Zum Hauptinhalt springen

Müssen die SBB bei Verspätungen bald mehr bezahlen?

Über eineinhalb Stunden zu spät kamen Zugreisende letzte Woche wegen einer Störung an. Die SBB entschädigten Betroffene mit fünf Franken. Der Bund prüft nun die Übernahme der strengeren EU-Regeln.

Zeitweise massive Verspätungen angezeigt: Infotafel der SBB.
Zeitweise massive Verspätungen angezeigt: Infotafel der SBB.
Newspictures, Johannes Dietschi
Mussten über Tunnels aus dem Zug geholt werden: Passagiere der SBB.
Mussten über Tunnels aus dem Zug geholt werden: Passagiere der SBB.
Newspictures, Johannes Dietschi
«Circa 30 Minuten später»: Passagiere der Zürcher S-Bahnen brauchten Geduld. (17. Juli 2013)
«Circa 30 Minuten später»: Passagiere der Zürcher S-Bahnen brauchten Geduld. (17. Juli 2013)
Leserreporter
1 / 18

In der EU sind die Bahnen per Gesetz verpflichtet, ihren Passagieren bei grossen Störungen im Netz bis zur Hälfte des Billettpreises zurück zu erstatten. Nicht so die SBB: Passagiere, die letzte Woche mehr als eineinhalb Stunden in einem Bahntunnel ohne Strom ausharren mussten, erhielten einen Fünf-Franken-Gutschein.

Laut «10vor10» prüft das Bundesamt für Verkehr nun, ob das Entschädigungssystem der EZ auch in der Schweiz eingeführt werden soll.

«Zu knausrig»

Ein Unfall mit einem Schienenkran, Kabelbrände letzte Woche, eine grosse Betriebsstörung auch am Montag. Die Pannenserie bei den SBB scheint nicht aufzuhören. Letzten Donnerstag mussten die Passagiere einer S-Bahn im Zürichbergtunnel eineinhalb Stunden ohne Strom ausharren, bis der Zug schliesslich abgeschleppt wurde. Als Trost verteilten Kundenbetreuer Fünf-Franken-Gutscheine, einlösbar nur bei den SBB. «Da waren wir sicher zu knausrig», gesteht SBB-Sprecherin Lea Meyer gegenüber «10vor10» nun ein. «Wir müssen noch einmal über die Bücher gehen und anschauen, wie wir auch Leute, die mehrmals von einer Störung betroffen sind, entschädigen können.»

Die Bahnkundenorganisation Pro Bahn fordert nun angemessene Entschädigungen, auch im Regionalverkehr. «Fünf Franken genügen wirklich nicht», empört sich Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn. «Das ist wirklich mickrig, es müsste mindestens 20 Franken geben.»

Strenge Regeln in der EU

In den EU-Ländern sind die Bahnunternehmen per Gesetz verpflichtet, Entschädigungen an ihre Passagiere zu bezahlen, und zwar in bar. Ab einer Stunde Verspätung gibt es mindestens einen Viertel des Ticketpreises zurück. Ab zwei Stunden Verspätung müssen die Bahnunternehmen mindestens die Hälfe zurückerstatten.

In vielen EU-Ländern gibt es darüber hinaus auch im Nahverkehr Entschädigungen. Im regionalen Nahverkehr zum Beispiel bezahlt die Deutsche Bahn ab einer Stunde Verspätung bis zu 80 Euro.

Anpassung an EU geprüft

Das Bundesamt für Verkehr will bis im Oktober nun prüfen, ob die EU-Richtlinien auch auf Schweizer Bahnunternehmen angewendet werden sollen. «Es ist klar, dass Bahnpassagiere, die eineinhalb Stunden lang in einem Tunnel stehen, den Anspruch und das Gefühl haben, sie müssten entschädigt werden», sagt BAV-Sprecher Andreas Windlinger. «Wir prüfen jetzt, in welcher Form die Fahrgastrecht-Vorschriften der EU ins Schweizerische Recht übernommen werden könnten.»

Die SBB betonen, man zeige sich schon heute kulant, obwohl es keine rechtlichen Grundlagen für Entschädigungen von Bahnpassagieren gibt. Im Fernverkehr würden bei über einer Stunde Verspätung Zehn-Franken-Gutscheine verteilt, in der ersten Klasse 15-Franken-Gutscheine. Anders im Regionalverkehr. «Es ist schwierig, herauszufinden, welche Leute auf dem Zug waren, weil wir keine Zugbegleiter haben.» Bei grösseren Pannen würden die Fahrgastinformations-Beauftragten mit Fünf-Franken-Gutscheinen «aufmunitioniert» und diese Gutscheine würden grosszügig verteilt.

Für Pro Bahn reicht das bei weitem nicht. Der Kunde dürfte eine richtige Entschädigung erwarten, gleich ob Nah- oder Fernverkehr. «Ob ich jetzt von Dübendorf nach Zürich oder bis Genf fahre – ich habe Anrecht auf die gleiche Behandlung», fordert Pro Bahn-Präsident Schreiber.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch