Nach Rücktritt: Jetzt spricht der Sunrise-Chef

Olaf Swantee sagt im Interview, warum die Telekomfirma einen neuen Chef braucht und wie es mit ihm weitergeht.

Olaf Swantees Pläne für die Zukunft sind noch offen, er wäre aber interessiert daran, operativ zu arbeiten. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Herr Swantee, sind Sie aus Frust, dass der UPC-Deal nicht zustande gekommen ist, zurückgetreten?
Ich wollte mit der Übernahme von UPC die Konsolidierung des Schweizer Kommunikationsmarkts anführen. Die Aktionäre stimmten gegen diesen Plan. Diese Entscheidung akzeptiere ich, bin aber der Meinung, dass es nun einen anderen CEO mit einem neuen langfristigen Plan braucht (zum Bericht).

Sie haben also nach dem geplatzten Deal mit dem oppositionellen Grossaktionär Freenet gesprochen und geklärt, ob eine Standalone-Strategie die einzige Möglichkeit ist?
Es ist folgendermassen gelaufen: Wir haben den Kaufvertrag im Oktober gekündigt und danach nicht mehr mit Liberty Global verhandelt. Was bekannt ist, dass Freenet und Liberty Global weiter diskutiert haben. Sie konnten sich aber nicht auf einen Deal einigen. Das heisst, dass wir jetzt als starke Standalone-Unternehmung weitermachen.

Sie selber hatten im Oktober angekündigt, dass Sie bleiben wollen.
Ich habe damals gesagt, dass ein allfälliger Rücktritt nicht Priorität hat. Ich wollte zuerst Sunrise stabilisieren und zusammen mit dem Verwaltungsrat einen guten Plan und ein Budget für das nächste Jahr ausarbeiten. Und nun wollte ich früh Klarheit schaffen, was 2020 passiert (zum Kommentar).

Was auffällt: André Krause übernimmt nicht als CEO ad interim.
Es ist die Aufgabe eines CEO, einen Nachfolger aufzubauen. Ich bin froh, dass wir André Krause überzeugen konnten, den Posten zu übernehmen. Er war in der ganzen Transformation der Firma sehr kritisch und ist seit 7 Jahren dabei. Das gibt Kontinuität.

Musste Krause überzeugt werden? Er selbst hat sich ebenfalls exponiert und sich hinter den UPC-Deal gestellt. Man könnte nun glauben, dass er bleibt, um Sunrise nicht ganz zu destabilisieren.
Krause war mehr als ein CFO, wir haben immer eng zusammengearbeitet. Und er hat die volle Unterstützung des gesamten Verwaltungsrats, das ist wichtig.

«Sunrise ist als Standalone in einer extrem guten Verfassung. »

Hatten Sie die Unterstützung von Freenet nicht mehr?
Doch, ich hatte die Unterstützung. Aber mit André Krause ist nun jemand Chef, der die Zusammenarbeit mit Freenet über die nächsten Monate stärken kann.

Wie geht es bei Sunrise weiter?
Wir haben im vergangenen Jahr in den ersten Quartalen alle Mitbewerber geschlagen. Die Strategie als Qualitätschallenger wird André Krause weiterführen und noch weiter schärfen. Die Firma ist als Standalone in einer extrem guten Verfassung.

Warum gehen Sie denn überhaupt? Haben Sie schon was anderes?
Nein, ich habe keinen neuen Job. Die Entscheidung fiel mir schwer, vor allem, weil ich gerne mit den Mitarbeitenden zusammengearbeitet habe. Gleichzeitig war es mein langfristiger Plan, die Konsolidierung mit der UPC-Übernahme voranzutreiben. Deshalb ist es wichtig, dass ein Neuer den Chefposten übernimmt.

Welche Pläne haben Sie für Ihre eigene Zukunft?
Kurzfristig werde ich André Krause bis im April unterstützen. Für danach habe ich noch keine Pläne. Ich bleibe weiterhin Verwaltungsrat von Telia.

Streben Sie eine Verwaltungsratskarriere an?
Das muss ich mir noch überlegen. Aber ich bin sicherlich interessiert, operativ zu arbeiten.

Ist es denkbar, dass Sie bald schon bei einem Konkurrenten wie Salt anheuern? Oder haben Sie eine Klausel, dass Sie nicht zur Konkurrenz wechseln dürfen?
Ich habe eine solche Klausel. Zudem wäre ein solcher Wechsel nicht die erste Priorität.

Erstellt: 03.01.2020, 11:49 Uhr

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