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Lohndebatte und die «Lieblinge der Chefs»

Gibt es bald mehr Lohn? Die Gewerkschaften kämpfen dafür, Herbst für Herbst. Jetzt kommt Travailsuisse mit seinen Forderungen.

Die Konjunktur zieht laut Gewerkschaften wieder an, es bestehe Raum für höhere Löhne: Mitarbeiter eines Hotels.
Die Konjunktur zieht laut Gewerkschaften wieder an, es bestehe Raum für höhere Löhne: Mitarbeiter eines Hotels.
Keystone

Die Arbeitnehmer in der Schweiz sollen für ihren Einsatz während den Krisenjahren mit höheren Löhnen entschädigt werden. Dies fordert der Gewerkschaftsverbund Travail.Suisse. Die Lohnerhöhung soll rund 2 Prozent betragen.

Der grosse Einsatz und die Flexibilität der Arbeitnehmenden habe zur Überwindung der Krise beigetragen, sagte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse vor den Medien in Bern. Die Wirtschaftskrise sei nun überstanden und die Aussichten seien gut. «In den meisten Branchen gibt es Luft für Lohnerhöhungen.»

Bisher hätten vor allem Manager von der anziehenden Konjunktur profitiert. Für die übrigen Arbeitnehmer seien die vergangenen Lohnrunden unterdurchschnittlich ausgefallen. «Die Früchte des Wachstums müssen gerechter verteilt werden», sagte Fischer.

Als ungerecht werteten die Gewerkschafter auch die Praxis der individuellen Lohnerhöhungen. «Wir fordern höhere Löhne für alle - nicht nur für die Lieblinge der Chefs», sagte Arno Kerst, Vizepräsident der mehrere Branchen umfassenden Gewerkschaft Syna. Nicht zuletzt für den Rentenanspruch sei dies wichtig.

Nachholbedarf machte Kerst weiterhin bei den Frauenlöhnen aus. Jahr für Jahr wiederholten die Gewerkschaften die Forderung, die Löhne der Frauen den Männerlöhnen anzupassen, doch geschehen sei nicht viel. «Der Druck steigt, dass es gesetzliche Lösungen braucht.»

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefordert

Nach der im Mai an der Urne verlorenen Mindestlohninitiative erinnern die Gewerkschaften ihre politischen Gegner an die Versprechen aus dem Abstimmungskampf. Die Arbeitgeberseite sei damals nicht müde geworden, die sozialpartnerschaftliche Lohnfindung als Königsweg zu bezeichnen. «Jetzt müssen Taten folgen», sagte Kerst, der eine zweiprozentige Lohnerhöhung als Minimum betrachtet.

Nebst den höheren Löhnen war auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Thema an der Medienkonferenz. Mutter- und Vaterschaftsurlaub seien weiterhin zu kurz, sagte Stefan Müller-Altermatt vom Personalverband Transfair, dem Arbeitnehmende der Post, des Öffentlichen Verkehrs und der Verwaltung angehören.

Auch Arbeitnehmer, die nahe Angehörige pflegten, seien auf Unterstützung der Chefs angewiesen, sagte Müller-Altermatt. Das werde mit der Überalterung der Gesellschaft zunehmend ein Thema.

Zum Gewerkschaftsverbund Travail.Suisse gehören nebst Syna, Transfair und der Hotel&Gastro-Union acht weitere Personalverbände.

Arbeitgeber dämpfen Hoffnungen

Auf der Arbeitgeberseite bestätigt man zwar auf Anfrage die Wichtigkeit der Sozialpartnerschaft. «Eine allgemeine Lohnerhöhung betrachten wir aber als wenig sinnvoll», sagte Philipp Bauer, Leiter Wirtschaft und Arbeitsmarkt beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Aufgrund der grossen Wachstums- und Produktivitätsunterschiede zwischen den Branchen seien dezentrale Lösungen besser geeignet.

Gleichzeitig habe es kaum eine Teuerung gegeben und die Produktivität sei nur moderat gestiegen, sagte Bauer. Zudem gebe es weiterhin Unsicherheiten für die Schweizer Unternehmen - wie etwa das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative.

Punkto Frauenlöhne ist sich Bauer aber mit den Gewerkschaftern einig. «Diskriminierung darf es in der Wirtschaft nicht geben.» Nun müsse geprüft werden, wie die Lohnungleichheiten zwischen den Geschlechtern- ohne Eingriffe in die unternehmerische Freiheit - eingeebnet werden könnten.

SDA/kpn

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