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Millionen-Flop der Zürcher Kantonalbank

Die Kantonalbanken von Zürich und der Waadt scheitern mit dem Aufbau einer gemeinsamen Tochtergesellschaft.

ZKB-Chef Martin Scholl: Bei der morgigen Präsentation der Halbjahreszahlen wirds wohl unangenehme Fragen geben.
ZKB-Chef Martin Scholl: Bei der morgigen Präsentation der Halbjahreszahlen wirds wohl unangenehme Fragen geben.
Keystone

Es sind die beiden grössten Kantonalbanken der Schweiz. Grossartig war ihre Idee, eine gemeinsame Gesellschaft für Bankdienstleistungen aufzubauen. Im Frühjahr 2007 wurde dies als «zukunftsweisende Zusammenarbeit» angekündigt. Gestern Abend flatterte dann die Meldung in die Redaktionen, dass das Projekt beendet werde. Damit scheitert die Zürcher Kantonalbank mit dem grössten Projekt ihrer Geschichte.

Die ZKB und die Waadtländer Kantonalbank wollten ihre Informatikplattformen zusammenführen und die technische Abwicklung der Bankgeschäfte, das sogenannte Backoffice, in eine neue Dienstleistungstochter einbringen. Geplant war ein Unternehmen mit 1300 Arbeitsplätzen 1050 im Kanton Zürich, 250 in Lausanne. «Das neue Unternehmen wird 2011 betriebsbereit sein», teilten die beiden Banken im April 2007 mit.

Vorgängig sollte die ZKB ihre IT-Plattform so modernisieren, dass die Waadtländer mit ihrem System daran andocken konnten. Daraus wird nun nichts. Was auf dem Reissbrett fantastisch aussah, lief ökonomisch aus dem Ruder. Es zeichneten sich massiv höhere Investitions- und Betriebskosten ab. «Die Komplexität des Projekts wurde massiv unterschätzt», räumt Sprecher Urs Ackermann ein. Wie viel von den rund 2 Milliarden Franken Investitionskosten in den Sand gesetzt wurden, ist unklar. Ackermann weist aber darauf hin, dass die ZKB ihre Informatik ohnehin hätte erneuern müssen.

Der ZKB laufen die Kosten davon

Die Idee, dass die Waadtländer oder andere Kantonalbanken bei der Zürcher Plattform andocken können, ist nun praktisch vom Tisch. Verflüchtigt haben sich damit die erwarteten Einsparungen. Bei der Ankündigung des Projekts rechneten die Partner mit Vorteilen in der Grössenordnung von 20 Prozent. Der damalige ZKB-Chef Hans Vögeli sprach von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Stattdessen bleiben dem Institut jetzt hohe Kosten ohne die erwarteten Einsparungen.

Die Zürcher investieren jährlich um die 400 Millionen Franken in die Informatik. Zwar liessen sie immer wieder verlauten, dass sie das verkraften können. Der Alleingang dürfte aber über kurz oder lang problematisch werden, zumal die Bank im zurzeit schwierigen Umfeld mit sinkenden Erträgen zu kämpfen hat.

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