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Mord und Intrigen in Genfs Bankenwelt

Bald im Fernsehen: Ein mehrteiliger Thriller über die Bankenwelt – ein Vorstoss in die Tabuzone? Was Banker davon halten.

Einblicke in eine Tabuzone: Der neue Bankenthriller des Westschweizer Fernsehens. (Bild: RTS)
Einblicke in eine Tabuzone: Der neue Bankenthriller des Westschweizer Fernsehens. (Bild: RTS)

Der junge Genfer Bankdirektor Paul Grangier (Vincent Kucholl) wird bewusstlos in seinem Haus aufgefunden. Für seine Schwester Elisabeth ist sofort klar: Ihr Bruder wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Sie übernimmt die Führung der traditionellen Privatbank, welche seit 200 Jahren im Familienbesitz ist. Vor allem aber versucht sie herauszufinden, wer ihren Bruder ermorden wollte. So beginnt die sechsteilige Serie, die das Westschweizer Fernsehen RTS noch bis im April an verschiedenen Genfer Schauplätzen wie dem Château de Penthaz dreht und Ende Jahr ausstrahlen will.

RTS wagt sich mit dem Bankenthriller in eine Tabuzone vor. Verschwiegenheit und Diskretion sind in Genfs Bankenwelt eiserne Tugenden, die in der Regel selbst die Strafjustiz respektiert, wenn sie zum Eingreifen gezwungen ist. Die französische Drehbuchautorin Flore Vasseur hat ein weniger distanziertes Verhältnis zur Finanzwelt. Sie offenbart eine Welt, in der sich Banquiers, Rohstoffhändler, Notare, Anwälte, ja sogar Ärzte, Sanitäter, Polizisten und Hausangestellte ständige Intrigen und Machtkämpfe liefern.

Vom Fall Wegelin inspiriert?

Um die Dramatik zu akzentuieren, lässt Flore Vasseur ihre Story im Januar 2012 spielen, als der Finanzplatz wegen unversteuerter Kundenvermögen in den Fokus der amerikanischen und der französischen Justiz geriet und sich das Ende des Bankkundengeheimnisses abzeichnete. Diese Situation und auch die mediale Dauerkritik habe die für ihre Diskretion bekannte Genfer Bankenwelt gehörig durcheinandergebracht und gesellschaftliche und politische Debatten ausgelöst, schreibt die Produktionsgesellschaft Pointprod in einer Synopse.

Dreharbeiten zu «Quartier des banques». (Bild: RTS)
Dreharbeiten zu «Quartier des banques». (Bild: RTS)

Bei welcher Bank die Drehbuchautorin recherchierte, verrät der Arbeitstitel ihres Films. Der Thriller hiess zunächst «Buéguelin et Cie.», wohl eine Anspielung auf die Privatbank Wegelin. Das Westschweizer Fernsehen hat den Namen mittlerweile geändert – und wohl auch neutralisiert. «Quartier des banques» (Bankenquartier) heisst die Serie nun. Françoise Mayor, die bei RTS die Abteilung Fiktion leitet, sagt: «Es ist ein sensibles Thema. Natürlich hat Flore Vasseur im realen Bankenmilieu recherchiert. Aber wir wollen nicht mit dem Finger auf Leute zeigen. Wir bleiben in der Fiktion.»

Genfs Bankenwelt hofft auf differenziertes Bild

In Genfs Bankenwelt hat sich die Nachricht, RTS produziere einen Bankenthriller, längst herumgesprochen. «Wir finden es sympathisch, dass sich RTS für den Genfer Finanzplatz interessiert, und hoffen, dass einige Klischees beseitigt werden», sagt Jan Langlo, Direktor der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken. Das sei nicht das erste Mal, dass die Finanzwelt Drehbuchautoren inspiriert, stellt Edouard Cuendet, Direktor der Stiftung Genfer Finanzplatz, fest. Auch er hofft, dass die Serie nicht die «üblichen Bankenklischees» kolportiere, weil «der Finanzplatz die internationalen Standards bei den Anti-Geldwäscherei-Gesetzen und beim Austausch von Steuerdaten respektiert und weiterentwickelt», so Cuendet.

Wahrscheinlich wird den Genfer Bankenthriller auch das Deutschschweizer Fernsehen zeigen. Urs Fitze, bei SRF Bereichsleiter Fiktion, sagt: «In den vergangenen Jahren haben wir fast alle Serien von RTS synchronisiert und gezeigt, und natürlich überlegen wir uns auch eine Übernahme der neuen Serie.» Entschieden werde aber erst, nachdem man sie gesehen habe.

SRF mit ähnlichem Filmprojekt

SRF wird Ende Jahr ebenfalls einen selbst produzierten Bankenfilm ausstrahlen. Diesen dreht die Berner Regisseurin Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen») diesen Frühling. Hätte man die sich ähnelnden Filmprojekte nicht vermeiden können – oder sollen? Urs Fitze sagt: «Wir wussten sehr früh, dass sowohl RTS als auch SRF an einem Stoff zum Thema Banken arbeiten.» Das sei auch nicht weiter erstaunlich, gelten doch Zürich und Genf als die beiden grossen Bankenplätze schlechthin. RTS und SRF hätten aber unterschiedliche Ansätze gewählt, auf der einen Seite eine sechsteilige Serie und hier ein abendfüllender Zweiteiler, so Fitze.

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