Nestlé steht vor Milliarden-Deal

Der Schweizer Multi führt für eine Sparte mit 5000 Mitarbeitern exklusive Verkaufsverhandlungen.

Nestlé Skin Health mit Hauptsitz in Lausanne beschäftigt 5000 Mitarbeiter in 40 Ländern. (Archiv Keystone)

Nestlé Skin Health mit Hauptsitz in Lausanne beschäftigt 5000 Mitarbeiter in 40 Ländern. (Archiv Keystone)

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Der Nestlé-Konzern geht bei seinem laufenden Firmenumbau mit hohem Tempo vorwärts und steht vor einem weiteren Milliarden-Deal. Nun soll die Hautpflegesparte, die offiziell Nestlé Skin Health (NSH) heisst, für über 10 Milliarden Franken verkauft werden.

Man verhandle exklusiv mit einem Konsortium um den Finanzinvestor EQT und die Abu Dhabi Investment Authority (Adia) über den Verkauf der NSH-Sparte, teilte der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller am Donnerstag mit. Dabei ist die Rede von einem Verkaufspreis von 10,2 Milliarden Franken.

Die Transaktion dürfte gemäss den Angaben in der zweiten Jahreshälfte 2019 abgeschlossen werden, dies nach Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitenden und vorbehaltlich der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. Nach Abschluss des Verkaufs soll dann über die Verwendung des Erlöses sowie die zukünftige Kapitalstruktur informiert werden.

Nestlé Skin Health (NSH), die den Hauptsitz in Lausanne hat, erzielte 2018 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Franken und beschäftigt mehr als 5000 Mitarbeitende in 40 Ländern. Sie ist spezialisiert auf Lösungen im Bereich Hautgesundheit und aufgeteilt in die drei Geschäftseinheiten Verschreibungspflichtige Präparate, Ästhetische Dermatologie und Consumer. Sie verkauft Produkte, die sowohl für den medizinischen Bereich wie auch für Patienten und Konsumenten direkt bestimmt sind. Neben Hauptpflegeprodukten sind das etwa auch Mittel gegen Akne und Hautkrebs.

Keine Überraschung

Ganz überraschend kommt die Verkaufsankündigung nicht. Nestlé hatte bereits vergangenen September mitgeteilt, dass Optionen für die Sparte geprüft würden. Seither wurden in der Presse immer wieder Finanzinvestoren als mögliche Käufer ins Spiel gebracht. Erst am Vortag hatte die «Financial Times» darüber berichtet und dabei mehr oder weniger die jetzt von Nestlé bestätigten Käufer und Bedingungen genannt. Das dürfte denn auch der Grund gewesen sein, dass Nestlé über die Absichten vor dem offiziellen Verkaufsabschluss berichtet hat.

Die NSH-Sparte wurde in den letzten Jahren umgebaut und profitabler gemacht, zuletzt beziehungsweise im ersten Quartal 2019 erzielte sie ein zweistelliges organisches Wachstum und wuchs damit deutlich schneller als der Gesamtkonzern (3,4%). Der geplante Verkauf wurde im letzten Herbst denn auch nicht mit ungenügenden Zahlen begründet, sondern damit, dass das künftige Wachstumspotenzial von Skin Health «zunehmend ausserhalb der strategischen Grenzen der Gruppe» liege.

Handschrift von Schneider

Der neueste Milliarden-Deal trägt ganz klar die Handschrift von Konzernchef Mark Scheider. Seit er vor gut zwei Jahren den Chefposten bei Nestlé übernommen hat, weht dort ein anderer Wind. Schneider will nicht nur mehr Wachstum und bessere Margen erzielen, sondern legt den Fokus des Konzerns auch verstärkt auf gesündere und nachhaltigere, aber auch wachstumsstarke Produkte. So wurden die Bereiche Kaffee, Wasser, Haustier- und Säuglingsnahrung als Wachstumskategorien definiert.

Seither bewegt sich der Konzern mit Riesenschritten in diese Richtung. So hat Nestlé etwa vor einem Jahr die Rechte zum Verkauf von Starbucks-Produkten für über 7 Milliarden US-Dollar übernommen. Weitere Riesen-Transaktionen waren etwa der Kauf der kanadischen Atrium Innovations für 2,3 Milliarden US-Dollar Ende 2017 oder der Verkauf des US-Süsswarengeschäftes für 2,8 Milliarden US-Dollar Anfang 2018. Wie der Konzern kürzlich an einem Investorentag aufzeigte, wurden seit 2017 insgesamt rund 50 Transaktionen durchgeführt oder zumindest geprüft, die rund 9 Prozent des ganzen Nestlé-Umsatzes ausmachen.

Der Umbau von Nestlé kommt auch bei Investoren sehr gut an. Die Nestlé-Aktie, die als sehr defensiver Wert gilt, hat in diesem Jahr bereits fast ein Viertel zugelegt und damit den Gesamtmarkt (SMI 12%) deutlich hinter sich gelassen. (sep/sda)

Erstellt: 16.05.2019, 07:54 Uhr

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