500 Schweizer Jobs weg – Nestlé baut Informatik um

Der Schweizer Multi setzt auf sein Tech-Zentrum in Barcelona. Auch bei Nespresso kommt es zu Veränderungen.

Nestlé setzt vermehrt auf Barcelona: Internationaler Hauptsitz in Vevey. (13. Februar 2018)

Nestlé setzt vermehrt auf Barcelona: Internationaler Hauptsitz in Vevey. (13. Februar 2018) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Der Nahrungsmittelmulti Nestlé baut seine weltweite Informatik um. Dazu will er das Technologiezentrum in Barcelona und andere Standorte besser nutzen. Die Neuorganisation könnte bis zu 500 Stellen kosten. Nespresso lagert 80 Stellen aus.

Der Arbeitsplatzabbau würde innerhalb von 18 Monaten vollzogen, schrieb Nestlé am Dienstag in einem Communiqué. Mit dem Schritt will das Unternehmen den digitalen Wandel beschleunigen und von Innovationen in der Informatik profitieren. Die Massnahmen erhöhen den Angaben zufolge auch die operative Effizienz.

Die Kaffeekapsel-Tochter Nespresso ihrerseits plant spezialisierte Zentren in Spanien und Portugal und will bereits bestehende Nestlé-Einrichtungen für den Onlinehandel und die Lieferketten nutzen. Dazu lagert die Firma 80 Stellen von Lausanne ins Ausland aus.

Die Nespresso-Boutiquen sollen von einem neuen Zentrum in Italien geleitet werden. Nespresso bietet allen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Stellen in den drei Zentren im Ausland an.

Abbau im Waadtland

Die Angestellten können die Pläne nun während einer Konsultationsphase kommentieren, wie Nestlé weiter mitteilte. Zudem erarbeite das Unternehmen Sozialpläne. Hinzu kämen Stellenangebote innerhalb des Konzerns, Frühpensionierungen und die Beratung bei der Stellensuche. Produktionsstandorte in der Schweiz seien von den Massnahmen nicht betroffen.

Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden laut Nestlé informiert. Die Stellen befinden sich in Vevey, Lausanne und Bussigny VD.

Seitens der Konzernleitung liess sich der globale Personalchef Peter Vogt mit den Worten zitieren, der Konzern werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Betroffenen Unterstützung zu gewähren und die Auswirkungen abzumildern. Nestlé bleibe dem Heimstandort Schweiz verbunden.

Volkswirtschaftsdirektor wird vorstellig

Die drei vom Abbau betroffenen Waadtländer Standortgemeinden reagierten mit Bedauern auf die Abbaupläne. Sie forderten rasche Verhandlungen, um Alternativen zu finden und die Arbeitsplätze im Kanton zu behalten.

Der Waadtländer Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Philippe Leuba erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, er habe bei der Nestlé-Generaldirektion in aller Form um ein Treffen noch in der laufenden Woche ersucht. Er wolle alternative Lösungen ausloten und nicht einfach stillhalten.

Es sei ihm gelungen, ausreichende Fristen für die Organisation des Personals zu erzielen. Die Nachrichten von Nestlé seien schlecht und seine Gedanken gälten den Beschäftigten und ihren Angehörigen, sagte Leuba weiter.

Wie Nestlé im Communiqué weiter mitteilte, baute das Unternehmen seine Aktivitäten in der Schweiz in den vergangenen Jahren aus. So stieg der Personalbestand zwischen 2013 und 2017 von 6700 auf 10'100. 6000 dieser Arbeitsplätze sind im Kanton Waadt. Das Unternehmen habe im Inland umfangreich investiert. 2018 plane der Konzern in der Schweiz Investitionen von rund 300 Millionen Franken.

Vergangene Woche hatte Nestlé angekündigt, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Lausanne zu konzentrieren und zu verstärken. Dazu werden zwei Zentren mit 800 Beschäftigten zu einem internationalen Forschungspool in der Waadtländer Hauptstadt zusammengelegt. (sep/sda)

Erstellt: 29.05.2018, 09:45 Uhr

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