Was Microsoft mit Linkedin will

Für Microsoft-Chef Satya Nadella ist es der erste grosse Deal, seit er 2014 übernahm.

Das Hauptquartier von Linkedin in Mountain View, Kalifornien. Foto: David Paul Morris (Bloomberg)

Das Hauptquartier von Linkedin in Mountain View, Kalifornien. Foto: David Paul Morris (Bloomberg)

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Mit dem Kauf nützt Microsoft-Konzernchef Satya Nadella eine Schwächephase von Linkedin aus. Das Karrierenetzwerk verlor im Frühjahr mehr als die Hälfte seines Unternehmenswerts, weil Zweifel am Wachstum des Kundenstammes aufkamen. Nadella und Linkedin-Chef Jeff Weiner bestätigten gestern, zum Zeitpunkt der grössten Krise im Januar zum ersten Mal über einen Deal gesprochen zu haben. Ein Durchbruch sei erzielt worden, als Nadella dem Netzwerk volle Unabhängigkeit innerhalb des Softwarekonzerns zugesichert habe.

Der Kauf von 26,2 Milliarden Dollar ist attraktiv für Linkedin, bietet Microsoft doch einen Aufpreis von rund 50 Prozent. Im vergangenen Sommer allerdings – noch vor der Schwächeperiode – hätte das Netzwerk doppelt viel gekostet. Insofern scheinen beide Seiten ein gutes Geschäft zu machen. Jeff Weiner verdient an der Übernahme rund 28 Millionen Dollar; die übrigen vier Linkedin-Top­manager machen zusammen in etwa die gleiche Summe. Am meisten kassiert Reid Hoffman. Der Mitbegründer des Unternehmens kontrolliert fast elf Prozent der Linkedin-Aktien im Wert von über 2,8 Milliarden Dollar.

«Der Deal verbindet die grösste professionelle Cloud mit dem führenden Karrierenetzwerk.»Satya Nadella, CEO Microsoft

Für den Microsoft-Chef ist dies der erste grosse Deal, seitdem er den Konzern 2014 von Steve Ballmer übernommen hat. Der Kauf erlaubt ihm, das Software- und Cloud-Geschäft in Richtung Social Media auszuweiten; ein Markt, in dem Microsoft bislang schwach vertreten war. Daraus sollen sich neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Microsoft ist nach Amazon der zweitgrösste Anbieter von Cloud-Dienstleistungen und kann nun die 433 Millionen Linked­in-Kunden damit verbinden. Ihnen stehen somit künftig die Office-365-Software und das Dynamics-Paket für kleine und mittelgrosse Firmen zur Verfügung. Dazu kommen die Internet-Kommunikationsplattform Skype und das Business-Netzwerk Yammer. Linkedin ist vergangenes Jahr auch in den dem Markt für E-Learning eingestiegen; dazu wurde kürzlich das Lernportal Lynda für 1,2 Milliarden Dollar übernommen.

«Der Deal führt die grösste professionelle Cloud mit dem führenden Karrierenetzwerk der Welt zusammen», erklärt Nadella. Der Kauf ist bereits von beiden Verwaltungsräten bewilligt worden. Er soll 150 Millionen Dollar Kosten sparen. Entlassungen bei Linkedin seien nicht geplant, versicherte Weiner, der seine Chefposition behalten soll.

«Die gleiche Geschäftsphilosophie»

Linkedin erlaubt den Nutzern, sich mit eigenen Berufsprofilen vorstellen, nach Jobs Ausschau zu halten und mit Karriereberatern in Kontakt zu treten. Im letzten Geschäftsjahr machte das 2002 gegründete Unternehmen einen Umsatz von 3,21 Milliarden Dollar. 62 Prozent der Einnahmen stammten von Firmen, die passende Kandidaten für zu besetzende Positionen suchten. Microsoft selber ist einer der Grosskunden von Linkedin.

Aber nur 20 Prozent der Umsätze fliessen aus der Werbung, womit Linkedin gerade ein Prozent des globalen Online-Werbemarktes besetzen kann. Verglichen mit Giganten wie Google (41 Prozent) und Facebook (13,5 Prozent) ist dies sehr wenig, wie Weiner einräumt. Es stellte sich daher die Frage, ob es gelingen würde, den Werbeanteil am Umsatz anzuheben – was nötig, aber schwer zu erreichen schien – oder sich einem Grossen anzuhängen. «Wir kommen aus unterschiedlichen Richtungen, haben aber die gleiche Geschäftsphilosophie», betonte Weiner.

Diesmal kein Flop?

Theoretisch könnte eine andere Firma einen höheren Kaufpreis bieten. Jedoch kommt dafür fast nur Facebook infrage, doch setzt Mark Zuckerberg mehr auf den Massenmarkt und einen möglichen Einstieg in den Onlinehandel als darauf, einen etablierten Konkurrenten in einem Nischenmarkt zu kaufen. Für Microsoft mache die Übernahme mehr Sinn, meint der Analyst Jack Gold. Mit Linkedin habe Nadella die Möglichkeit, «den Puls des professionellen Nutzers zu nehmen und zu sehen, wie sie das Internet brauchen und welche Produkte und Instrumente sie einsetzen».

Microsoft blickt allerdings auf eine Reihe missglückter Übernahmen in der Ära von Steve Ballmer zurück. 2013 kaufte Ballmer den Smartphone-Hersteller Nokia für 7,9 Milliarden Dollar und musste kaum ein Jahr später den Deal voll abschreiben, nachdem 80 Prozent der Nokia-Belegschaft entlassen worden war. Die Übernahme galt einem Hardware-Konzern – nie die Stärke von Microsoft – und erfolgte zu spät. Auch der Kauf der Internet-Werbeagentur aQuantive für 6 Milliarden Dollar war ein Flop und musste abgeschrieben werden. Nadella erklärte gestern, Microsoft sei nur dann erfolgreich, wenn Firmen wie Skype oder nun auch Linkedin gekauft würden, die sich gut dem Kerngeschäft verbinden liessen.

Erstellt: 14.06.2016, 08:22 Uhr

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