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Luxus ist geil – und lukrativ

Die Schweizer Uhrenbranche jagt ihre eigenen Rekorde: Richemont verdient 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Und Swatch-Chef Nick Hayek will im laufenden Jahr die Umsatzmarke von 8 Milliarden übertreffen.

Rechnet mit guten Aussichten: Swatch-Chef Nick Hayek. (Archiv)
Rechnet mit guten Aussichten: Swatch-Chef Nick Hayek. (Archiv)
AFP

Nicht nur Geiz, sondern auch Luxus ist geil: Die boomenden Verkäufe von teuren Uhren und Schmuck haben dem Genfer Luxusgüterkonzern Richemont im vergangenen Geschäftsjahr ein Glanzresultat beschert.

Auch die Swatch Group setzt zu einem Höhenflug an. Man strebe im laufenden Geschäftsjahr die Umsatzmarke von 8 Milliarden Franken an, sagte CEO Nick Hayek am Rande der Generalversammlung: «Wir werden 2012 versuchen, diese Marke zu übertreffen.»

Neue Rekorde bei Richemont

Die Kennzahlen erreichten bei Richemont Spitzenwerte. Der Aktienkurs machte einen Freudensprung. Der Umsatz legte im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende März) um 29 Prozent auf 8,87 Milliarden Euro (10,7 Milliarden Franken) zu, der Betriebsgewinn gar um gut die Hälfte auf 2,04 Milliarden Euro (2,46 Milliarden Franken). Unter dem Strich verdiente das Unternehmen mit Marken wie beispielsweise Cartier, Montblanc, IWC oder Vacheron Constantin 1,54 Milliarden Euro. Das sind um 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktionäre dürfen sich über eine Dividendenerhöhung um 22 Prozent und ein Aktienrückkaufprogramm freuen.

Damit hat Richemont bei Umsatz und Betriebsgewinn neue Rekorde erzielt. Nur beim Reingewinn blieb die Gruppe etwas unter der Bestmarke von 1,57 Milliarden Euro aus dem Geschäftsjahr 2007/08. Damals stammte allerdings über ein Drittel des Gewinns aus der Beteiligung am Zigarettenkonzern British American Tobacco (BAT), die mittlerweile ausgelagert ist.

Europa als Openair-Museum

Sogar im von der Schuldenkrise geplagten Europa konnte die Gruppe den Umsatz kräftig um 17 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro steigern. Die Verkäufe auf dem «Alten Kontinent» wurden durch Touristen aus aller Welt – insbesondere aus Asien (plus 43 Prozent) – in die Höhe getrieben.

Europa werde immer mehr zum Openair-Museum für reisende Chinesen, sagte Richemont-Chef Johann Rupert in einer Telefonkonferenz. Der Start ins laufende Geschäftsjahr war stark. Im April lagen die Umsätze bereits um 29 Prozent über dem Vorjahresniveau. Insgesamt sei eine Abschwächung in Europa nicht erkennbar, sagte Rupert.

Zweistelliges Wachstum möglich

Auch Swatch-Chef Nick Hayek blickt zuversichtlich in die Zukunft: Die Schweizer Uhrenindustrie entwickle sich seit Jahresbeginn weiterhin sehr gut und sei weiter gewachsen. «Ich gehe davon aus, dass die Branche im laufenden Jahr in Lokalwährungen im höheren einstelligen respektive tiefen zweistelligen Prozentbereich wachsen wird», sagte Hayek. Dies sei ein sehr guter Wert für die Industrie, schliesslich könne man nicht erwarten, dass die Branche Jahr für Jahr um 20 Prozent oder mehr wachse. «Denn das wäre eine ungesunde Entwicklung.»

Ob es Swatch gelingt, die Marktentwicklung zu übertreffen, liess Hayek offen. Swatch habe verglichen mit der Konkurrenz in den vergangenen Jahren die grössten Wachstumsraten erzielt. Irgendwann werde es schwierig, diese Entwicklung auf solch hohem Niveau fortzusetzen.

Fast 3000 neue Jobs

Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek wies an der Generalversammlung auf die Investitionstätigkeit des Konzerns hin. 2011 habe Swatch 2800 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Zahl der Angestellten damit auf 28'000 gesteigert.

Die Präsidentin versprach zugleich, weitere Investitionen in der Schweiz zu tätigen, auch wenn der Franken noch immer überbewertet sei. Allein im vergangenen Jahr habe der Höhenflug des Frankens dem Uhrenkonzern rund 700 Millionen Franken Umsatz gekostet.

Auch die billigen kommen

Nick Hayek warnte die Mitbewerber davor, sich nur auf das derzeit sehr gut laufende Segment der teuren Uhren zu konzentrieren. Langfristig komme die Dynamik von den tieferen und mittleren Preisbereichen, wo die Gruppe mit Swatch oder Tissot bereits sehr gut vertreten sei.

Diese Segmente dürften nicht vernachlässigt werden, meinte Hayek. Bereits heute verlagere sich beispielsweise in China das Wachstum auf eher günstigere Uhren. So seien auf dem chinesischen Festland die Absätze mit sehr teuren Uhren zuletzt etwas zurückgegangen, währendem im tiefen und mittleren Bereich starke Wachstumsraten von 50, 60 oder gar 70 Prozent zu sehen waren.

Die Investoren nahmen die Worte der Unternehmensführung positiv auf. Die Swatch-Aktie gewann heute Mittwoch bis nach Börsenschluss knapp 2,7 Prozent an Wert und beendete den Tag auf 68,80 Franken. Der Leitindex SMI lag am Ende des Tages mit 0,13 Prozent nur knapp im Plus.

SDA/ami

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