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Kommt das europäische Telecomnetz?

Europas grösste Telecomkonzerne planen offenbar ein gemeinsames Kontinentalnetz. Damit wollen sie sich gegen internationale Konkurrenz stärken. Was bedeutet das für die Schweiz?

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Einheitliches Telefonnetz: Vielleicht machen die Handynetze in Europa künftig nicht mehr an den Landesgrenzen halt.
Einheitliches Telefonnetz: Vielleicht machen die Handynetze in Europa künftig nicht mehr an den Landesgrenzen halt.
AP Photo/Michael Sohn
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Branchengrössen wie die Deutsche Telekom AG, France Télécom, Telecom Italia und der spanische Marktführer Telefónica wollen offenbar ein gemeinsames europäisches Telekommunikationsnetz aufbauen. Die Chefs der grössten Telekommunikationskonzerne in Europa haben laut «Financial Times» (Artikel nur im Bezahlbereich verfügbar) mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia bei einem privaten Treffen darüber beraten. Die Unternehmen wollten nun Vorschläge unterbreiten, wie der zersplitterte Markt in Europa besser verbunden werden könne.

Die Konzerne seien von den zahlreichen nationalen Beschränkungen in Europa frustriert und wollten «konstruktive Ideen» für einen gemeinsamen europäischen Telekommunikationsmarkt erarbeiten. Die Branche möchte sich mit der Kooperation auch gegen die Konkurrenz globaler Technologiekonzerne wie Google sowie gegen Branchenriesen aus den USA oder China schützen. Diese versorgen deutlich grössere Märkte. Mit einem einheitlichen europäischen Telecomnetz könnten zudem Investitionen in neue Mobilfunk- und Glasfasernetze leichter finanziert werden, wie es weiter heisst.

Swisscom weiss von nichts

Bei Swisscom weiss man nichts von den angeblichen Plänen, wie Sprecher Olaf Schulze auf Anfrage sagt. Swisscom sei an besagtem Gespräch nicht dabei gewesen.

Kann es sich die Swisscom leisten, bei einem einheitlichen europäischen Telecomnetz nicht mit von der Partie zu sein? «Es würde kaum einen Unterschied zur heutigen Situation machen», sagt Ralf Beyeler, Telecom-Experte beim Onlinevergleichsdienst Comparis.ch, auf Anfrage. Die Reduktion um einige Handyantennen brächte nicht viel Einsparpotenzial, weder für den Anbieter noch für den Kunden. Auch bezüglich des Glasfasernetzes bei Festanschlüssen hätten die Schweizer Anbieter keinen Nachteil im Alleingang, meint Beyeler. «Die Kosten, um sich an einem europäischen Netz zu beteiligen, dürften in beiden Fällen etwa gleich hoch sein.»

Trotzdem hätte laut Beyeler ein paneuropäisches Telecomnetz in der Schweiz nicht unbedingt positive Auswirkungen auf die Kunden: «Das würde zu einer Monopolsituation führen, und die Anbieter würden sich gemütlich einrichten.» Eine Folge davon könnten etwa langsameres mobiles Internet oder höhere Kosten sein. Hier müsste die Politik regulieren, so Beyeler.

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