Mit Fake-Werbung gegen rechts

In Deutschland tauchen Werbeplakate von Cola und Nutella gegen die AfD auf. Echt sind sie nicht – aber wirksam.

Das gefälschte Nutella-Plakat mitten in Berlin.

Das gefälschte Nutella-Plakat mitten in Berlin. Bild: Twitter/S_B_Foundation

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«Lieber braun auf's Brot als braun im Kopf!»: Diese Worte zieren ein Plakat von Nutella, welches auf dem Berliner Breitscheidplatz nahe der Berliner Shoppingmeile Kurfürstendamm steht. Und weiter: «Gegen Rassismus, Intoleranz und die rechte Hetze der AfD!» Nur: Das Plakat stammt nicht wirklich von Nutella beziehungsweise dessen Hersteller Ferrero. Das Unternehmen bestätigt dies gegenüber der deutschen Zeitung FAZ.

Dahinter stecken sogenannte Adbuster. Sie verfremden Werbeplakate mit eigenen Botschaften und erregen damit viel Aufmerksamkeit. Adbusting – zusammengesetzt aus den englischen Wörtern Ad (Werbung) und to bust (kaputt machen) – gilt als Form des Aktionismus. Wer das Nutella-Plakat angebracht hat, ist unklar. Auf Twitter hat die Aktivistengruppe Stay Behind Foundation ein Bild von der Aktion gepostet – ob sie auch dahintersteht, lässt sie offen. Die Gruppe, die sich weder als Club noch Organisation bezeichnet, stiftet eigenen Angaben zufolge «Unruhe, wann und wo immer es uns notwendig erscheint».

Erfolg in sozialen Medien

Der Aussenwerber Wall Decaux, in dessen Vitrine das Plakat hing, teilt gegenüber der FAZ mit, das Plakat sei in weniger als zwei Stunden entfernt worden. Doch dank sozialer Medien feiern solch verfälschte Werbungen heute Erfolge. Auf Twitter & Co. machen die Bilder innert kürzester Zeit die Runde und verwirren die Nutzer. Ist das Bild echt? Ein Fake? Die Diskussion ist damit entfacht, und die gewünschte Wirkung im Netz entfaltet sich.

Bereits letzte Woche war ein gefälschtes Coca-Cola-Plakat in Berlin aufgetaucht – ganz in der Nähe der AfD-Zentrale am Lützowplatz. Darauf hiess es: «Für eine besinnliche Zeit: Sag Nein zur AfD!» Der deutschen TAZ zufolge stammte dieses von der Initiative «AfDentskalender», die jeden Tag im Advent zu einer Aktion gegen die AfD aufruft. Diese Gruppe könnte auch hinter der Nutella-Aktion stecken – sie distanzierte sich gegenüber dem Portal Horizont.net aber davon. Sie hätte womöglich andere dazu inspiriert.

Coca-Cola ging mit dem Fall etwas anders um als Ferrero. Das US-Unternehmen teilte zwar mit, dass es sich um ein Fake handle. Der Kommunikationschef von Coca-Cola Deutschland Patrick Kammerer verbreitete das Bild aber sogar weiter mit den Worten: «Nicht jedes Fake muss falsch sein.»

Er wurde dafür von Twitter-Nutzern gelobt, es sei «mutig» und notwendig, Position zu beziehen. Auch der offizielle deutsche Account von Coca-Cola retweetete die Aussage.

Pepsi droht mit rechtlichen Schritten

Die Reaktion von AfD-Anhängern folgte umgehend in Form von Boykottaufrufen. Der Heidelberger AfD-Sprecher Malte Kaufmann postete Bilder von sich zunächst mit einem Glas Fritz-Cola, dann mit einem Glas Afri-Cola. Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke zeigte sich auf Twitter mit Vita-Cola, einem deutschen Cola-Produzenten. Die Marken haben sich allerdings ebenfalls bereits von der AfD distanziert.

Ein AfD-Anhänger postete sogar ein Bild eines gefälschten Plakats des Coca-Cola-Konkurrenten Pepsi mit den Worten: «Für eine besinnliche Zeit: Sag Ja zur AfD!». Die AfD Berlin retweetete dieses mit denselben Worten wie der Cola-Sprecher zuvor: «Nicht jedes Fake muss falsch sein.»

Pepsi reagierte sofort und drohte mit rechtlichen Schritten. «Pepsi distanziert sich klar von jeglicher parteipolitischen Vereinnahmung und behält sich gegen jegliche Verletzung seiner Markenrechte rechtliche Schritte vor», teilte das Unternehmen dem Portal Horizont.net mit.

Beim Hin und Her um das Fake-Cola-Plakat stellen Twitter-Nutzer nun bereits Vermutungen auf, was die Reaktion auf das Nutella-Plakat sein könnte. Auf dieses hat die AfD bislang noch nicht reagiert.

Erstellt: 12.12.2018, 19:57 Uhr

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