Migros-Regionalchef betreibt eine Fluglinie

Damien Pillers Speedwings besitzt sieben Businessjets. Er will Payerne zum Zentrum für Geschäftsfliegerei machen.

Mit Speedwings in Payerne gelandet: Damien Piller. Foto: VQH

Mit Speedwings in Payerne gelandet: Damien Piller. Foto: VQH

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Damien Piller ist auch Airline-Besitzer. Der 62-jährige Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg steht an der Spitze von Speedwings, einer Gesellschaft, die Flugverbindungen für Geschäftsleute anbietet. Kunden, die es sich leisten können, stehen sieben Privatjets zur Verfügung: eine Cessna Citation Excel – das gleiche Modell wird von der Eidgenossenschaft als sogenannter Bundesratsjet verwendet –, drei Embraer 300 Motion und drei kleinere Cessna Citation.

Speedwings ist kein Spleen eines älteren Mannes, der sich einen Bubentraum erfüllen möchte. Vielmehr ist es ein ernst gemeintes Geschäft des umstrittenen Westschweizer Migros-Regionalfürsten und Multi-Verwaltungsrats. Sein Engagement für Speedwings ist eines von 36 Verwaltungsratsmandaten, die Piller gemäss Handelsregister innehat. Der Freiburger besitzt BMW-Garagen, ist Medienunternehmer, Immobilienentwickler und selbstständiger Anwalt. Seit 23 Jahren ist er auch Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg.

Pillers Firma Anura kaufte Land direkt beim Flughafen

Piller hat hochfliegende Pläne in der Geschäftsaviatik. Davon zeugt ein im März eröffnetes Flughafengebäude auf dem Militärflugplatz Payerne. Der Hangar bietet Platz für dreissig Flugzeuge, es gibt Lounges für Businesspassagiere, Seminarräume und einen eigenen Zoll. Passagiere werden mit Limousinen zu den Jets chauffiert – in BMW, versteht sich.

Typisch Piller: Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, gehört der Firma Anura SA. Das ist jene Gesellschaft in Pillers Firmengeflecht, die in den Skandal um verschwundene Gelder verwickelt ist – Gelder, welche die Migros-Zentrale wieder zurückhaben will und die Piller ein Strafverfahren wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung eingebracht haben. Insgesamt sind 1,7 Millionen Franken verschwunden, die gemäss Untersuchungsberichten ohne Gegenleistung in die Unternehmen von Piller geflossen sein sollen. Davon sollen mutmasslich 864'000 Franken an die Anura SA gegangen sein.

Piller wäre nicht Piller, wenn die Aviatikgeschäfte nicht kompliziert miteinander verflochten wären. Da ist Pillers Immobilienfirma Anura, der viel Land gehört beim Flughafen. Sie hat als Generalunternehmerin die Flughafengebäude gebaut und Teile davon wieder an die Gemeinde Payerne zurückverkauft. Da ist Speedwings, die Fluggesellschaft, deren Aktivitäten in mindestens drei Firmen gebündelt sind. Es gibt die Speedwings Business SA mit Sitz in Freiburg. Dort ist Piller als Präsident des Verwaltungsrats geführt. Eingetragen mit Einzelunterschrift ist auch sein Bruder Etienne. Die zweite Gesellschaft lautet auf den Namen Speedwings Executive SA, die sich an gleicher Adresse in Freiburg befindet. Dann gibt es noch die Speedwings Executive Jet GmbH mit Sitz in Wien. Deren Geschäftszweck: Beförderung im Luftverkehr und Vermietung von Zivilluftfahrzeugen. Gegründet wurde diese Gesellschaft 2009. Gemäss Handelsregister leistete Piller damals eine Einlage von 17'150 Euro, genau die Hälfte des Kapitals.

Noch herrscht Flaute über dem Himmel von Payerne

Sechs der sieben Privatjets sind in Österreich eingetragen. Die Wiener Gesellschaft dürfte als Konstrukt dienen, um einen vereinfachten Zugang zum EU-Luftraum zu gewährleisten und um Steuern zu sparen. Das operative Zentrum befindet sich jedoch beim Genfer Flughafen und seit neustem beim grössten Luftwaffenstützpunkt der Westschweiz, dem Militärflugplatz Payerne. Dieser öffnete sich in einem langen Prozess der Privatfliegerei. Mit der Einweihung des neuen Geschäftsterminals und des Hangars will sich Payerne als Alternative zum überfüllten Flughafen Genf positionieren.

Von Lausanne ist der 45 Kilometer entfernte Kleinflughafen über die Autobahn erreichbar. Der Flughafen Genf ist von Lausanne 60 Kilometer entfernt, zudem ist die Autobahn zwischen den beiden Städten häufig verstopft. Bern und Neuenburg sind von Payerne aus ebenfalls schnell erreichbar.

Noch herrscht allerdings weitgehend Leere im neuen Hangar: Im laufenden Jahr benutzten lediglich 1600 Passagiere den kleinen Flughafen. Erwartet worden war eine Verdoppelung der Zahlen gegenüber dem Vorjahr. Stattdessen resultierte ein Plus von 40 Prozent.

Erstellt: 09.12.2019, 13:00 Uhr

Artikel zum Thema

Piller führt die Migros vor

Marcelle Junod, die der Regionalfürst diese Woche zur Chefin machte, wurde von der Duttweiler-Stiftung ausgeschlossen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...