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Multi-Verwaltungsrat Hans Ziegler wegen Insiderhandels bestraft

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat den Ex-Verwaltungsrat diverser Schweizer Industrieunternehmen für schuldig befunden. Nun droht Hans Ziegler Gefängnis.

«Gravierender Fall»: Hans Ziegler.
«Gravierender Fall»: Hans Ziegler.
Gian Ehrenzeller, Keystone

Es sind harte Vorwürfe: Hans Ziegler soll zwischen 2013 und 2016 als Verwaltungsrat diverser Industriefirmen «wiederholt und systematisch Informationen aus den Unternehmen, in denen er als Organ tätig war», ausgenützt haben. Dies stellte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) in einer Untersuchung fest. Das Wissen habe er «insbesondere durch den Einsatz von Derivaten» ausgenützt, um von den zu erwartenden Kursbewegungen der Titel zu profitieren. Die Behörde spricht von einem «gravierenden Fall» von Insiderhandel.

Den Namen Hans Ziegler bestätigt die Finma zwar auch auf Nachfrage nicht, aber gemäss Informationen des «Tages-Anzeigers» handelt es sich zweifelsfrei um den ehemaligen Multi-Verwaltungsrat, der die Schweizer Wirtschaft jahrelang prägte. Ziegler sass etwa in den Aufsichtsgremien von OC Oerlikon, Swisslog oder Vögele.

Pflichten missachtet

Ziegler soll mit dem Know-how aus seinen Mandaten sogenannte Long-Positionen aufgebaut haben. Er setzte also mit Derivaten auf steigende Kurse. Dies tat er gemäss Finma jeweils vor Bekanntgabe von Übernahmen und positiven Geschäftsergebnissen, vor wichtigen strategischen Entscheiden und auch vor Verkäufen von Unternehmensteilen, wie die Behörde schreibt.

Ziegler spielte das Spiel aber auch umgekehrt und setzte auf Short-Strategien, um von fallenden Kursen zu profitieren. «Bei diesem Vorgehen missachtete er wiederholt die von den Unternehmen definierten Handelssperrperioden», so die Finma im Bericht. Er habe auch seine Pflichten, Managementtransaktionen zu melden, missachtet.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Die Untersuchung der Finma ergab zudem zahlreiche Hinweise darauf, dass Ziegler auch «unrechtmässig Insiderinformationen, die ihm aus seinem beruflichen Netzwerk» zukamen, ausnützte. Er habe damit beträchtliche Investitionen in Titel anderer Unternehmen getätigt, in denen er nicht aktiv war. Auch so habe er Insidergewinne gemacht.

Die Finma zog aufgrund ihrer Erkenntnisse unrechtmässig erzielte Gewinne von rund 1,4 Millionen Franken ein. Sie befand Ziegler in elf Einzelfällen bei sechs verschiedenen Wertpapieren für schuldig. Nun liegt der Fall bei der Bundesanwaltschaft, die ihn strafrechtlich behandelt. Ziegler drohen maximal fünf Jahre Gefängnis.

Steile Karriere

Jahrzehntelang galt Ziegler als einer der wichtigsten Strippenzieher der Schweizer Wirtschaft. Zuletzt war er etwa Verwaltungsrat bei den Industrieunternehmen Oerlikon und Schmolz+Bickenbach. Die Rücktritte aus diesen Gremien waren Ende November letzten Jahres mit «laufenden, auf seine Person bezogenen Untersuchungen» begründet worden. Der in Wald ZH geborene Ziegler gilt seit vielen Jahren schweizweit als Profi-Sanierer und Profi-Verwaltungsrat. Im Verlauf seiner steilen Karriere war er unter anderem von 1988 bis 1991 Finanzchef der Usego-Trimerco-Gruppe und von 1991 bis 1995 Finanzchef der Globus-Gruppe. 1996 gründete er ein Beratungsunternehmen, das sich in der Schweiz und im Ausland auf Unternehmenssanierungen spezialisierte. In den folgenden Jahren agierte er vor allem als Feuerwehrmann bei diversen Unternehmen, die in Schwierigkeiten steckten. Erstmals einen Namen machte er sich bei der Sanierung von Interdiscount.

Kritik an Tätigkeit

Später war Ziegler von 2001 bis 2009 Verwaltungsrat der Elma Electronic und von 2006 bis 2010 der Schlatter Holding. Bei Swisslog trat er im Juni 2015 nach elf Jahren als Verwaltungsrat zurück, kurz bevor das Unternehmen von der deutschen Kuka übernommen wurde. Bei Kuka sass Ziegler bis Ende letzten Jahres ebenfalls im Verwaltungsrat. Von 2012 bis 2015 war Ziegler Verwaltungsratspräsident von Charles Vögele, wo er bereits seit 2008 im Verwaltungsrat Einsitz hatte. Der Modekonzern ist inzwischen von der italienischen Modekette OVS übernommen worden.

Kritische Stimmen für seine Sanierer-Tätigkeit gab es immer wieder. Überschattet wurde diese insbesondere durch Vorwürfe von Rolf Erb, er sei schuld am Zusammenbruch der Winterthurer Erb-Gruppe. Im Herbst 2015 hatte das Bundesgericht allerdings eine Verurteilung des ehemaligen Konzernchefs Rolf Erb durch die Vorinstanz wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Gläubigerschädigung bestätigt.

(se/rj)

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