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Libor-Skandal: UBS entgeht Busse von2,5 Milliarden Euro

Die EU-Kommission verurteilt acht Grossbanken und verhängt Bussen von 1,7 Milliarden Euro. Die UBS entgeht einer Milliardenstrafe, weil sie als Erste ausgepackt hat.

Profitiert von Kronzeugenregelung: Figuren vor den UBS-Büros in London. (Archivbild Reuters)
Profitiert von Kronzeugenregelung: Figuren vor den UBS-Büros in London. (Archivbild Reuters)

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat nach dem Skandal um Zinsmanipulationen gegen sechs internationale Grossbanken Rekord-Geldbussen von zusammen 1,71 Milliarden Euro verhängt.

Bei dem Skandal, der im Sommer vergangenen Jahres aufgeflogen war, geht es um die internationalen Referenzsätze Libor und Euribor. Zinssätze wie der Libor werden einmal am Tag in London ermittelt. Sie beruhen auf Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten und sind Basis für Finanzgeschäfte im Billionenvolumen. Händler der Institute sollen sich jahrelang abgesprochen haben, um so Handelsgewinne einzustreichen.

Barclays kommt auch ungeschoren davon

Die verurteilten Banken sind die Deutsche Bank, die französische Société Générale, die Royal Bank of Scotland, die US-Banken Citigroup, JPMorgan Chase sowie RP Martin, die UBS und die britische Barclays. UBS und Barclays hatten den Behörden von den Vorgängen erzählt. Deswegen profitieren die grösste Schweizer Bank und das Londoner Finanzimperium von einer Kronzeugenregelung.

«Andernfalls wäre die UBS für ihre Beteiligung an fünf der sieben Zuwiderhandlungen mit einer Geldbusse von 2,5 Milliarden Euro belegt worden», teilte die EU-Kommission heute mit. Bei Barclays hätte eine Strafe von 690 Millionen Euro ins Haus gestanden.

Am härtesten trifft es bei der Kartellstrafe aus Brüssel – der höchsten, die die EU-Kommission je verhängt hat – die Deutsche Bank: Sie muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen. Die Deutsche Bank hatte eine Busse in dieser Höhe in etwa schon erwartet und dafür Geld zur Seite gelegt. Dies hatte den Gewinn der grössten Bank Deutschlands im vergangenen Dritten Quartal pulverisiert.

Almunia schockiert

Der europäische Kommissar Almunia erklärte, «schockierend» bei dem Skandal sei nicht nur die Zinsmanipulation an sich, «sondern auch das abgestimmte Verhalten zwischen Banken, die eigentlich miteinander im Wettbewerb stehen sollten». Der Beschluss sei nun ein deutliches Signal gegen Kartelle im Finanzsektor.

Der Skandal ist von grosser Tragweite, da die Manipulationen zu Lasten anderer Banken, von Unternehmen und Privatkonsumenten gegangen sein dürften. Von der Entwicklung der Zinssätze sind viele Finanzprodukte abhängig. So können sich etwa die Höhe der Zinssätze für Festgeld daran orientieren oder die Renditen von Investment-Papieren wie Geldmarktfonds.

UBS schweigt

Die UBS kommentierte die EU-Strafen am Mittwoch nicht. Die Credit Suisse, die nicht unter den von der EU-Kommission bestraften Banken figuriert, war zeitweise im Verdacht gestanden, als globale Grossbank mit den Manipulationen allenfalls etwas zu tun gehabt zu haben. Die Bank hatte aber schon früher betont, sie sei «materiell» nicht betroffen.

Während die UBS und Barclays als Kronzeugen Geldstrafen entgingen, bekamen die übrigen Banken deutliche Rabatte. Die Institute hätten mit den Ermittlern kooperiert, teilte die EU-Kommission mit.

(SDA)

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