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Jeder dritte Aktionär gegen Millionenboni – Ohrfeige für Syriani

Die Aktionäre der Credit Suisse haben ihrer Führung einen Schuss vor den Bug gesetzt. An der Generalversammlung richteten sich knapp 30 Prozent der Aktionärsstimmen gegen den umstrittenen Vergütungsbericht.

Der 71-Millionen-Mann: CS-Chef Brady Dougan.
Der 71-Millionen-Mann: CS-Chef Brady Dougan.

Trotz fast einem Drittel Nein ist für CS-Präsident Hans-Ulrich Doerig das Resultat der Abstimmung zum Vergütungsbericht «kein schlechtes Ergebnis». Der Verwaltungsrat werde das Ergebnis der Abstimmung zum Vergütungsbericht analysieren.

«Wir sind da einiges selbstkritischer, als man uns von aussen zutraut», sagte er nach Ende der Generalversammlung am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA: «Es wäre aber falsch, wenn wir sofort etwas ändern würden.» Der Prozess werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Fast 30 Prozent der Aktienstimmen hatten an der GV den umstrittenen Vergütungsbeicht abgelehnt. Vor den Aktionären bekundete Doerig, dass dies für die CS auch ein Anlass sei, die Lohnsysteme zu verbessern. Die Kritik nehme er ernst, aber die CS habe noch keine konkreten Pläne in der Schublade, sagte er der SDA.

Denkzettel für Syriani

Verwaltungsrat Aziz Syriani, den auch grössere Aktionärsgruppen wegen seiner Verantwortung für die jüngsten Bonusexzesse zur Abwahl empfohlen hatten, erhielt ebenfalls einen Denkzettel: Er brachte für seine Wiederwahl nur 68,2 Prozent der Stimmen hinter sich. Seine Kritiker, darunter die Anlagestiftung Ethos, konnten 27,3 Prozent Nein-Stimmen zusammentrommeln.

Andere zur Wiederwahl stehende Verwaltungsräte bekamen für weitere drei Jahre Amtszeit jeweils über 95 Prozent der Stimmen. Fast 99 Prozent erhielten der US-Versicherungsmanager Robert Benmosche und der Vertreter des Emirats Katar, Jassim Bin Hamad Al-Thani, die neu ins Gremium kommen.

An der GV von Konkurrentin UBS hatten vor gut zwei Wochen über 39 Prozent den Vergütungsbericht abgelehnt und der Bankführung für 2007 die Entlastung verweigert. Bei den CS-Aktionären kam die so genannte Décharge für das vergangene Jahr mit über 90 Prozent durch, so wie auch die übrigen Traktanden keine Diskussionen verursachten.

«Neuer Geldadel»

Weite Teile der viereinhalbstündigen GV bestanden aus einer eigentlichen Redeschlacht. Den Auftakt machte der zur Galionsfigur des Aktionärswiderstandes gewordene Ethos-Direktor Dominique Biedermann, der von exzessiven Vergütungshöhen und fehlender Transparenz sprach.

Der sogenannte SISU-Entschädigungsplan könnte in einigen Jahren dazu führen, dass die elf Geschäftsleitungsmitglieder bis zu 1 Mrd. Fr. erhielten. Selbst wenn es katastrophal laufe, würden sie immer noch 5 Millionen pro Person erhalten, sagte Biedermann.

Andere Kleinaktionäre verschärften den Ton noch: Von «schamloser Bereicherung» über «allergrösstes Schmarotzertum» bis hin zu «legalisiertem Diebstahl» reichten die Prädikate, welche die Aktionäre dem Bonusregen für die Topkader ihrer Bank verpassten.

Ein Kleinaktionär umschrieb es geschichtlich: «Wir Schweizer haben 1291 den habsburgischen Geldadel aus dem Land gejagt, nun schaffen Sie einen neuen Geldadel», richtete er an Konzernchef Brady Dougan. Der JUSO-Vorsitzende Cédric Wermuth las im Samichlaus-Kostüm der CS-Spitze die Leviten: «Wenn sie glauben, dass 91 Millionen Fr. Lohn normal sind, glauben sie auch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann».

1 Dougan = 2225 Verkäuferinnen

Dass Dougans 71-Mio.-Bonus aus dem Langzeit-Prämienprogramm PIP von 2004 stammt und nicht Teil des Vergütungsberichts 2009 ist, kümmerte die Aktionäre wenig. Das Unverständis über die Riesensummen fasste ein Kleinaktionär in ein Rechenbeispiel: 2225 Schweizer Verkäuferinnen müssten ihren Lohn zusammentragen, um Dougans Einkommen zu egalisieren.

Denn Dougan erhält auch 19,2 Millionen Fr. für 2009 und wurde damit zum best bezahlten Bankchef Europas. Insgesamt schüttet die CS für 2009 mehr Boni aus, als sie Gewinn machte: Bei 6,7 Mrd. Fr. Gewinn schüttete sie 6,9 Mrd. Fr. für variable Vergütungen aus. Der CS- Präsident musste mehrere Aufrufe zu «helvetischer» Mässigung entgegennehmen.

Doerig verteidigt Dougan

Die CS nehme ihre staatsbürgerliche Verantwortung ernst, entgegnete Doerig. Er wisse um die Befindlichkeiten in der Schweizer Bevölkerung. Als global präsentes Institut könne die CS ihr Vergütungsmodell aber nicht nur an der Schweiz ausrichten.

Konzernchef Dougan nahm er explizit in Schutz. Die CS habe auch dank ihm die Krise viel besser überstanden als vergleichbare Finanzhäuser. Beim PIP-Programm habe es der Zufall gewollt, dass der Aktienpreis zum Stichtag über 30 Fr. betragen habe. Das Langfristprogramm habe sich ausbezahlt: Der allergrösste Teil der Empfänger sei bei der Bank geblieben, und diese hätten zu den Erfolgen beigetragen.

SDA/bru

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