«Joghurt-Kartell» muss fast 200 Millionen Strafe zahlen

Zu einer drastischen Strafe ist ein «Joghurt-Kartell» bestehend aus elf Lebensmittelfirmen in Frankreich verurteilt worden. Auch eine Schweizer Firma ist betroffen.

Lactalis Nestlé will gegen die Entscheidung ankämpfen: Joghurts im Coop. (03.04.2013)

Lactalis Nestlé will gegen die Entscheidung ankämpfen: Joghurts im Coop. (03.04.2013) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Es handle sich um eine der höchsten Strafen, die je wegen unzulässiger Preis- und Angebotsabsprachen gegen ein Kartell verhängt worden seien, teilte die französische Wettbewerbsbehörde mit.

Auch Nestlé ist beteiligt: Von den insgesamt 192,7 Millionen Euro Strafe entfielen allein auf Lactalis Nestlé 56,1 Millionen.

Nach Erkenntnissen der Kontrolleure haben sich die Hersteller zwischen 2006 und 2012 mit geheimen Treffen in Hotels oder Privatwohnungen sowie Telefonaten abgesprochen. Dabei ging es um Marktaufteilung, Preise und Erhöhungen bis hin zu einzelnen Produktgruppen wie Dessert, Joghurt oder Frischkäse. In einem internen Notizbuch seien die Absprachen festgehalten worden.

Einspruch angekündigt

Lactalis Nestlé kündigte umgehend Widerspruch gegen die «extrem harte» Entscheidung an. Die Wettbewerbsbehörde habe die Schwere der Absprachen und ihren Einfluss auf die Wirtschaft massiv überschätzt, teilte das Unternehmen mit.

Lactalis Nestlé Produits Frais ist ein 2006 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen des französischen Molkereikonzerns Lactalis mit dem Schweizer Nahrungsmittelmulti, der daran 40 Prozent hält.

Der Vizepräsident der französischen Wettbewerbsbehörde, Thierry Dahan, sprach hingegen vor den Medien von einem hochorganisierten Kartell. Dessen Praktiken hätten das Funktionieren des Marktes während mehrerer Jahre gestört.

Vom Kartell seien sämtliche französischen Grossverteiler betroffen gewesen. Die Preise für die Verteiler seien schätzungsweise zwischen 2 und 7 Prozent gestiegen. Die Folgen für die Konsumenten seien schwieriger abzuschätzen, weil die Grossverteiler ihre Preise selbst festlegten. So könnten sie ihre Marge senken, um höhere Preise der Lieferanten auszugleichen, erklärte die Wettbewerbsbehörde.

Yoplait zeigte Kartell an

Yoplait, eines der beteiligten Unternehmen, verriet das Kartell der Wettbewerbsbehörde und übergab das geheime Notizbuch, in welchem die Absprachen notiert worden waren. Mit diesem Notizbuch und Telefongesprächen sowie SMS der Beteiligten bewies die Wettbewerbsbehörde nach eigenen Angaben die Absprachen in einer drei Jahre dauernden Untersuchung.

Die Behörde konnte auch ermitteln, wie sehr die einzelnen Unternehmen involviert gewesen waren. Sie sprach demnach unterschiedliche Strafen aus. Yoplait wird wegen der Selbstanzeige von einer Busse befreit. Senagral muss 46 Millionen Euro zahlen und Novandie 38,3 Millionen Euro. Die grösste Busse bekam Lactalis Nestlé mit 56,1 Millionen Euro aufgebrummt. (rsz/sda)

Erstellt: 12.03.2015, 17:27 Uhr

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