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Nächste Episode in Goldmans Muppetshow

Goldman Sachs durchforstet nun die E-Mails der Mitarbeiter nach beleidigenden Ausdrücken – und sorgt damit für weiteres Gespött an der Wall Street.

Die Muppetshow zeigt Präsenz an der Wall Street : Puppe von Kermit dem Frosch.
Die Muppetshow zeigt Präsenz an der Wall Street : Puppe von Kermit dem Frosch.

Was der Frust eines Bankers alles auslösen kann. Vor einer Woche kündigte Investmentbanker Greg Smith seinen Job. Smith hatte es satt, sich tagein tagaus das Gefluche am Arbeitsplatz anzuhören. Auch die Attitüde seiner Kollegen hing Smith zum Hals hinaus. Und überhaupt: Die Kriterien, nach denen die Chefs in seinem Unternehmen Leute beförderten, passte Smith gar nicht.

Der Banker verfasste deshalb einen Artikel. Und schickte ihn an die Redaktion der New York Times, weil er dachte, seine Gedanken könnten die Zeitung interessieren. Das taten sie auch – denn Smiths Arbeitgeber war nicht irgendein drittklassiger Anlagefonds, sondern das berüchtigste Finanzhaus an der Wall Street überhaupt.

Die Times zögerte deshalb nicht, Smiths Insiderwissen der Welt mitzuteilen: Bei Goldman Sachs seien die Kunden nicht Könige, sondern einfach nur «Muppets» – oder «Deppen» auf gut Deutsch.

Email-Detektive ziehen los

Smiths Enthüllung hinterliess die Öffentlichkeit halb geschockt, halb amüsiert (siehe dazu auch unser Videointerview: «Das ist nur die Spitze des Eisbergs»). Goldman Sachs zeigte sich derweil beschwichtigend: Bei 30'000 Angestellten könne es schon mal vorkommen, dass einzelne Individuen den firmeninternen Knigge missachten würden, so Bankenchef Lloyd Blankfein. In einem internen Memo kündigte er vor einer Woche an, man werde Smiths Vorwürfe «untersuchen».

Offenbar meinte es Blankfein ernst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werden bei Goldman Sachs nun sämtliche internen E-Mails durchleuchtet. Ein Computer soll nach Schimpfwörtern suchen und so diejenigen Mitarbeiter aufstöbern, die über Kunden oder Mitangestellte in verächtlicher Art sprechen. Wie viel Zeit die Suche in Anspruch nehmen wird, dazu nahm Goldman Sachs gegenüber Reuters nicht Stellung. Und welche Massnahmen wohl die Angestellten treffen, in deren Mails tatsächlich das Wort «Muppets» vorkommt, wollte die Bank auch nicht sagen.

In der Netzgemeinde fragt man sich derweil, wie die Computerfahndung bei Goldman Sachs wohl aussehen könnte. Sucht die Bank in den Mitarbeitermails vielleicht auch nach Kermit dem Frosch? Nach Miss Piggy, Ernie und Bert oder dem Krümelmonster?

Ein Blogger des «Wall Street Journal» hat für die Bank einige kritische Begriffe zusammengetragen. Zuoberst auf seiner Liste steht das Wort «Fahrstuhl». Oder auf Englisch: «Elevator». Genau so wie im Twitter-Account namens «GS Elevator Gossip», der täglich erfundene Sprüche aus dem Lift der Wall-Street-Bank zum Besten gibt und damit über 200'000 Follower bei Laune hält. Wetten, dass Goldman Sachs diesen Twitterautor gerne fassen würde?

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