Möbel Pfister wird verkauft – Stellen bleiben erhalten

Das traditionsreiche Möbelhaus wird Teil der österreichischen XXXLutz-Gruppe. Den Mitarbeitern winkt ein Bonus.

Corina Eichenberger, Rudolf Obrecht und Stefan Linder der F.G. Pfister Holding informieren gemeinsam mit dem Vertreter der XXXLutz-Gruppe, Thomas Saliger, über den Verkauf von Möbel Pfister Foto: Screenshot Pressekonferenz

Corina Eichenberger, Rudolf Obrecht und Stefan Linder der F.G. Pfister Holding informieren gemeinsam mit dem Vertreter der XXXLutz-Gruppe, Thomas Saliger, über den Verkauf von Möbel Pfister Foto: Screenshot Pressekonferenz

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Es ist das Ende eines Stücks Schweizer Unternehmensgeschichte. Das Einrichtungshaus Möbel Pfister geht in ausländische Hände über. Die österreichische XXXLutz-Gruppe erwirbt dieses von der bisherigen Eigentümerin, der F.G. Pfister Holding.

Im Rahmen des Verkaufs geht nicht nur die Möbel Pfister AG, sondern auch die bisher der Pfister Holding gehörenden Töchter Arco Regio, Pfister Professional sowie die Pfister Vorhang Service AG in den Besitz von XXXLutz über. Zum Kaufpreis wurde gemäss den beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die bisherigen Markennamen Möbel Pfister, Hubacher, Egger und Svoboda sollen aber beibehalten werden, wie die F.G. Pfister Holding am Mittwoch mitteilte. Für die 1'800 Mitarbeitenden werde sich durch den Verkauf nichts ändern. «Pfister bleibt Pfister - auch nach dem Verkauf», betonte Rudolf Obrecht, Verwaltungsratspräsident der F.G. Pfister Holding am Mittwoch an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Zürich.

Alle Angestellten der Pfister Gruppe würden zu den gleichen Konditionen wie bisher weiterbeschäftigt. «Es wird zu keinen Entlassungen kommen», betonte Verwaltungsratspräsident Obrecht. Die Mitarbeitenden würden gar vom Verkauf profitieren. Ein Teil des Erlöses soll an sie ausgeschüttet werden. So erhielten die Angestellten pro Dienstjahr einen Bonus von 1000 Franken.

Auch XXXLutz-Mediensprecher Thomas Saliger betonte am Mittwoch vor den Medien, dass seine Firma in der Schweiz bei den Geschäften und beim Personal auf Kontinuität setzen werde. Allerdings werde man den lokalen Geschäften neu Zugang zu den Ressourcen und dem Sortiment von XXXLutz bieten.

Dass man mit verschiedenen Marken am Markt auftrete - in der Schweiz sollen die Namen Möbel Pfister, Hubacher, Egger und Svoboda ja erhalten bleiben - sei auch nichts Ungewöhnliches für XXXLutz. Diese Strategie verfolge man bereits in anderen Ländern. Die relative Autonomie der Filialen und Marken sei Teil der Unternehmenskultur, sagte Saliger.

«Anspruchsvolleres Umfeld»

Als Grund für den Verkauf erklärte der Vertreter der F.G. Pfister Holding, dass es für Einrichtungshändler immer anspruchsvoller werde, sich im «zunehmend globalisierten und kompetitiven Marktumfeld weiter zu entwickeln».

Zwar schreibe Möbel Pfister nach wie vor schwarze Zahlen, doch sei der Verkauf an die Österreicher in diesem Umfeld die «bestmögliche Option für das Unternehmen und die Mitarbeitenden», sagte Obrecht. Die Holding hielt bisher 100 Prozent der Aktien aller ihrer Tochtergesellschaften.

Der neue Eigentümer von Möbel Pfister XXXLutz betreibt aktuell 297 Einrichtungshäuser in zwölf europäischen Ländern, beschäftigt gut 22'200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro.

Der Konzern war erst im September 2018 mit einem eigenen Möbelhaus in den Schweizer Markt eingetreten. Erster Standort war ein 15'000 Quadratmeter grosses Geschäft im aargauischen Rothrist.

Markt gilt als gesättigt

Dabei galt der hiesige Markt bereits vor der Ankunft von XXXLutz als gesättigt. Nebst der nun übernommenen Pfister-Gruppe sind auch internationale Grössen wie Ikea sowie nationale Anbieter wie Micasa, Interio (Migros) oder Livique (Coop) hierzulande aktiv.

«Der Möbelhandel hat sich europäisiert, grosse Player liefern sich einen Preiswettkampf», sagte denn auch Obrecht. Skaleneffekte und der Onlinehandel würden Schweizer Anbietern wie Pfister zu schaffen machen.

Gleichzeitig - so betonte der Pfister-Verwaltungsratspräsident - sei seine Gruppe bisher nach wie vor profitabel. Doch sei mit XXXLutz nun ein Partner gefunden worden, der das langfristige Wohlergehen sichern und im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld bestehen könne.

«Der Stiftungsrat ist überzeugt, dass der Verkauf im aktuellen Umfeld eine weitsichtige Lösung ist», ergänzte Corina Eichenberger, Stiftungspräsidentin der F.G. Pfister Stiftung. Diese steht hinter der F.G. Pfister Holding, die die Geschäfte von Möbel Pfister und den anderen Einrichtungshäusern bisher kontrollierte.

Rücktritt von Pfister-Chef

Erst im September war bei der Möbel Pfister AG Chef Matthias Baumann zurückgetreten - offiziell aus persönlichen Gründen. Als Leiter ad interim wurde Gruppen-Finanzchef Ivan Bosin auserkoren.

Baumann ist der Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher und mit dessen Tochter Miriam, der Besitzerin des Basler Läckerli-Huus, verheiratet. Nach Baumanns plötzlichem Abgang war in Medienberichten über die Gründe spekuliert worden. Während Baumann sich selbst nicht äussern wollte, hatte Blocher der «Schweizer Illustrierten» gesagt, dass sein Schwiegersohn und das Unternehmen «sich über die künftige Ausrichtung in diesem sehr schwierigen Markt nicht mehr einig» gewesen seien. (aru/sda)

Erstellt: 23.10.2019, 08:05 Uhr

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