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Karre statt Knarre

Der russische Rüstungskonzern Kalaschnikow will Tesla mit einem Elektroauto Konkurrenz machen. Ernsthafte Aktion oder doch nur ein PR-Gag?

Der russische Waffenhersteller Kalaschnikow will dem US-Elektrobauer Tesla Konkurrenz machen.
Der russische Waffenhersteller Kalaschnikow will dem US-Elektrobauer Tesla Konkurrenz machen.
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Der Konzern stellte am Donnerstag auf einer Messe bei Moskau sein erstes Elektroauto vor.
Der Konzern stellte am Donnerstag auf einer Messe bei Moskau sein erstes Elektroauto vor.
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... oder mit diesem Hover-Töff.
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Sollte dieses Projekt wirklich ein solch durchschlagender Erfolg werden, wie der Hersteller verspricht, müssen wir uns wohl bald an Sätze gewöhnen wie: «Wir sind ganz auf Kalaschnikow umgestiegen – der Umwelt zuliebe», oder: «Liebling, ich bringe die Kinder heute mit der Kalaschnikow in die Schule.» Das neueste Modell, das der Rüstungskonzern noch bis diesen Sonntag auf der Branchenmesse Armia 2018 in Moskau vorstellt, fällt stark aus der bisherigen Produktpalette heraus: ein Elektroauto, das laut Herstellerangaben in sechs Sekunden von null auf hundert beschleunigen und mit einer einzigen Batterieladung 350 Kilometer weit fahren soll.

Soll, wohlgemerkt, denn bisher können die Messebesucher nur einen Prototypen des «elektronischen Superautos CV-1» betrachten. So nennt der Waffenhersteller, der in Ischewsk, 1000 Kilometer östlich von Moskau, angesiedelt ist, in aller Bescheidenheit sein neuestes Produkt. Die Karre ist in friedlichem Bübchenblau gehalten und an das Design eines Isch-21252 angelehnt. Dieser lief im Jahr 1973 zum ersten Mal vom Band der ebenfalls in Ischewsk gelegenen Isch-Motorenwerke und sollte den sowjetischen Kunden ein Pendant zu den Kombis westlicher Hersteller bieten. Russische Kommentatoren im Internet verspotteten das kastenförmige E-Auto sogleich als Design-Botschafter aus Breschnew-Zeiten.

Zurück in die Zukunft mit dem Isch statt mit dem DeLorean. Kalaschnikow ist eine der wenigen Marken aus der Sowjetzeit, die es zu globaler Bekanntheit gebracht haben, wenngleich zu zweifelhafter. Das Sturmgewehr AK-47 ist bis heute in zahlreichen Varianten rund um den Globus in Kriegen und Bürgerkriegen im Einsatz und hat seit seiner Entwicklung durch den Waffenkonstrukteur Michail Kalaschnikow 1947 Schätzungen zufolge insgesamt mehr Menschen getötet als jede andere Waffe. Soldaten schätzen es für seine Unverwüstlichkeit, weder Nässe noch Dreck können der einfachen Konstruktion viel anhaben. Bemerkenswert, dass der Konzern nun vorgeblich in das Hightech-Segment moderner Elektroautos einsteigen will.

Denn Angreifen will Kalaschnikow auch mit seinem neuesten Projekt – und zwar dem Branchenstar Tesla. So erklärte es zumindest eine Firmensprecherin dem russischen Nachrichtenportal RBC. Der Rüstungskonzern aus Ischewsk wolle dem Autobauer aus Kalifornien Konkurrenz machen, sagte Sofia Iwanowna: «Wir gehen davon aus, dass wir zumindest nicht schlechter sein werden als sie.» Tesla-Chef Elon Musk ist auch in Russland ein Superstar der Innovation; Regierungskritiker verweisen oft auf Tesla oder Apple, wenn sie die technologische Rückständigkeit in Russland kritisieren. «Was sagst du jetzt, Elon Musk?», ist die spöttische Reaktion, wenn in einer Provinzstadt ein Gouverneur feierlich einen neuen Gasanschluss einweiht.

Die rollende Kalaschnikow sei wohl eher ein PR-Gag, vermutet der russische Industriedesigner Jaroslaw Rassadin. Das Auto der Zukunft im Gewand der Vergangenheit. «Retro-Futurismus, das ist die verheissene Zukunft, die nie eingetreten ist», sagte er dem Nachrichtenportal Meduza. Das Kalaschnikow-Auto verkörpere den Traum vieler Menschen in Russland: «Wir nehmen etwas sehr Altes, zum Beispiel einen Eimer aus der Kolchose, stecken irgendetwas Geheimnisvolles, Kosmisches hinein – und überholen damit alle.»

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