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Mit Synthes verschwindet auch ein SMI-Titel

Der Berner Hansjörg Wyss verkauft sein Lebenswerk für einen stattlichen Betrag an den amerikanischen Mischkonzern Johnson & Johnson. Die Aktien legen zu. Und: Der SMI braucht bald einen neuen Titel.

Der Orthopädiekonzern Synthes mit mehreren Standorten in der Schweiz kommt unter die Fittiche des amerikanischen Grosskonzerns Johnson & Johnson. Gemäss einer Medienmitteilung haben die beiden Unternehmen sich auf eine Übernahme geeinigt.

Auch Hansjörg Wyss, Firmengründer, Grossaktionär und Verwaltungsratspräsident von Synthes, hat der Transaktion demnach zugestimmt. Johnson & Johnson wird für die an der Schweizer Börse kotierte Synthes insgesamt 21,3 Milliarden Dollar zahlen. Gegenüber dem Schlusskurs der Synthes-Aktien entspricht das einem Aufschlag von 8,5 Prozent.

In bar und in Aktien

Die Transaktion erfolgt in bar und in Aktien von Johnson & Johnson. Dabei offeriert Johnson & Johnson 159 Franken pro Stammaktie von Synthes. Das Unternehmen entrichtet einen Drittel des Kaufpreises in bar. Unter diesen Bedingungen würde jede Aktie von Synthes für 55,65 Franken in bar plus mindestens 1,7098 und höchstens 1,9672 Stammaktien von Johnson & Johnson die Hand wechseln.

Der Abschluss der Übernahme ist für die erste Hälfte 2012 geplant. 2011 ist gemäss Communiqué nicht zu erwarten, dass die bereits abgegebene Gewinnprognose pro Aktie von Johnson & Johnson beeinflusst wird.

Synthes zusammen mit DePuy

Synthes wird künftig zusammen mit den Unternehmen der DePuy- Gruppe, die ebenfalls Johnson & Johnson gehören, den grössten Geschäftsbereich im Segment Medical Devices and Diagnostic bilden. Gemeinsam würden DePuy und Synthes das innovativste und umfassendste Orthopädiegeschäft der Welt betreiben, wird Johnson-&-Johnson-Chef Bill Weldon im Communiqué zitiert.

Laut Synthes-Gründer und -Chef Hansjörg Wyss wird sein Unternehmen bei Johnson & Johnson gut aufgehoben sein und die eigene Unternehmenskultur beibehalten können. Über mögliche Auswirkungen auf die Schweizer Standorte von Synthes - acht von 14 Produktionsbetrieben des Unternehmens befinden sich in der Schweiz - wurde im Mediencommuniqué vom Mittwochmorgen nicht eingegangen.

Die Transaktion muss von den US-Wettbewerbsbehörden und der EU-Kommission genehmigt werden. Sie unterliegt nicht den Schweiz Übernahmebestimmungen, da Synthes ausserhalb des Landes eingetragen ist.

Anleger zieren sich

An der Schweizer Börse notierte die Synthes-Aktie am Nachmittag bei 146,50 Franken und damit unter der Offerte von Johnson&Johnson (159 Franken). Händlern zufolge hat der hohe Aktienanteil an der Übernahmeofferte die Anleger leicht verstimmt.

Die Spekulationen seien über einen möglichen Verkauf von Synthes an Johnson & Johnson nun Realität worden, kommentieren die Marktbeobachter von Wegelin die Offerte. Die von Wegelin als «Medtech-Perle» bezeichnete Synthes-Aktie dürfte nun aus dem SMI ausscheiden.

Vontobel erwartet laut einem ersten Kommentar keine Gegenofferte, da Johnson & Johnson der «einzige industriell logische Käufer» sei. Der zuständige Analyst erachtet den Preis als fair, auch wenn dem einige Marktteilnehmer vermutlich nicht zustimmen dürften, wie es heisst.

Die Zürcher Kantonalbank zeigt sich überrascht, dass Synthes verkauft wird, auch wenn sich dies in den letzten Tagen abgezeichnet habe. Der gebotene Preis sei eher am unteren Ende der Erwartungen.

Ein SMI-Unternehmen verschwindet

Nach der Übernahme durch Johnson & Johnson verschwindet Synthes von der Schweizer Börse und damit auch aus dem Index der 20 grössten Titel, dem Swiss Market Index (SMI). Die Börsenbetreiberin SIX Group wird ein anderes Unternehmen in den erlauchten SMI-Kreis aufnehmen.

Welches Unternehmen das ist, lässt sich nach Auskunft von SIX- Sprecher Alain Bichsel noch nicht sagen. Klar ist, dass nach dem Verkauf von Synthes an Johnson & Johnson der dann nächstgrössere Titel an der Börse in den SMI nachrückt.

Geberit, Sonova oder Kühne Nagel

Der SMI vereint die 20 grössten und liquidesten Aktientitel an der Schweizer Börse wie beispielsweise UBS, Credit Suisse, Nestlé oder Novartis. Die 30 grössten an der Börse gehandelten Titel bilden den SLI (Swiss Leader Index). Dieser wurde 1999 geschaffen, weil sich bei 30 Unternehmen die Schwankungen der anteilsmässig grössten Titel weniger stark auf den Index auswirken als bei 20.

In Frage kommen für die Synthes-Nachfolge im SMI also die SLI-Titel auf den derzeitigen Plätzen 21 und folgende. Die wichtigsten Titel in diesem Segment sind derzeit der Sanitärkonzern Geberit, der Hörgerätehersteller Sonova und der Logistik-Multi Kühne Nagel. Danach folgen der Riechstofffabrikant Givaudan und das Chemieunternehmen Clariant.

SDA/sam

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