Beim Grosskonzern gibts jetzt einen Ökobonus

Mit dem Zug statt dem Flieger zum Meeting: Wie Schweizer Unternehmen ihre Ökobilanz aufbessern.

Für ABB-Angestellte gibt es einen Bonus, wenn sie den Firmenparkplatz nicht nutzen: Elektro-Ladestation beim Firmensitz in Oerlikon. Foto: Keystone

Für ABB-Angestellte gibt es einen Bonus, wenn sie den Firmenparkplatz nicht nutzen: Elektro-Ladestation beim Firmensitz in Oerlikon. Foto: Keystone

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Fliegen gilt als das neue Rauchen. Was einst als weltmännisch galt, wird heute oft eher im ­Geheimen gemacht. Doch trotz Freitagsdemos und lauten Klima­protesten ist die Anzahl der Passagiere am Flughafen Zürich weiter gestiegen. In den letzten zehn Jahren hat sie von etwas über 20 Millionen auf mehr als 30 Millionen zugenommen.

Die Angestellten von Schweizer Grosskonzernen gehören aber immer seltener dazu. Viele Unternehmen lassen ihre Manager heute deutlich weniger oft ins Flugzeug steigen als früher. Weltweit nahm die Firmenreisetätigkeit in den letzten zehn Jahren zu, wie eine Studie des Reisezahlungsanbieters Air Plus festhält. Bei den helvetischen Multis hat sie aber abgenommen. Dies zeigt eine Umfrage dieser Zeitung bei international aufgestellten Unternehmen.

«War die UBS im Jahr 2007 für 1 Milliarde Flugkilometer verantwortlich, sind es heute noch 500 Millionen», so Sabine Keller-Busse, Geschäftsleitungsmitglied der Grossbank. Die Sparbemühungen wurden dadurch umgesetzt, indem die Reisebudgets gekürzt wurden. Alle Flüge würden mit einer freiwilligen CO2-Abgabe kompensiert, heisst es bei der UBS. Zudem sollen jetzt Fernreisen per Bahn gefördert werden. Meetings finden zudem als Videokonferenzen statt.

Telefonat statt Reise

Ähnlich tönt es bei der Konkurrentin. «Mitarbeiter der Credit Suisse legten global im Jahr 2007 rund 759 Millionen Kilometer mit dem Flugzeug zurück, im Jahr 2018 waren es noch 406 Millionen Kilometer», so ein Sprecher. Dies entspricht einer Reduktion von 47 Prozent.

Die CS kompensiert alle Flugreisen mit dem Kauf von Klimatickets und fordert ihre Mitarbeiter auf, den Zug zu nehmen oder auf Telefon- und Video­konferenzen auszuweichen. Die technischen Hilfsmittel würden rege genutzt, so ein Sprecher.

Seltener Lunch in der Luft: Angestellte von Schweizer Grossfirmen sind weniger oft im Flugzeug unterwegs. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Auch beim Versicherer Zurich gingen die Reisekilometer in den letzten vier Jahren um mehr als 20 Prozent zurück, die so ver­ursachten CO2-Emissionen um 35 Prozent. Zugeknöpft gab sich der Rückversicherer Swiss Re: Er will weder die zurückgelegten Flugkilometer noch deren Entwicklung in den letzten Jahren offenlegen.

Der Rückgang in der Finanzbranche ist leicht erklärbar. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 wurde bei vielen Unternehmen bei den Ausgaben gespart. Doch auch bei Firmen, welche die ­Finanzkrise kaum spürten, wird heute deutlich weniger geflogen. Etwa bei Nestlé. «Wir reduzieren Geschäftsreisen, um Kosten, Zeit und Emissionen zu sparen», so ein Sprecher des Nahrungsmittelriesen. Zwischen 2013 und 2018 hätten die in der Schweiz ansässigen Mitarbeiter ihre Flugmeilen und Emissionen jeweils um etwa 35 Prozent reduziert.

«War die UBS 2007 für 1 Milliarde ­Flugkilometer ­verantwortlich, sind es heute noch 500 Millionen.»

Bei ABB sind die Treibhausgasemissionen aus Flugreisen zwischen 2014 und 2018 um rund 20 Prozent zurückgegangen. Dabei setzt der Industriekonzern auf besondere Anreize. Wer auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umsteigt, erhält von ABB Schweiz einen Ökobonus. «Von diesem profitieren alle Mitarbeitenden, die während mindestens zwölf Monaten keinen Firmenparkplatz beansprucht haben», sagt ein Sprecher des Unternehmens. Beim Baustoffkonzern LafargeHolcim konnte in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Flugreisen pro Kopf deutlich reduziert werden.

Dass es nicht nur ums Sparen geht, zeigt die Pharmabranche. Kaum ein Industriezweig war in den letzten Jahren so erfolgreich wie sie. Auch Roche hält die Mitarbeiter an, auf unnötige Flugreisen zu verzichten oder den Zug zu nehmen. «Diese Massnahmen haben dazu beigetragen, dass die Flugmeilen in den letzten zehn Jahren recht stabil geblieben sind, obwohl die Firma signifikant gewachsen ist», so ein Sprecher.

Novartis hat es sich zum Ziel gesetzt, den ökologischen Fussabdruck zu verkleinern, so ein Sprecher. Der CO2 des Unternehmens soll um 50 Prozent sinken. «Obwohl Geschäftsreisen nur einen sehr geringen Anteil der Emissionen ausmachen, möchten wir auch diese künftig reduzieren», sagt ein Sprecher.

Erstellt: 15.07.2019, 15:54 Uhr

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