Kraftwerke Oberhasli streichen Dutzende Stellen

Der Schweizer Energiesektor leidet. Nun trifft es auch die Kraftwerke Oberhasli.

Die KWO müssen in zwei Jahren 50 Stellen streichen: Turbinen des Kraftwerks Grimsel. (Archivbild)

Die KWO müssen in zwei Jahren 50 Stellen streichen: Turbinen des Kraftwerks Grimsel. (Archivbild) Bild: Peter Schneider/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das im Grimsel- und Sustengebiet im Berner Oberland tätige Wasserkraftunternehmen KWO baut in den kommenden zwei Jahren knapp 50 Stellen ab. Als Grund für diese Massnahme führt die Unternehmensleitung die angespannte Lage im Energiesektor an.

Die tiefen Strompreise machen den Kraftwerken Oberhasli (KWO) seit einiger Zeit zu schaffen. «Wir sind jetzt in einer Phase des Wandels, im Übergang von einer guten Zeit in eine ausserordentlich schwierige Phase für die Wasserkraft», sagte KWO-Direktor Gianni Biasiutti bereits im vergangenen Oktober in einem Interview mit der «Jungfrauzeitung».

Unklarheiten bestehen zudem über die Höhe der Subventionen, mit denen die Betreiber von Wasserkraftwerken rechnen können. In den vergangenen Monaten analysierte die KWO-Führung darum ihre Wirtschaftliche Situation und prüfte verschiedene Szenarien.

Für das Oberhasli ist der Stellenabbau ein Schlag. Die Kraftwerke sind einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Bergregion. Rund 500 Mitarbeitende teilen sich laut KWO-Homepage rund 350 Vollzeitstellen.

Von den 50 Stellen sollen rund die Hälfte über natürliche Abgänge und Pensionierungen abgebaut werden. Bei der anderen Hälfte wird es zu Kündigungen kommen, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte.

Mit dem Verband des Personals Öffentlicher Dienste (vpod) als Sozialpartner haben die KWO nach eigenen Angaben einen Sozialplan ausgearbeitet.

Investitionen werden angepasst

Doch nicht nur stellenseitig müssen die KWO Abstriche machen. Die aktuellen Ausbauprojekte kann das Unternehmen wie geplant unter Dach und Fach bringen. Die Planung und Umsetzung weiterer Grossprojekte hingegen wird «nicht im selben Ausmass möglich wie bisher», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Investitionstätigkeit wird entsprechend angepasst.

Bereits im vergangenen März legten die KWO den Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerks für 660 Millionen Franken auf Eis. Ein solches Werk rentiere wegen der grossen Mengen von billigem Wind- und Solarstrom auf dem Markt nicht.

Auch aus einer geplanten Erhöhung der Staumauern des Grimselsees für 300 Millionen Franken dürfte in absehbarer Zeit nichts werden. Das bernische Verwaltungsgericht entschied im Dezember, dass der Moorschutz dem Vorhaben entgegensteht.

Ob die KWO den Entscheid ans Bundesgericht ziehen, ist noch offen. Doch egal, wie der Rechtsstreit endet, die wirtschaftliche Situation schafft auch hier derzeit eigene Tatsachen.

Was die KWO in Zukunft plant, will das Unternehmen am Donnerstag an einer Medienkonferenz erläutern.

Tourismus bleibt

Bei ihrer Analyse richtete die KWO-Führung ein besonderes Augenmerk auf die Geschäftsbereiche Grimsel Hydro und Grimselwelt. Letzterer umfasst die touristische Nutzung der KWO-Anlagen, etwa der Kraftwerksbahnen. KWO Hydro ist zuständig für Instandhaltung und Wartung von Turbinen und andern Anlagen.

Der Verwaltungsrat hat sich entschieden, sowohl die hauseigene Instandhaltungswerkstatt als auch die touristischen Angebote weiterzuführen. Beide Bereiche müssten sich aber wirtschaftlich verbessern und die Kosten senken, heisst es in der Mitteilung.

Die Kraftwerke Oberhasli gehören zur Hälfte dem Berner Energiekonzern BKW und zu je einem Sechstel den Industriellen Betrieben Basel, Energie Wasser Bern und dem EWZ Zürich.

Die KWO sind ein Wasserkraftunternehmen, das im östlichen Oberland, namentlich im Grimselgebiet, tätig ist. Mit ihren neun Kraftwerken an acht Speicherseen produzieren die KWO pro Jahr rund 2400 Gigawattstunden Strom. Das entspricht etwa sieben Prozent der Produktion aller Schweizer Wasserkraftwerke und deckt nach Angaben der KWO den Jahresverbrauch von rund einer Million Menschen. (ofi/sda)

Erstellt: 20.01.2016, 19:31 Uhr

Artikel zum Thema

Maulkorb für Joseph Deiss?

Durch einen stillen Stellenabbau ist der Kahlschlag bei Alstom von noch grösserem Ausmass als bisher bekannt. Die Zentrale soll Landeschef Joseph Deiss mundtot gemacht haben. Mehr...

Nach Stellenabbau: Lonza schliesst weitere Massnahmen nicht aus

Der Pharmazulieferer Lonza streicht in Visp 90 Stellen. Im ersten Halbjahr 2015 ist der Gewinn geschrumpft. Weitere Massnahmen sind möglich. Mehr...

Alstom-Personalvertreter «von falschen Tatsachen überzeugt»

Nach dem Alstom-Schock: SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini ist unzufrieden und glaubt, die Entlassungswelle hätte verhindert werden können. Seine Argumente. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...