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Murdoch gibt dem Druck nach

Der Medienmogul zieht sein Angebot für eine Komplett-Übernahme des britischen Fernsehsenders BSkyB zurück. Premierminister David Cameron fordert inzwischen strafrechtliche Massnahmen in der Abhöraffäre.

Ziehen die Konsequenzen: Rupert Murdoch mit seinem Sohn James.
Ziehen die Konsequenzen: Rupert Murdoch mit seinem Sohn James.
Keystone

Der Medienmogul Rupert Murdoch zieht sein Übernahmegebot für den britischen Sender BSkyB zurück. Damit beugt er sich dem durch den Abhörskandal um das Murdoch-Blatt «News of the World» entstandenen Druck. Die Offerte für die 61 Prozent der BSkyB-Aktien, die der Murdoch- Konzern News Corporation noch nicht besitzt, werde zurückgezogen, teilte das Unternehmen mit.

«Es ist klar geworden, dass es in diesem Klima zu schwierig ist, weiter zu machen», erklärte der stellvertretende Vorsitzende und Präsident der Firma, Chase Carey. Der britische Premier David Cameron begrüsste den Schritt. Murdochs Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren den Schlamassel zu beseitigen und ihr Haus in Ordnung zu bringen, teilte sein Büro mit.

Abstimmung zuvorgekommen

Der Konzern des Medienmoguls kam mit dem Schritt einer von der Opposition initiierten Abstimmung im Unterhaus zuvor, in der festgestellt werden sollte, dass eine Übernahme von BSkyB durch News Corporation (News Corp) nicht im nationalen Interesse sei. Auch Camerons Partei kündigte ihre Unterstützung für den Antrag an.

Am kommenden Dienstag sollen Rupert Murdoch und sein Sohn James, der Vize-Geschäftsführer von News Corp ist, sowie die Leiterin von News International, Rebekah Brooks, vor dem Medienausschuss des Unterhauses Stellung nehmen. Als US-Bürger könnten sich die Murdochs der Befragung allerdings entziehen.

Das «Wall Street Journal» berichtete, dass Murdoch in Reaktion auf die wachsende Kritik an seinem Medienkonzern die vollständige Trennung von seinem britischen Zeitungssegment erwägt. News Corp sondiere das Interesse von möglichen Käufern für seine britische Zeitungsgruppe News International, berichtete die US-Zeitung.

«Schändliche» Praktiken

Der geplante Kauf des PayTV-Senders BSkyB durch Murdochs Konzern News Corporation war durch jüngste Enthüllungen in der Abhöraffäre besonders umstritten. Cameron verlangte am Mittwoch juristische Konsequenzen für die Verantwortlichen des Skandals.

Diejenigen, die für die «schändlichen» Praktiken verantwortlich seien, sollten strafrechtlich verfolgt werden, sagte Cameron im Unterhaus. Er rief Murdochs Unternehmen zu einer vollständigen Aufarbeitung der Anschuldigungen auf.

Bislang seien acht Verdächtige bei dem eingestellten Boulevardblatt «News of the World» festgenommen worden, hiess es. Cameron legte zudem Details zu einem richterlichen Untersuchungsausschuss dar. Dieser soll sich parallel zu den Polizeiermittlungen mit der Affäre um abgehörte Telefone von Promis und Privatleuten durch News International befassen. Er soll Journalisten, Politiker, Polizisten und andere Beteiligte vorladen können, um unter Eid auszusagen.

Ex-Berater des Premiers

Untersucht werden sollen auch die Bestechungszahlungen an die Polizei. Der Premier verteidigte sich erneut dagegen, dass er den früheren Chefredaktor des Murdoch-Blattes «News of the World», Andy Coulson, zu seinem Berater gemacht hatte. Er habe dies nur getan, weil Coulson ihm versichert habe, in keinerlei kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Wenn sich herausstelle, dass er gelogen habe, müsse er bestraft werden.

Die Börse reagierte auf die Entwicklungen: Die Aktien von BSkyB gaben inmitten der schwindenden Hoffnungen auf eine Übernahme am Mittwoch den siebten Tag in Folge nach: Sie verloren 2,3 Prozent.

AFP/jak

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