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Julius Bär rechnet mit Strafzahlung in den USA

Julius Bär erwartet, im Zuge des Steuerkonflikts mit den USA eine Strafe an die dortigen Behörden bezahlen zu müssen. Die Bank muss ausserdem einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen.

bru

Der Steuerkonflikt zwischen den Schweizer Banken und den US-Steuer- und Justizbehörden dürfte der Bank Julius Bär eine Geldbusse bescheren. Auch die jüngsten Zahlen des Vermögensverwalters zeigen, dass das Traditionshaus im Gegenwind steht.

«Es kann gut sein, dass wir eine Strafe bezahlen müssen», sagte Julius-Bär-Chef Boris Collardi in Zürich. Auch geht der Konzernlenker davon aus, dass die Bank im Rahmen eines Abkommens zwischen der Schweiz und den USA Kundendaten über den Atlantik liefern muss.

Eine Klage gegen die Zürcher Vermögensverwalterin hält Collardi dagegen für weniger wahrscheinlich. «Wir haben proaktiv gehandelt und kooperieren voll mit den US-Behörden», sagte er. Der Bankchef glaubt daran, dass am Ende des Steuerkonflikts eine «für beide Seiten zufriedenstellende» Lösung ausgehandelt wird.

Im Visier der US-Behörden

Collardi erinnerte am Montag daran, dass die Bank aus der Betreuung der US-Kunden von ausserhalb der USA («Offshore-Geschäft») 2009 ausgestiegen ist. Julius Bär ist aber wie eine Reihe anderer Schweizer Banken im Visier der US-Steuerverwaltung und des US-Justizministeriums, und die Ungewissheit über den Ausgang des Konflikts hält an.

Eine Globallösung für US-Kunden Schweizer Banken gibt es nach wie vor nicht. Mit dem Verkauf der St. Galler Privatbank Wegelin unter dem Druck drohender US-Klagen Ende Januar hat der Steuerstreit erst kürzlich erneut an Dramatik zugelegt.

Bank spürt Frankenstärke

Die schwierige Lage der Vermögensverwalter zeigt sich aber auch in der Jahresrechnung der Julius Bär Gruppe. Der adjustierte Gewinn fiel im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 401 Millionen Franken, während der Gewinn nach offizieller Rechnungslegung, wie ihn die Bank unter ihren Aktionären verteilen kann, gar um 27 Prozent auf 258 Millionen Franken einbrach.

Auf dem Ergebnis lasten auch jene umgerechnet 65,2 Millionen Franken, welche die Bank als Ablasszahlung im Steuerkonflikt an Deutschland bezahlte.

Julius Bär macht einen grossen Teil der Erträge in Fremdwährungen. Die Einnahmen sind generell leicht gesunken, zudem fallen die Kosten zu einem grossen Teil in Franken an. «Bei konstanten Wechselkursen wie 2010 hätte sich die Kostenbilanz verbessert», sagte Finanzchef Dieter Enkelmann. Die Bank glaubt indessen nicht an eine baldige Franken-Abschwächung.

Aktienkurs fällt

Die Bank nahm im Lauf des Jahres 2011 unter dem Strich 10,2 Milliarden Franken Neugeld entgegen. Wegen des schwachen Kurses insbesondere des Dollars und des Euros stieg die Menge der verwalteten Vermögen aber nicht: Ende Dezember hatte die Bank 170 Milliarden Franken Kundengelder in ihrer Obhut, praktisch gleich viel wie zu Jahresbeginn.

Julius Bär erreicht mit den Zahlen etwa die Schätzungen der Analysten. Die Expertengemeinde kommentierte das Ergebnis der Bankengruppe dennoch kritisch, denn die gesunkenen Erträge und die höheren Kosten würden Sorgen bereiten, hiess es. Zudem könnte eine Busse der USA «sehr teuer» werden, warnte das Brokerhaus Kepler.

Die Aktienpapiere von Julius Bär verloren bis Montagnachmittag um 14.50 Uhr deutliche 4,2 Prozent an Wert und notierten bei 36,26 Franken. Der Schwergewichte-Index SMI lag zu diesem Zeitpunkt um 0,28 Prozent im Minus.

(SDA)

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