Milliarden sind plötzlich weg

Superreich machte Ivan Glasenberg der Börsengang von Glencore. Nun vernichtet der Aktienabsturz einen Grossteil seines Vermögens – auch Rüschlikon dürfte zittern.

Wie gewonnen, so zerronnen: Ivan Glasenberg hat mit dem Absturz der Glencore-Aktie einige Milliarden verloren. (Archiv, 2013)

Wie gewonnen, so zerronnen: Ivan Glasenberg hat mit dem Absturz der Glencore-Aktie einige Milliarden verloren. (Archiv, 2013) Bild: Nicola Pitarro

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7,3 Milliarden Dollar: Über so viel Geld verfügte Glencore-Chef Ivan Glasenberg laut dem US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» noch vor drei Jahren. Damals tauchte er zum ersten Mal auf dessen Liste der reichsten Menschen weltweit auf. Verdient hatte er einen grossen Teil dieses Geldes mit dem Börsengang der Rohstofffirma im Jahr zuvor, 2011. Glasenbergs Beteiligung war zu dieser Zeit 9,3 Milliarden Dollar wert.

Im März 2015 betrug Glasenbergs Vermögen laut «Forbes» noch 5,1 Milliarden Dollar, damit landete er auf Platz 301 der weltweit Reichsten. Die Glencore-Aktie hatte ab dem Börsengang bis zu diesem Zeitpunkt bereits 43 Prozent ihres Werts verloren. Und die Talfahrt geht seither rasant weiter. Vorläufiger Höhepunkt war der gestrige Montag, an dem die Aktie um fast 30 Prozent abstürzte.

Abgestürzt ist auch das Vermögen von Chef Glasenberg: Am Montagabend betrug es laut «Forbes» noch 1,35 Milliarden Dollar. Damit landet Glasenberg neu auf Rang 1329 der Reichsten – er hat also innert vier Monaten mehr als 1000 Plätze verloren. Glasenberg hielt per Ende des letzten Jahres 8,4 Prozent aller Glencore-Aktien.

Keine Dividenden, keine Steuern

Auf die grosszügigen Dividenden, die er sich in den letzten Jahren auszahlen liess – 2014 waren es allein 200 Millionen Franken gewesen – wird Glasenberg in naher Zukunft zudem verzichten müssen. Als Reaktion auf ihren zu grossen Schuldenberg hat Glencore die Ausschüttungen bis mindestens Mitte 2016 ausgesetzt. Das dürfte nicht nur Grossaktionär Glasenberg schmerzen, sondern auch seine Wohngemeinde Rüschlikon und den Kanton Zürich. Diese verdienen am Reichtum des Rohstoff-Managers nämlich kräftig mit. Für seine letztjährige 200-Millionen-Dividende musste Glasenberg laut Berechnungen der «Zürichsee-Zeitung» rund 36 Millionen Franken an Steuern abliefern. Davon gingen 9,4 Millionen an die Gemeinde Rüschlikon, rund 13 Millionen an den Kanton Zürich und fast 14 Millionen an den Bund.

Nach dem Börsengang 2011 hatte Glasenberg 360 Millionen Franken Steuern gezahlt. Durch den kantonalen Finanzausgleich wurde ein Teil der Gelder an weniger begüterte Gemeinden umverteilt. Nicht alle hatten Freude daran: In mehreren Gemeinden lancierten Politiker und NGOs Vorstösse, die Gelder abzulehenen, da Glencore gegen die Menschenrechte verstosse und die Umwelt schädige. Die Bürger von vier Gemeinden beschlossen schliesslich, einen Teil des Geldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Ein ähnliches Dilemma dürfte ihnen in der nächsten Zeit erspart bleiben.

Glasenberg kann nicht abspringen

Auf ihre Dividenden verzichten müssen vorerst auch Glasenbergs Kollegen im Glencore-Management. Daniel Francisco Maté Badenes, Chef des Zinkgeschäfts, Kupfer-Chef Aristotelis Mistakidis, Kohle-Chef Tor Peterson und Öl-Chef Alex Beard waren mit dem Börsengang 2011 ebenfalls zu Milliardären geworden, gemeinsam hielten sie damals 21,8 Prozent aller Aktien. Seit der Baisse haben auch sie viel Geld verloren. Kommt nun also bald der grosse Aktionärsexodus?

Zumindest für Glasenberg ist der Absprung im Moment keine Option. Er werde keine Glencore-Aktien veräussern, solange er für die Firma arbeite, sagte er einst in einem Interview. Abgesehen davon wäre ihm der Verkauf ohnehin verboten: Beim Börsengang 2011 verpflichtete er sich, seine Anteile während fünf Jahren zu halten, also noch mindestens bis Mitte 2016. Auch das restliche Management scheint die Krise aussitzen zu wollen. Als Glencore vor zwei Wochen neue Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar herausgab, beteiligte sich die Führungsriege laut Berichten mit 500 Millionen Dollar, um ihre Anteile am Unternehmen zu halten. Glasenberg allein habe rund 200 Millionen Dollar ausgegeben. Auch die grössten institutionellen Aktionäre hätten mitgezogen.

Nach dem gestrigen Absturz erholt sich die Glencore-Aktie heute zwar wieder, in den ersten Handelsstunden stieg sie um mehr als 10 Prozent. Doch die offenen Fragen zur Zukunft der Zuger Firma bleiben. Ihr machen der Rückgang der Rohstoffpreise und eine hohe Verschuldung zu schaffen. Glencore hat zwar Massnahmen angekündigt, um den Schuldenberg abzubauen – neben der erwähnten Streichung der Dividenden sollen Unternehmensteile verkauft werden. Doch Analysten warnen, dass diese Massnahmen nicht genügen werden, sollten sich die Rohstoffpreise nicht erholen.

Erstellt: 29.09.2015, 14:40 Uhr

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