Milliarden-Deal von Novartis

Der Pharmakonzern übernimmt ein Heilmittel mit Blockbuster-Potenzial inklusive 400 Mitarbeitern.

Der neue Chef treibt das Geschäft voran: Novartis-CEO Vas Narasimhan.

Der neue Chef treibt das Geschäft voran: Novartis-CEO Vas Narasimhan. Bild: Keystone

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Der Basler Multi setzt seinen Umbau in ein fokussiertes Pharmaunternehmen weiter fort. Mit der angekündigten Übernahme des Augenmittels Xiidra von Takeda stärkt der Konzern sein Portfolio in der Augenmedizin – und greift dafür tief in die Tasche.

Novartis bezahlt Takeda einmalig 3,4 Milliarden US-Dollar. Abhängig von der Erreichung gewisser Ziele – sogenannter Meilensteine – könnten weitere Zahlungen von bis zu 1,9 Milliarden fällig werden.

Wie Novartis am Donnerstag mitteilte, ist Xiidra die erste und einzige verschreibungspflichtige Behandlung, die die Symptome des trockenen Auges behandelt, indem sie die durch die Krankheit verursachte Entzündung hemmt.

Die geplante Transaktion untermauere Novartis’ Engagement, Patienten einen Zugang zu wichtigen Behandlungsansätzen zu gewähren, erklärte der Konzern gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Zudem sei das Mittel eine gute Ergänzung für die aktuelle Novartis-Pipeline im Augenbereich, die unter anderem Kandidaten wie UNR844 zur Behandlung von Alterssichtigkeit, ECF843 zur Behandlung des trockenen Auges oder SAF312 beinhaltet, das bei Augenoberflächenschmerzen eingesetzt werden soll.

Darüber hinaus hat Novartis mit Lucentis zur Behandlung der Augenerkrankung AMD bereits ein Milliarden-Medikament auf dem Markt. Mit Brolucizumab hat der Konzern zudem ein Produkt in der Entwicklung. In den USA prüft die Gesundheitsbehörde FDA derzeit den Zulassungsantrag, um das Mittel zur Behandlung feuchter AMD einzusetzen. Über eine Vertriebsvereinbarung mit Spark Therapeutics besitzt Novartis zudem ausserhalb der USA die Rechte an Luxturna zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit, die zur Erblindung führt.

Novartis sieht Blockbusterpotenzial

Der mögliche Portfolio-Neuzugang Xiidra erzielte den Angaben zufolge im vergangenen Jahr einen Umsatz von 0,4 Milliarden US-Dollar. Das sei eine Steigerung um 48 Prozent gewesen, spezifizierte Novartis gegenüber AWP. Der Pharmakonzern sieht das Mittel gut positioniert, um ein Blockbuster zu werden, also Umsätze von mehr als einer Milliarde zu erzielen.

Mit der Transaktion stärkt der Basler Pharmakonzern seine Stellung in der Augenheilkunde. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2019 erwartet, vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen. Die rund 400 Mitarbeitenden von Takeda, die an dem Produkt arbeiten, werde man übernehmen. Der seit gut einem Jahr amtierende Novartis-CEO Vas Narasimhan setzt mit dem neuen Zukauf seine Ziele für den Konzern weiter um. Mit Avexis aus den USA für 8,7 Milliarden, dem US-Unternehmen Endocyte für 2,1 Milliarden und der französischen Firma Advanced Accelerator Applications (AAA) für insgesamt 3,9 Milliarden hat Narasimhan mit dem aktuellen Zukauf seine Bilanz auf mittlerweile vier gebracht.

Analysten: Novartis greift tief in die Tasche

Analysten loben den Zukauf zwar aus strategischer Sicht, betonen aber allesamt, dass Novartis dafür tief in die Tasche greife. Bei Bryan Garnier verweist der zuständige Analyst auf das Marktpotenzial alleine in den USA. Abgesehen davon, dass das Mittel in einer sehr breiten Indikation zugelassen sei, könnten bis zu 35 Millionen Amerikaner an trockenem Auge erkranken.

Derweil gehen die Meinungen über das Umsatzpotenzial etwas auseinander. Bei der CS heisst es, man rechne damit, dass das Mittel mehrere Milliarden an Spitzenumsätzen erzielen könnte. Bei Vontobel geht der zuständige Analyst davon aus, dass Xiidra bis 2026 in der Spitze 903 Millionen umsetzen könnte.

An der Börse halten sich die Reaktionen erst einmal zurück. Mit einem Minus von 0,8 Prozent fallen die Novartis-Titel in etwa mit dem Markt. (Reuters)

Erstellt: 09.05.2019, 09:34 Uhr

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