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Muss die Schweiz 5,6 Milliarden an die Euro-Rettung zahlen?

Als Mitglied des Internationalen Währungsfonds muss sich die Eidgenossenschaft am Rettungschirm für die Einheitswährung beteiligen. Bundesrat Hans-Rudolf Merz streicht zuerst einmal die Vorteile heraus.

«Der Bundesrat hatte noch keine Möglichkeit gehabt, sich detailliert mit dieser Situation zu beschäftigen. Er wird es tun und entsprechende Anträge stellen»: Hans-Rudolf Merz.
«Der Bundesrat hatte noch keine Möglichkeit gehabt, sich detailliert mit dieser Situation zu beschäftigen. Er wird es tun und entsprechende Anträge stellen»: Hans-Rudolf Merz.
Keystone

Die Schweiz sei daran interessiert, dass der Euro stabil bleibe, sagte Finanzminister Merz gegenüber der «Tagesschau» von SF. «60 Prozent unserer Exporte gehen in den Euroraum und wir sind natürlich interessiert, dass die Währung stabil ist, damit wir exportieren können. Davon lebt das Land und davon kommt der Wohlstand», sagte Merz weiter.

Am Internationalen Währungsfonds (IWF) ist die Schweiz mit 1,6 Prozent beteiligt. Bei einem Anteil von 250 Milliarden Euro am Rettungsschirm für den Euro würde das 5,6 Milliarden Franken für die Schweiz machen. Merz wollte diese Zahl nicht kommentieren. Der Beitrag der Schweiz könne noch nicht genau beziffert werden. «Der Bundesrat hatte noch keine Möglichkeit gehabt, sich detailliert mit dieser Situation zu beschäftigen. Er wird es tun und entsprechende Anträge stellen.»

Insgesamt 750 Milliarden Euro

Das im Kampf gegen Währungsspekulanten geschnürte Notpaket der EU ist weltweit mit grosser Erleichterung aufgenommen worden. Der am Rettungsschirm in der Höhe von 750 Milliarden Euro beteiligte Internationale Währungsfonds (IWF) sprach von einem «grossen Schritt nach vorne».

Die spanische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, das Rettungspaket sei eine Antwort «an alle, die versuchen, die wirtschaftliche und finanzielle Lage der EU zu untergraben».

Nächtliche Verhandlungen

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso fügte an, der Rettungsschirm werde dafür sorgen, dass «jeder Versuch zur Schwächung der Stabilität des Euro» scheitern werde. Auch die G-7- Staaten begrüssten in einer gemeinsamen Erklärung den in Brüssel vereinbarten Plan.

Mit dem Hilfsmechanismus will die EU die Stabilität des Euro verteidigen und die Finanzmarkt-Attacken auf verschuldete Länder stoppen. Die EU-Finanzminister hatten sich in der Nacht zu Montag in Brüssel auf das Paket geeinigt.

Mehrere Teile

Es setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: 60 Milliarden Euro sollen von der EU-Kommission kommen, 440 Milliarden Euro müssen die Euro-Länder im Notfall mittels Bürgschaften absichern. Der IWF soll bis zu 250 Milliarden Euro an Krediten zuschiessen.

Als «einmalig in der Geschichte des Euro und der EU» bezeichnete die deutsche Kanzlerin Angela Merkel das Rettungspaket. Der britische Finanzminister Alistair Darling sprach von einer «guten Einigung für ganz Europa». Zugleich verteidigte er den Entscheid Londons, sich nicht zu beteiligen. Dies sei «voll und ganz Sache der Euro-Gruppe».

Konzertierte Aktion

An der konzertierten Aktion ist auch die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligt, die am Montag erstmals seit ihrer Gründung damit begann, europäische Staatsanleihen aufzukaufen. Der EZB ist es an sich verboten, direkt bei den Staaten Anleihen zu erwerben. Sie kann die Staatsschulden aber auf dem Zweitmarkt erwerben und leiht den Staaten damit auf Umwegen Geld.

Die EZB kündigte zudem zusammen mit den Notenbanken der USA, Grossbritanniens, Kanadas und der Schweiz an, gemeinsam die Finanzmärkte stabilisieren zu wollen. Vereinbart wurden etwa Währungstauschgeschäfte, mit denen es für Europa einfacher wird, Dollar zu besorgen.

Börsenkurse stiegen prompt

Die Börsen verzeichneten deutliche Kurssprünge: Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg zwischenzeitlich um fünf Prozent über die Marke von 6000 Punkten. Die Börse in London gewann bis zum Nachmittag ebenfalls knapp fünf Prozent, in Paris stiegen die Kurse um fast neun Prozent.

Auch die US-Börsen reagierten in den ersten Handelsminuten mit kräftigen Kursaufschlägen: Der Dow-Jones-Index stieg um 3,2 Prozent auf 10'713 Punkte.

Die Debatte um die Hilfen für Griechenland hatte die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Tagen stark unter Druck gesetzt. Die Börsenkurse waren weltweit dramatisch abgerutscht.

Griechenland kämpft gegen Korruption

Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias suchte derweil mögliche weitere Auswege aus der Krise. An einer Sitzung mit Spitzenpolitikern des Landes sagte er der Steuerhinterziehung im Land den Kampf an.

Das Land stecke nicht nur in einer Finanzkrise, es gebe eine noch «tiefere Krise, ein Bankrott des Klientelsystems des Landes». Es sei «absolut notwendig, den Krieg gegen die Steuerhinterziehung zu gewinnen», zitierte ihn das Staatsfernsehen (NET).

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