Nachsicht ist nicht angebracht

SUV liegen im Trend, trotz Klimakrise. Um das zu stoppen, sollten sie sehr viel teurer werden.

Sie bringen unserer Gesellschaft enorme Probleme – und werden doch immer beliebter: ein SUV in der Stadt Zürich. Foto: Keystone

Sie bringen unserer Gesellschaft enorme Probleme – und werden doch immer beliebter: ein SUV in der Stadt Zürich. Foto: Keystone

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Ein schwerer Porsche-SUV rast in Berlin auf ein Trottoir, vier Menschen sterben. Die Ursache der Todesfahrt ist nicht geklärt. War der Wagen schuld, wegen eines fehlerhaften Assistenzsystems? Oder der Fahrer, der vielleicht gesundheitliche Probleme hatte? Und hätte so etwas nicht auch mit einer Limousine passieren können?

Ausschliesslich an diesem Crash die Gefahren von SUV und Geländewagen zu kritisieren, ist unseriös. Und doch ist es gut, dass nach diesem Unfall eine grundlegende Debatte über sehr grosse Autos entsteht.

Diese Autos bringen unserer Gesellschaft enorme Probleme – und werden doch immer beliebter. Jeder dritte Käufer greift mittlerweile zu solch einer Fahrzeugklasse. Auf der Automobilausstellung IAA in Frankfurt werden in diesen Tagen etliche solcher aufgepumpten Autos ausgestellt. Sie liegen im Trend.

«Der Strom muss ja irgendwoher kommen, und die grossen E-SUV verbrauchen teilweise doppelt so viel wie kleine, leichte E-Autos.»

Die Probleme sind offensichtlich: Grösse und Gewicht. Eineinhalb oder zwei Tonnen müssen erst einmal bewegt werden, das kostet viel Energie. Dass der Strassenverkehr beim CO2-Ausstoss nicht besser wird, liegt genau daran. Eine absurde Entwicklung in Zeiten der Klimakrise.

Übrigens sieht die Bilanz mancher neuer Elektro- und Hybridwagen nicht viel besser aus: Der Strom muss ja irgendwoher kommen, und die grossen E-SUV verbrauchen teilweise doppelt so viel wie kleine, leichte E-Autos. Apropos Grösse: Der Durchschnittsparkplatz ist 2,30 Meter breit. Ein grosser SUV passt da gerade so hinein, manchmal auch nicht. Noch eine absurde Entwicklung in sehr engen Innenstädten.

Und ja, auch um die Sicherheit geht es bei der Debatte um SUV. Solche Wagen würden gekauft, sagen die Automanager, weil die Insassen sich sicherer fühlten. Doch die Sicherheit ist einseitig. Im Falle eines Zusammenpralls sind alle Kleineren unterlegen. Fussgänger und Velofahrer haben oft keine Chance; es erwischt sie häufig auf Brusthöhe. Kleinwagen, die nur die halbe Masse aufbringen, werden zermalmt bei der Kollision mit einem SUV.

«Der Markt entwickelt sich in die falsche Richtung, zulasten der Allgemeinheit, und deshalb braucht es nun harte Regeln der Politik.»

Eine Spirale des automobilen Aufrüstens hat begonnen, und die mächtigen Konzerne befördern den Trend nach Kräften: möglichst viel schweres Blech verkaufen, denn damit verdient man mehr Geld als mit kleinen Autos. Das Ziel von Volkswagen lautet: In fünf Jahren soll jeder zweite Wagen ein SUV sein. Mercedes bewarb sein neues Modell mit dem Spruch: «Sie jagen gern Abenteuer in der Grossstadt?» Im Angesicht des Unfalls wurde die Kampagne jetzt gestoppt.

Der Markt entwickelt sich in die falsche Richtung, zulasten der Allgemeinheit, und deshalb braucht es nun harte Regeln der Politik. Keine Fahrverbote in den Städten, das wäre zu viel, aber das Prinzip muss lauten: Wer mit seinem Wagen viel mehr Raum und Ressourcen verbraucht und ein höheres Risiko darstellt als andere, sollte dafür sehr deutlich zahlen. Es gilt, übergrosse Wagen durch Steuern erheblich teurer zu machen, die Nutzer kleinerer E-Autos zu entlasten. Auch wenn die Premiumhersteller aufheulen.

Und die Gemeinden und die Polizisten sollten zugleich genauer hinschauen in den Innenstädten, wo SUV tatsächlich zu Stadtpanzern werden, auf Trottoirs ragen oder Kreuzungen zustellen, mangels Parkplatz. Nachsicht ist da nicht angebracht.

Erstellt: 13.09.2019, 22:28 Uhr

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