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Nur noch ein Login fürs E-Banking und bei den SBB

Schweizer Firmen lancieren einen digitalen Ausweis. Die ersten Kunden sollen die Swiss ID bereits nächstes Jahr benutzen.

Mit der Swiss ID soll das mühsame Einloggen in Onlineshops vereinfacht werden. Foto: Raisa Durandi
Mit der Swiss ID soll das mühsame Einloggen in Onlineshops vereinfacht werden. Foto: Raisa Durandi

Wichtige Vertreter der Schweizer Wirtschaftselite warfen gestern mit Super­lativen nur so um sich. Von einem «Durchbruch» sprach SBB-Chef Andreas Meyer. Für Post-Chefin Susanne Ruoff ist es ein «Leuchtturmprojekt». Neun grosse Schweizer Firmen haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam einen digitalen Ausweis für die Schweiz zu entwickeln. Die neue Online-Identitätskarte wird Swiss ID heissen.

Damit soll es den Konsumenten künftig möglich sein, sich im Internet verbindlich auszuweisen. Ein Kunde kann sich so bei verschiedenen Onlineshops mit demselben Log-in-Verfahren anmelden. Es wird dann nicht mehr nötig sein, sich unzählige Benutzernamen und Passwörter zu merken. Bestellt ein Kunde Wein, kann ihn die Swiss ID zudem gegenüber dem Shop auch als über 18-jährig ausweisen. Die neue ID soll aber nicht nur den Zugang zu Onlinehändlern gewähren, sondern auch zu den Internetplattformen von Banken, Versicherungen oder zu den Zürcher Steuerbehörden. Es soll möglich sein, eine Steuererklärung einzureichen, ohne die Dokumente erst noch ausdrucken zu müssen.

Ärger für Swiss-Pass-Kunden

«Nur wenn sich die Swiss ID an möglichst vielen Stellen nutzen lässt, wird sie zum Erfolg», sagt Lukas Gähwiler, Verwaltungsratspräsident der UBS Schweiz. Daher würden die Initianten versuchen, möglichst viele Partner mit einzubeziehen. Hinter der Swiss ID stehen SBB, Swisscom, Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Zürcher Kantonalbank, die Börsenbetreiberin SIX und die Mobiliar. Weitere Aktionäre sollen folgen. Die beteiligten Firmen investieren insgesamt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den digitalen Ausweis. Entwickelt wird er von der Firma Swiss Sign aus Glattbrugg ZH.

«Nur wenn sich die Swiss  ID an möglichst vielen Stellen nutzen lässt, wird sie zum Erfolg.»

Lukas Gähwiler, Präsident UBS Schweiz

Für die Kunden soll das Log-in-Verfahren kostenlos sein. Die Händler, Banken oder staatlichen Stellen bezahlen aber, wenn sie das Swiss-ID-Log-in anbieten. So soll das Unternehmen Swiss Sign dereinst Geld verdienen und im besten Fall seinen Aktionären eine Dividende ausschütten. Bis dahin sei es aber eine teure Investition in eine grundlegende Schweizer Infrastruktur, so die Initianten. Zu Beginn des nächsten Jahres sollen die ersten Kunden die Swiss ID verwenden. Die Post wird dann das Log-in vom aktuellen Verfahren auf die neue ID wechseln. Etwas später werden die SBB folgen, was wohl einige Kunden ärgern dürfte. Denn Kunden, die vom ­alten SBB-Log-in auf den Swiss-­Pass-Zugang umgestiegen sind, werden wohl noch einmal wechseln müssen. Dies jedoch zum letzten Mal, versprach Swiss-Sign-Chef Markus Naef.

Insgesamt vertreten die Aktionäre der Swiss ID rund acht Millionen Kundenbeziehungen. Dadurch dürfte bald ein Grossteil der Bevölkerung mit einer Swiss ID konfrontiert werden. Um für das Wachstum gerüstet zu sein, wird bei Swiss Sign ausgebaut. Die Firma beschäftigt derzeit rund 50 Mitarbeiter. In der Aufbauphase sollen es 130 sein, danach soll sich der Personalbestand bei 110 Personen einpendeln.

Nicht nur die Entwicklung erfolgt in der Schweiz, hier sollen auch die Daten gespeichert werden. Der Datenschutz sei den Swiss-ID-Firmen ein wichtiges Anliegen, beteuerten die Initianten. Daher stehe man auch mit dem Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Adrian Lobsiger in Kontakt.

Nicht der erste Versuch

Der Zeitpunkt der Swiss-ID-Ankündigung ist kein Zufall. Vor wenigen Tagen erst hat der Bundesrat angekündigt, bis im Sommer einen Gesetzesentwurf für einen staatlich anerkannten digitalen Ausweis vorzulegen. Das Gesetz soll bis im Jahr 2020 in Kraft sein. Bereits jetzt ist klar, dass es auf eine Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und dem Staat hinauslaufen wird. Der Bund wird die Existenz einer Person prüfen und ­bestätigen. Von privaten Anbietern wird dann aber die technische Lösung zur digitalen Identität stammen.

Es ist also möglich, dass weitere Anbieter von digitalen Ausweisen auftreten werden. Offen ist aber, ob andere Dienstleister einen ebenso grossen Aufwand betreiben können, um neben der Swiss ID eine Berechtigung zu haben.

Mit der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat will der Bund Fehler der Vergangenheit vermeiden. Denn die neue Swiss ID ist nicht die erste digitale ID. 2010 förderte der Bund das Projekt Suisse ID mit mehr als 20 Millionen Franken. Es erwies sich als teurer Fehlschlag. Die Suisse ID war für Kunden zu kompliziert und zu teuer.

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