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Lindt & Sprüngli wartet auf Geld von Air Berlin

Die roten Schoggiherzen für Air-Berlin-Passagiere kamen aus der Schweiz. Das Ende der Fluggesellschaft ist auch das Aus für einen lukrativen Auftrag.

Ausgeflogen: Air Berlin überreichte den Passagieren nach der Landung ein Schokoherz «als kleines Geschenk zum Abschied».
Ausgeflogen: Air Berlin überreichte den Passagieren nach der Landung ein Schokoherz «als kleines Geschenk zum Abschied».
Air Berlin

Hat der Goldhase von Lindt & Sprüngli ein Herz? Ja. Aber nicht mehr lange. Denn aus der gleichen Schokolade wie das berühmte Hoppeltier mit Glöckchen wird das rote Herz hergestellt, das die Flugbegleiter von Air Berlin nach der Landung an die Passagiere verteilen. Es sei ein «kleines Geschenk zum Abschied», beschreibt die Fluggesellschaft die nette Geste. Das Schoggiherz «transportiere die Herzlichkeit und Gastfreundschaft unserer Crews».

Doch nun stellt Air Berlin die Flüge ein. Heute, kurz vor 23 Uhr, landen die letzten Flugzeuge der bankrotten deutschen Fluglinie. Nach 39 Jahren verschwindet sie vom Markt. Das wird man auch in Kilchberg spüren. Denn dort sitzt Lindt & Sprüngli, der Lieferant der 20 Gramm schweren und 113 Kalorien spendenden Schoggiherzen. 12 bis 14 Millionen Stück hat der Schweizer Konzern pro Jahr jeweils hergestellt.

«Zu Kultprodukt entwickelt»

Lindt & Sprüngli hatte sich den Auftrag vor drei Jahren ergattert. Bis dahin waren die Herzen rund zwei Jahrzehnte lang vom Berliner Schokoladenhersteller Rausch geliefert worden. Auf April 2015 übernahm der schweizerische Konkurrent. «Wir sind sehr froh darüber, mit einer wichtigen Airline wie Air Berlin zusammenzuarbeiten und mit unserer Schokolade internationalen Gästen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen», liess er damals verlauten.

Über den Auftrag freut man sich in Kilchberg bis heute. «Die Schoggiherzen haben sich zu einem Kultprodukt entwickelt, mit dem viele Passagiere eine emotionale Verbindung zur Marke Lindt aufgebaut haben», sagt eine Sprecherin von Lindt & Sprüngli. Mit der Pleite von Air Berlin ist der prestigeträchtige Auftrag nun aber weggebrochen. Mitte 2017 hat Lindt & Sprüngli zum letzten Mal eine Lieferung an die Fluggesellschaft geschickt.

Rekordpreise für Schoggiherzen

Einen bitteren Nachgeschmack hat das für Lindt & Sprüngli. Wie viele andere Lieferanten und Gläubiger, blieb auch der Traditionskonzern auf unbezahlten Rechnungen sitzen. «Wir haben im laufenden Insolvenzfahren ebenfalls einen Anspruch geltend gemacht», bestätigt die Sprecherin. Um welchen Betrag es geht, will sie allerdings nicht sagen.

Die Schoggiherzen waren ein schweizerisch-deutsches Gemeinschaftswerk. Die Kakaomasse wurde im Werk Olten hergestellt. Sie wurde danach ins deutsche Aachen gefahren, wo daraus das Souvenir «aus Alpenvollmilch und mit einem Kakaoanteil von mindestens 30 Prozent» (Werbeversprechen) produziert wurde. Ab morgen sind die Schoggiherzen nur noch Erinnerungsstücke. Auf Auktionsplattformen werden bereits Rekordpreise dafür bezahlt.

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