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Marchionne fährt VW an den Karren

Fiat-Chef Sergio Marchionne greift Volkswagen mit markigen Worten an und wirft den Deutschen ruinöse Preispolitik vor. Das lässt man in Wolfsburg nicht auf sich sitzen – und droht.

VW betreibe eine aggressive und ruinöse Rabattpolitik: Fiat-Chef Sergio Marchionne. (14. Dezember 2011)
VW betreibe eine aggressive und ruinöse Rabattpolitik: Fiat-Chef Sergio Marchionne. (14. Dezember 2011)

«Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen», zitierte die «New York Times» jüngst Fiat-Chef Sergio Marchionne. Gerichtet waren die scharfen Worte gegen die Deutschen vom Volkswagen-Konzern. VW betreibe eine aggressive und ruinöse Rabattpolitik, so der Manager, der früher im Verwaltungsrat der UBS sass, heute noch den Genfer Warenprüfkonzern SGS präsidiert und Wohnsitz in Zug hat.

Die Reaktion von Volkswagen liess nicht lange auf sich warten. Die Äusserungen Marchionnes seien zum wiederholten Male unqualifiziert, kommentierte VW. Und dann kommt es noch dicker: «Sergio Marchionne ist als Präsident des europäischen Herstellerverbandes untragbar und soll gehen», sagte VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem nun heute. Um dann noch eine Drohung nachzuschieben: «Angesichts der Äusserungen ist auch ein Acea-Austritt für VW eine Option», betonte der Sprecher. Der 1991 gegründete Autobauer-Verband Acea vertritt die Interessen von 18 Herstellern von Autos, Lastwagen und Bussen auf europäischer Ebene und gilt als einflussreicher Verband.

VW, BMW und Mercedes fahren allen davon

Die Nerven in der europäischen Automobilindustrie scheinen blank zu liegen. Die Absätze gehen mit der Eurokrise seit Monaten deutlich zurück. Der Peugeot-Konzern hat drastische Sparmassnahmen und die Schliessung eines Werks angekündigt. Auch beim Fiat-Konzern zeigen sich Bremsspuren. Die Einführung neuer Modelle wurde laut jüngsten Medienberichten hinausgezögert, ein Werk im Süden des Landes steht auf der Kippe.

Allerdings zeigt sich in Europas Autoindustrie auch eine Entwicklung hin zu einer Zweiklassengesellschaft. Während Fiat, Peugeot, Opel und Ford (Deutschland) serbeln, schwingen sich VW, BMW und Mercedes zu immer stärkeren Konzernen auf. Letztere drei dadurch, dass sie international hervorragend aufgestellt sind.

Tatsächlich eine Rabattschlacht

Ein Beweis für seine Potenz gab gestern VW mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen bekannt: 8,8 Milliarden Euro Gewinn verbuchten die Wolfsburger, 36 Prozent mehr als in der gleichen Vorjahresperiode. Ganz anders heute Renault: Die Franzosen verdienten von Januar bis Juni unter dem Strich 746 Millionen Euro. Das war ein Einbruch um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Ganz von der Hand zu weisen ist allerdings der Vorwurf Marchionnes auch wieder nicht. «Um die Kunden zu locken, sind derzeit alle Hersteller auf dem europäischen Automarkt mit Rabatten unterwegs – auch in Deutschland», schreibt «Spiegel online». Die Kundenvorteile für Autokäufer hätten ein Rekordniveau erreicht, zitiert das Medium eine soeben erst erschienene Studie des CAR-Centers der Universität Duisburg-Essen. Und dessen Leiter, Autopapst Ferdinand Dudenhöffer meint dazu, das Rabattniveau zeige, dass der deutsche Automarkt in den kommenden Monaten vor einer Rezession stehe.

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