Vier Tage arbeiten zum vollen Lohn

Was passiert, wenn eine Belegschaft das Pensum reduziert? Microsoft hat das in Japan getestet. Die Resultate lassen aufhorchen.

Lässt sich die Arbeitskultur verändern? Beim Microsoft-Versuch in Japan stieg die Zufriedenheit und die Produktivität bei geringerem Pensum. Foto: iStock/Symbolbild

Lässt sich die Arbeitskultur verändern? Beim Microsoft-Versuch in Japan stieg die Zufriedenheit und die Produktivität bei geringerem Pensum. Foto: iStock/Symbolbild

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Einen Tag weniger arbeiten für den gleichen Lohn – ein Wunschtraum? Nicht ganz: In Japan hat Microsoft diesen Sommer den Versuch einer 4-Tage-Woche lanciert. Rund 2300 Arbeitnehmer hatten fünfmal freitags frei und erhielten weiterhin den gleichen Lohn.

«Arbeite in kürzer Zeit, mache eine Pause und lerne gut», lautete die Devise von Microsoft-Japan-CEO Takuya Hirano. Mit finanziellen Anreizen wurden die Angestellten ermuntert, die gewonnene Zeit für Weiterbildungen und Freizeitaktivitäten zu nutzen.

Das Ergebnis nach fünf Wochen: Nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter stieg, auch die Produktivität nahm in dieser Zeit zu. Die Angestellten beschränkten ihre Besprechungen auf maximal 30 Minuten und nutzten häufiger technische Möglichkeiten wie Telefonkonferenzen. Gleichzeitig sanken die Stromkosten um ein Fünftel, und es wurden fast 60 Prozent weniger Seiten ausgedruckt. 92 Prozent der Mitarbeiter gaben an, dass ihnen die 4-Tage-Woche gefallen habe.

Verschiedene Modelle werden getestet

Eine ursprüngliche Behauptung, das Experiment habe die Arbeitsproduktivität um 40 Prozent verbessert, zog Microsoft Japan jedoch wieder zurück. Diese hatte international für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Der Techgigant verweist darauf, dass dieses Ergebnis auf eine Reihe von Faktoren und nicht nur auf die 4-Tage-Woche zurückzuführen ist.

Japan ist für seine langen Arbeitszeiten und unzähligen Überstunden bekannt. Für den Tod durch Überarbeitung gibt es auf der Insel einen eigenen Begriff: Karoshi. Die Regierung von Premierminister Shinzo Abe arbeitet an einer Reform des Arbeitsmarkts – bisher ohne Erfolg. Erst kürzlich wurden Unternehmen dazu aufgerufen, flexiblere Arbeitsmöglichkeiten anzubieten.

Microsoft prüft derzeit, ob das Experiment in Japan im kommenden Winter wiederholt werden soll. Dieses soll dann jedoch unter dem Motto «Erhole dich schlau» laufen – ohne einen zusätzlichen Freitag.


Die 40-Stunden-Woche hat ausgedient Lange Arbeitstage machen krank, und Roboter übernehmen Jobs: Ein Historiker fordert eine radikale Umgestaltung der Arbeit.


(aru)

Erstellt: 13.11.2019, 18:38 Uhr

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