Monsanto hat keine Lust mehr auf Syngenta

Der US-Konzern zieht sein 47 Milliarden Dollar schweres Angebot zurück. Der Alleingang birgt für beide Firmen beachtliche Risiken.

Syngenta wird nicht mit Monsanto zusammengehen: Demonstration gegen die Fusion der beiden Agrochemie-Riesen in Basel (23. Mai 2015).

Syngenta wird nicht mit Monsanto zusammengehen: Demonstration gegen die Fusion der beiden Agrochemie-Riesen in Basel (23. Mai 2015). Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Der Albtraum vieler Bauern, Konsumenten und Gentechnik-Kritiker wird nicht Realität. Der US-Agrochemiekonzern Monsanto will den Schweizer Rivalen Syngenta nun doch nicht übernehmen. Die Amerikaner, weltgrösste Hersteller von überwiegend gentechnisch verändertem Saatgut, offerierten zuletzt 47 Milliarden Dollar für die Schweizer, ihrerseits führend bei der Herstellung von Pestiziden.

Als Syngenta den Annäherungsversuch Monsantos Anfang Mai publik machte, sah es zunächst so aus, als sei es vor allem eine Frage des Preises. Die ­ursprüngliche Offerte von 45 Milliarden Dollar wies Syngenta zurück. Das Angebot bewerte die eigenen Zukunftsaussichten «fundamental zu tief». Insgesamt hielten sich die Basler jedoch verbal betont zurück und überliessen das Feld den Amerikanern, die bald auch bei den Syngenta-Aktionären für eine Fusion warben.

Je mehr Zeit verstrich, desto deutlicher äusserte sich Syngenta. Neben dem Preis führte die Firma vor allem wettbewerbsrechtliche Gründe ins Feld. Ein vereinter Konzern hätte in zahlreichen Ländern eine marktbeherrschende Stellung erlangt und wäre von den Behörden wohl gezwungen worden, grössere Firmenteile abzustossen.

Verbale Gehässigkeiten

An der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende Juli ging das Syngenta-Management schliesslich verbal zum Angriff über. «Welchen Teil unseres Neins verstehen die nicht?», fragte Konzernchef Mike Mack in die Runde der versammelten Journalisten. «Wir haben 2011 Nein gesagt, wir haben 2012 Nein gesagt, und jetzt ist unsere Antwort ebenfalls Nein.» Monsanto hatte bereits in früheren Jahren versucht, Syngenta zu übernehmen.

In der Folge versüsste Monsanto das Angebot mit einem um 2 Milliarden Dollar verbesserten Preis. Hinzu kam eine auf 3 Milliarden Dollar angehobene Gebühr, sollte der Deal scheitern. Trotz dieser Zugeständnisse zeichnete sich ein Scheitern ab. Anfang dieser Woche wurde zwar über eine nochmals höhere Offerte spekuliert. Aber offenbar hatte Monsanto wenig Lust, den Baslern weiter entgegenzukommen – gerade auch wegen der weltweit deutlich sinkenden Aktienkurse.

Nach dem Rückzieher von Monsanto befinden sich die Syngenta-Titel mit einem Kurs von knapp 310 Franken nun wieder dort, wo sie vor der Offerte der Amerikaner notierten. Es ist deshalb fraglich, wie viel Syngenta mit der erfolgreichen Abwehrschlacht gewonnen hat. Der Frust der Aktionäre über die Leistung des Konzerns und die damit verbundene Kritik am Management um Chef Mike Mack ist beachtlich. Einige Beobachter sagen, dass sich der Verwaltungsrat nun gezwungen sehen könnte, die Konzernleitung in Teilen neu zu besetzen. Ob Mack, der die Firma seit 2008 führt, eine solche Rochade überstehen würde, ist fraglich. Sinkende Margen und enttäuschte Erwartungen haben dazu geführt, dass die Syngenta-Aktie seit zwei Jahren dem Gesamtmarkt deutlich hinterherhinkt. Selbst ein einschneidendes Sparprogramm, das den Abbau von über 1800 Stellen zur Folge hat, konnte die Investoren nicht besänftigen.

Syngenta will nun die zuletzt vernachlässigte Entwicklung neuer Pestizide forcieren. Damit sollen einerseits alte Produkte ersetzt und gleichzeitig Marktanteile gewonnen werden. Ob die Aktionäre nach der enttäuschenden Vergangenheit die dafür nötige Geduld aufbringen, ist ungewiss.

Ungelöst bleiben auch die Probleme Monsantos. Zwar ist der Konzern im Geschäft mit Gentech-Saatgut führend, gleichzeitig sind grosse Märkte wie die USA oder Brasilien bald gesättigt. Mit Syngenta hätte Monsanto die Schwäche im Pflanzenschutzgeschäft aufholen und die geografischen Lücken ausserhalb Nord- und Südamerikas schliessen können. Wie das nun ohne Zukauf gelingen kann, ist eine ungelöste Frage.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.08.2015, 21:37 Uhr

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