapp ebenfalls zuständig für Instagram, Whatsapp und Messenger. Der frühere Newsfeed-Chef von Facebook, Adam Mosseri, ist seit kurzem Produktchef bei Instagram. Werbekunden berichten zudem, dass ihnen häufiger Produktpakete angeboten würden, die Kampagnen auf Instagram Storys, Facebook Messenger und Facebook Videos umfassten.

Fast ein Viertel der Einnahmen von Instagram

Ob die App allerdings Facebook retten kann, bleibt abzuwarten. Instagram werde bis Ende dieses Jahres zwar 18 Prozent zu Facebooks Einnahmen beitragen, berechnet die Marktforschungsfirma Emarketer. Nächstes Jahr dürften es demnach bereits 23 Prozent sein. «Es scheint aber, dass die stärkere Performance von Instagram nicht ausreicht, um den Gegenwind auszugleichen», sagte Analyst Colin Sebastian vom Finanzdienstleister Robert W. Baird & Co. zu Reuters.

Fraglich ist, ob sich Instagram genügend monetarisieren lässt. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Wuchsen die Werbeeinnahmen im zweiten Quartal bei Facebook um 40 Prozent, waren es bei Instagram im selben Zeitraum 177 Prozent, wie ein Bericht der Marktforschung Merkle zeigt.

Werbung in Stories schwieriger

Allerdings ist es schwieriger, mit Stories auf Instagram genauso viel Geld zu machen, wie auf Newsfeeds. Und diese boomen: Nutzer posten immer mehr via Stories und nicht über Newsfeeds. Facebook geht davon aus, dass Stories bereits im nächsten Jahr das Posten via Feed überholen. Ob die Werbekunden diese Veränderung genauso schnell mitmachen, ist unklar. «Können wir das genauso schnell monetarisieren wie den Newsfeed? Wir wissen es wirklich nicht», sagte Facebook-COO Sheryl Sandberg zuletzt.

Auch Facebook-Finanzchef Dave Wehner sagte am gestrigen Mittwoch gegenüber Analysten: Neue Werbeformate wie die in Instagram-Stories zögen nicht so viel Geld an wie Werbungen in den Newsfeeds von Facebook und Instagram. Das Problem ist, dass etwa Links zu Onlineshops über Stories nicht so gut angezeigt werden wie über den Feed. Ausserdem fehlt die jahrzehntelange Erfahrung in diesem Bereich, die etwa Bannerwerbung optimiert hat.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Anzeigekunden die Plattform wechselten, sagt Simon Kemp, CEO der Beratungsfirma Kepios dem US-Sender CNBC. Auch Heather Bellini, Analystin bei Goldman Sachs, berichtet Bloomberg, dass viele Werbepartner von Facebook Instagrams Nutzerwachstum als Hauptgrund dafür nannten, dass sie mehr Werbung gekauft hätten.

Erstellt: 26.07.2018, 11:53 Uhr

China entzieht Facebook Zulassung wieder

Facebook hat es nur für einen Tag lang nach China geschafft. Das im Reich der Mitte von der Zensur blockierte soziale Netzwerk hatte in der ostchinesischen Stadt Hangzhou eine Firma für eine Innovationsplattform gegründet - nun wurde die Zulassung wieder entzogen.

Den Entscheid habe die Cyber-Verwaltung in Peking getroffen, berichtete die «New York Times» am Donnerstag. Es habe Differenzen zwischen der Internetaufsicht und den lokalen Stellen gegeben. Am Mittwoch erfolgte die Zulassung; am Donnerstag ereignete sich der Entzug der Genehmigung.

Es wäre die erste offizielle Vertretung von Facebook auf dem Markt in China gewesen, wo das Netzwerk seit 2009 blockiert ist. Das Zentrum hätte Entwickler und Start-ups in China unterstützen sollen.

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