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«Kunden mit unversteuerten Vermögen müssen uns verlassen»

Die Basler Privatbank Sarasin verlor 2011 Kundengelder. Grund dafür sei die Weissgeldstrategie der Bank, sagt Chef Joachim Strähle – und lobt Eveline Widmer-Schlumpf.

«Sie geht in die richtige Richtung»: Sarasin-Chef Strähle über die Strategie des Bundesrates.
«Sie geht in die richtige Richtung»: Sarasin-Chef Strähle über die Strategie des Bundesrates.
Reuters

Die Basler Privatbank Sarasin hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Kundenvermögen verwaltet. Insgesamt schrumpfte das verwaltete Vermögen auf 96,4 Milliarden Franken, 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Nettoneugeldzufluss entwickelte sich massiv schwächer als erhofft. Insgesamt verzeichnete die Bank einen Zufluss von 1,45 Milliarden Franken an Nettoneugeldern. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 13,4 Milliarden Franken gewesen.

Vor allem das zweite Halbjahr habe sich aus verschiedenen Gründen rückläufig entwickelt, schreibt Sarasin heute in einer Mitteilung. Unter anderem habe die Bank wegen der Umsetzung der Weissgeldstrategie Abflüsse verzeichnet. Ausserdem hätten sich Neukunden zurückhaltend gezeigt wegen der Veränderungen im Aktionariat der Bank Sarasin, schreibt das Finanzinstitut.

Affäre Hildebrand ohne Einfluss

Bankchef Joachim H. Strähle führt dies unter anderem auf die Weissgeldstrategie zurück. Diese brauche «viel Mut», sagte er vor den Medien in Basel. «Aber Hüst und Hott schadet sehr.» Keinen Einfluss auf die Kundengelder habe hingegen die Affäre Hildebrand.

Mit der Weissgeldstrategie, welche die Bank bereits Mitte 2010 beschlossen habe, sei Sarasin den Mitbewerbern weit voraus, sagte Strähle. Die Fokussierung auf versteuerte Vermögen habe allerdings auch ihren Preis: «Wir verzichten auf attraktive Margen.» Bis Ende 2012 will Sarasin aussschliesslich korrekt versteuertes Geld verwalten. «Kunden mit unversteuerten Vermögenswerten müssen unsere Bank verlassen.»

Unterstützung für Bundesrat

Als «interessant» bezeichnete Strähle die Tatsache, dass der Bundesrat ausgerechnet gestern seine Weissgeldstrategie umrissen hat. Sarasin unterstütze die Bestrebungen der Regierung: «Sie geht in die richtige Richtung.» Die Weissgeldmassnahmen der Basler Privatbank betreffen nur internationale Kunden.

Je nach Kunde und Situation kommen verschiedene Vorgehensweisen zur Anwendung, um die saubere Herkunft der Vermögen zu überprüfen. Unter anderem kann vom Kunden verlangt werden, dass er die ordentliche Versteuerung schriftlich bestätigt. Sarasin hat laut Strähle einen klaren Prozess entwickelt, welcher der Finanzmarktaufsicht Finma vorgelegt wurde. Auf das Verlangen von Steuerbelegen verzichtet die Bank allerdings bewusst. Zur Affäre Hildebrand wollte sich Strähle mit Verweis auf das laufende Verfahren nur zurückhaltend äussern. Nur soviel: «Bis jetzt haben wir keine Gelder verloren deswegen.»

Zugelegt im Zinsgeschäft

Im vergangenen November wurde bekannt, dass die Bank Sarasin von der Safra-Familie übernommen wird. Safra strebt einen Kapitalanteil von 46,07 Prozent und einen Stimmrechtsanteil von 68,63 Prozent an.

Zulegen konnte Sarasin 2011 im Zinsgeschäft mit einem Plus von 1 Prozent auf 148,9 Millionen Franken. Der Handelsertrag stieg deutlich um 57 Prozent auf 93,8 Millionen Franken, während sich die Erträge im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 4 Prozent auf 440,7 Millionen Franken reduzierten.

Der Bruttogewinn blieb mit 170,4 Millionen Franken 8,1 Prozent unter dem Vorjahr. Unter dem Strich blieben für die Bank 112 Millionen Franken Gewinn. Dieses Konzernergebnis inklusive Minderheitsanteile bedeutet für das Finanzinstitut ein Minus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

SDA/ami

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