Nestlé macht mit Starbucks-Kaffee Gewinn

Der Konzern profitierte im ersten Halbjahr von höheren Verkäufen von Tierfutter, Babynahrung und Kaffee.

Preiserhöhungen hätten den Anstieg der Einkaufspreise für Nestlé «mehr als wett» gemacht. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Preiserhöhungen hätten den Anstieg der Einkaufspreise für Nestlé «mehr als wett» gemacht. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

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Der Nahrungsmittelriese steigerte in der ersten Jahreshälfte 2019 Umsatz und Profitabilität. In den ersten sechs Monaten setzte Nestlé 45,5 Milliarden Franken um, das sind 3,5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

Das für die Industrie wichtige organische Wachstum, bei dem Wechselkursveränderungen sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet sind, belief sich auf 3,6 Prozent, wie Nestlé am Freitag mitteilte. Im ersten Quartal war es um 3,4 Prozent nach oben gegangen. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 3,9 Prozent. Für das Gesamtjahr konkretisiert Nestlé den Ausblick und zeigt sich dabei vorsichtig.

Tierfutter und Starbucks zogen

Die 3,6 Prozent für das gesamte Halbjahr setzten sich zusammen aus einem Mengenwachstum (RIG) von 2,6 Prozent und Preissteigerungen von 1,0 Prozent. Die Preisdynamik habe sich infolge des deflationären Drucks in Europa und der schwachen Preisgestaltung in Brasilien im zweiten Quartal etwas verlangsamt, hiess es in der Mitteilung.

Am meisten zur Wachstumsbeschleunigung hätten derweil Brasilien und die USA beigetragen. In Brasilien, Nestlés viertgrösstem Markt, hatte im Vorjahr noch ein Lastwagenfahrerstreik belastet.

Nach Produktkategorien verkaufte Nestlé vor allem deutlich mehr Tierfutter, Babynahrung und Kaffee. Nachdem Kaffee zuletzt noch gelitten hatte, verbesserte sich nun die Dynamik von Nespresso und Nescafé in allen Zonen, wie es hiess. Vor allem aber stiess auch die Lancierung von Starbucks-Produkten, für die sich Nestlé letztes Jahr die Verkaufsrechte für über 7 Milliarden Dollar gesichert hatte, auf eine starke Nachfrage. Die Produkte kamen in vierzehn Märkten in die Läden.

Bildstrecke: Nestlé sichert sich Starbucks-Kaffee

Bei der Profitabilität näherte sich der Konzern seinen Zielen für 2020 an, die eine bereinigte Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebit von 17,5 bis 18,5 Prozent vorsehen. Im Halbjahr verbesserte sich dieser Wert auf 17,1 Prozent von 16,1 Prozent im Vorjahreshalbjahr. Nestlé legt den Fokus beziehungsweise die Zielgrösse aufgrund grösserer Restrukturierungen seit einiger auf die bereinigte Kennzahl.

Zwar steckte Nestlé in den ersten sechs Monaten mehr Geld in das direkte Konsumentenmarketing und musste höhere Einkaufspreise bezahlen. Doch Preiserhöhungen hätten den Anstieg der Einkaufspreise mehr als wett gemacht. Daneben hätten auch Kosteneinsparungen, Effizienzgewinne sowie ein verbesserter Produktmix für die Margenausweitung gesorgt. 20 Basispunkte zur Ergebnismarge trug zudem der Verkauf der Hautpflegesparte Skin Health bei, wird die Sparte doch neu als ein zur Veräusserung gehaltener Vermögenswert eingestuft.

Unter dem Strich blieb im ersten Halbjahr ein Reingewinn von 5,0 Milliarden Franken, das ist ein Minus von knapp 15 Prozent. Im Vorjahr hatte noch der Verkauf des US-Süsswarengeschäfts zusätzliches Geld in die Konzernkassen gespült. Ohne diesen Verkauf wäre der zugrundeliegende Reingewinn laut Communiqué um 16 Prozent gestiegen. Mit den vorgelegten Zahlen hat Nestlé die Erwartungen der Finanzgemeinde beim organischen Wachstum erfüllt und bei der Marge übertroffen.

3,5 Prozent Wachstum für 2019 erwartet

Für das Gesamtjahr 2019 bestätigt Nestlé den Ausblick und erwartet ein organisches Umsatzwachstum um die 3,5 Prozent. Die Vergleichszahlen seien für das zweite Halbjahr anspruchsvoller, zudem gebe es mehr Gegenwind von den Rohstoffpreisen, begründete Konzernchef Mark Schneider den eher vorsichtigen Wachstumsausblick an einer Telefonkonferenz. Bis 2020 will Nestlé ein mittleres einstelliges organisches Wachstum erreichen.

Weiter stellt Nestlé für das laufende Jahr eine (bereinigte) operative Ergebnismarge von 17,5 Prozent oder höher in Aussicht. Damit würde das Margenziel für das nächste Jahr bereits 2019 erreicht.

Beim Portfoliomanagement sieht sich das Nestlé-Management auf Kurs. Der Abschluss des Verkaufs der Hautpflegesparte Skin Health soll wie geplant in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Die Prüfung strategischer Optionen für Herta Charcuterie sei im Gang und werde voraussichtlich Ende Jahr abgeschlossen sein.


«Nur weil etwas pflanzlich ist, ist es nicht einfach gesund» Nestlé-Chef Mark Schneider über den schwindenden Appetit auf Fleisch, die Glaubwürdigkeit seines Unternehmens und Futter für demente Hunde.




(sda)

Erstellt: 26.07.2019, 09:45 Uhr

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