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Jede dritte Bergbahn braucht finanzielle Hilfe

Der Start in die Wintersaison verspricht für Schweizer Bergbahnen wenig Gutes. Viele Hänge sind grün, ausländischen Gäste drohen wegen des starken Frankens auszubleiben.

Grün statt weiss: Ein Skifahrer auf einem Bügellift in Kandersteg. (25. Dezember 2015)
Grün statt weiss: Ein Skifahrer auf einem Bügellift in Kandersteg. (25. Dezember 2015)
Peter Klaunzer, Keystone
Der starken Franken und der ausbleibende Schnee machen den Betreibern zu schaffen.
Der starken Franken und der ausbleibende Schnee machen den Betreibern zu schaffen.
Gabriele Putzu, Keystone
Ein Drittel der Bahnen könnte ohne Engagement der öffentlichen Hand nicht überleben.
Ein Drittel der Bahnen könnte ohne Engagement der öffentlichen Hand nicht überleben.
Peter Klaunzer, Keystone
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Die langfristige Entwicklung der Besucherzahlen sieht düster aus: Im vergangenen Winter verzeichneten die Schweizer Skigebiete fast 20 Prozent weniger sogenannte Ersteintritte als noch vor zehn Jahren. Als Ersteintritt zählt, wenn ein Gast an einem Tag das erste Mal durchs Drehkreuz geht.

Besonders seit dem Winter 2008/2009 sanken die Besucherzahlen fast jeden Winter, wie eine Publikation des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz zeigt. Das ist nicht überall so: In den Konkurrenzländern Frankreich und Österreich haben die Zahlen stagniert oder sogar leicht zugenommen.

Zwei Faktoren

Laut Andreas Keller, Sprecher des Verbands Seilbahnen Schweiz, sind es zwei Hauptfaktoren, die den Schweizer Bergbahnbetreibern das Leben schwer machen: Erstens würden die Leute in ganz Europa tendenziell etwas weniger Schneesport betreiben als früher.

Das liege auch an der schwächelnden Wirtschaft in Europa. Manche könnten sich den teuren Wintersport nicht mehr leisten. Dazu komme, dass Bade- und Städteferien durch die Billigflüge so günstig geworden seien wie kaum je, was die Skiferien konkurrenziere.

«Gewichtiger Nachteil»

Da der Markt nicht wachse, gebe es primär Verschiebungen unter den verschiedenen Skinationen. Und hier kommt der zweite Faktor ins Spiel: Die Schweiz habe mit dem starken Franken einen «gewichtigen Nachteil», sagt Keller. Tatsächlich setzte der kontinuierliche Rückgang der Besucherzahlen ziemlich genau dann ein, als sich der Franken gegenüber dem Euro deutlich aufzuwerten begann: Ab 2009.

Man wolle «nicht jammern», betont Keller. Aber es sei halt einfach so, dass die Skiferien in der Schweiz für Gäste aus Europa deutlich teurer geworden seien. Und nicht nur das: Für Schweizer würden ja gleichzeitig die Ferien in Europa günstiger.

Augenfällig wird dies bei den Skipässen: In Franken umgerechnet haben sich diese über die letzten Jahren in der Schweiz mit Abstand am deutlichsten verteuert. Das liegt allerdings zu einem grossen Teil an der Währungs-Aufwertung. Denn in Lokalwährungen gerechnet zeigt sich, dass sich die Skitickets in Österreich, Frankreich oder Italien stärker verteuert haben.

«Strukturbereinigung»

Die Schweizer Skidestinationen haben sich wegen des starken Frankens mit Preiserhöhungen zurückgehalten. Dies um verglichen mit dem Ausland nicht noch teurer zu werden. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wären aber eigentlich Mehreinnahmen nötig, sagt Keller.

Dauert die Frankenstärke noch länger, könnte es deshalb für einige Bahnen gefährlich werden. Darüber, ob Bahnen den Betrieb werden einstellen müssen, will Keller nicht spekulieren. Es sei aber «durchaus möglich, dass es Strukturbereinigungen gibt», sagt er.

Hilfe von der öffentlichen Hand

Wenn eine Bergbahn den Betrieb einstellt, dann betrifft das nicht selten eine ganze Region. Oft ist der Tourismus in alpinen Regionen eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine. Und wenn eine Bahn zumacht, bedroht das auch Hotels, Restaurants und Detailhändler - und damit eine Vielzahl von Stellen. «Wenn es keine Bergbahn mehr gibt, dann verschwindet ein Ort von der touristischen Landkarte», sagt Keller.

Viele Gemeinden oder Kantone greifen Bahnen deshalb bereits heute unter die Arme. Laut Keller kann sich nur rund ein Drittel der Bergbahnen in der Schweiz komplett selbständig finanzieren. Ein weiterer Drittel sei zu einem Teil abhängig von Darlehen oder anderen Geldern der öffentlichen Hand. Und das letzte Drittel könnte ohne Engagement von Gemeinden oder Kantonen gar nicht überleben.

Mäzenatentum

Eine weitere Möglichkeit, bedrohte Bahnen zu retten, sind Mäzene. So hat zum Beispiel der in Saanen ansässige Milliardär Ernesto Bertarelli Geld in die Bergbahnen im Saanenland investiert, um diese am Leben zu erhalten. Ein solches Mäzenatentum könne allerdings ein Klumpenrisiko sein, warnt Keller. Wenn ein Grossinvestor aussteige, könne eine Bahn vor dem Aus stehen.

Bei Bergbahnen Schweiz hofft man daher eher auf bessere Rahmenbedingungen wie steuerliche Begünstigungen - und auf den einheimischen Nachwuchs: Mit verbilligten und einfach buchbaren Angeboten für Schulen versucht der Verband, den Kindern den Schneesport schmackhaft zu machen. Damit die künftigen Kunden die Besucherzahlen wieder nach oben schrauben.

SDA/dia

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