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Lehman-Papiere: CS lässt viele Fragen offen

Die Finanzkrise war bereits da, und doch verleitete die Credit Suisse viele Kunden zum Kauf von Lehman-Papieren. 4500 Kunden sollen betroffen sein. Viele heikle Fragen – die Grossbank mag nur wenige beantworten.

Unternehmenssprecher sind nicht immer gesprächig. Beim Thema der strukturierten Lehman-Produkte verlegen sich die Credit-Suisse-Leute lieber aufs Schweigen. Insbesondere die Zahl ihrer Kunden, die heute praktisch wertlose Lehman-Papiere im Depot haben, will die CS nicht herausrücken.

Aus dem Innern der Bank ist dem «Tages-Anzeiger» zugetragen worden, dass 4500 Kunden betroffen seien. Ihre Lehman-Anlagen hätten auf dem Papier insgesamt einen Wert von 700 Millionen Franken. Im Durchschnitt wären das pro Kunde 155'555 Franken. Offiziell will die CS diese Zahlen nicht kommentieren. Zum Vergleich: Die Berner Kantonalbank bezifferte den Gegenwert der Lehman-Papiere in ihren Kundendepots mit 50 Millionen, die Luzerner Kantonalbank mit 80 Millionen.

«Gemeinsam sind wir stark», schreibt die Anleger-Selbsthilfe auf ihrer Internetseite. Bis gestern hat die Gruppe 200 Fälle von Betroffenen gesammelt. Mehr als die Hälfte sind mittels Fragebogen ausgewertet. Ein Ergebnis sticht besonders ins Auge: 2007, besonders in der zweiten Jahreshälfte, hat der Verkauf von Lehman-Produkten durch die CS markant zugenommen. 29 Prozent aller von der Anleger-Selbsthilfe ausgewerteten Fälle fallen in diese Zeitperiode. Die Datengrundlage dieser Erhebung genügt wissenschaftlichen Ansprüchen zwar nicht. Alle neu hinzukommenden Fälle bestätigen aber den bisherigen Befund.

Die CS bestreitet die Zunahme von Lehman-Verkäufen im Jahr 2007: «Die Anzahl der mit Lehman emittierten Produkte ist in der zweiten Jahreshälfte 2007 gegenüber der ersten zurückgegangen.» Bisher hat die CS immer bestritten, Mitherausgeberin der Lehman-Produkte gewesen zu sein.

Wenn die Credit Suisse den Vertrieb von Lehman-Produkten in der zweiten Jahreshälfte 2007 forciert hat, ist das deshalb wichtig, weil zu diesem Zeitpunkt bereits düstere Wolken über den Finanzmärkten hingen. Aus neutraler Perspektive ist das nicht der ideale Moment, um finanzunkundigen Anlegerinnen und Anlegern spekulative Produkte zu verkaufen. Die Auswertung der Anleger-Selbsthilfe zeigt zudem, dass die Initiative zum Kauf immer von der Bank ausging. Ein Vertreter der Gruppe: «Keine einzige Person ging auf die CS zu und sagte, sie wolle ein strukturiertes Produkt kaufen.»

Die Fälle der Anleger-Selbsthilfe und jene, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, zeigen, dass die Lehman-Produkte nicht nur von einzelnen Beratern, sondern auf breiter Front vertrieben wurden. Die Credit Suisse bestreitet aber, Lehman-Produkte offensiver verkauft zu haben als jene von andern Anbietern. «Es gab keinen speziellen Anreiz, verstärkt Lehman-Produkte zu vertreiben.»

Zufall oder nicht – am 1. August 2007 nahm Robert Shafir Einsitz in der Geschäftsleitung der Credit Suisse. 17 Jahre stand der Amerikaner zuvor im Dienst von Lehman Brothers. Die Anleger-Selbsthilfe hegt den Verdacht, dass deshalb der Verkauf von Lehman-Produkten in der zweiten Jahreshälfte 2007 emporgeschnellt ist. Die CS reagiert auf Fragen nach Shafirs Rolle nicht. Sie hält aber fest: «Wir hatten keine besondere Vereinbarung mit Lehman.»

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