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Nun drückt die Finanzkrise auf die Konjunktur

Ein Forschungsinstitut nach dem anderen senkt die Wachstumsprognosen. Zu stark ist die Schweizer Wirtschaft von der Finanzbranche abhängig.

Langsam wird es zur Nervensache: Ein Prognoseinstitut nach dem anderen revidiert seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandprodukt nach unten. Meist geschieht das begleitet mit den besänftigenden Worten, die Schweizer Wirtschaft sei kerngesund, und es bestehe im Grunde kein Anlass zur Besorgnis. Wirklich nicht?

Jetzt hat auch das BAK Economics seine Zahlen zusammengestrichen. Die Basler Ökonomen gehen für das laufenden Jahr weiterhin von einem Wachstum von 2 Prozent aus. Das entspricht dem Potenzialwachstum, mit anderen Worten dem, was unsere Wirtschaft durchschnittlich pro Jahr zulegen kann. Die Sache hat jedoch einen Haken: Dieses Wachstum findet teils nur in der Statistik statt. Es ist wie im Trickfilm. Wenn die Figur längst über den Abgrund gerannt ist, bleibt sie eine Zeitlang in der Luft stehen, bis sie wie ein Stein fällt. Dieses Phänomen kennen auch die Wirtschaftstatistiker. Sie nennen es «technischen Überhang».

Starke Trümpfe, aber...

Bereits nächstes Jahr soll das Wirtschaftswachstum gemäss BAK auf 1,3 Prozent fallen. Sicher hat die Schweizer Volkswirtschaft nach wie vor starke Trümpfe: Die Exporte laufen noch gut, weil die Produkte zwar teuer, aber dank ihrer Qualität gefragt sind. Doch wenn sich die Weltwirtschaft weiter eintrübt, werden auch die Exporte davon betroffen sein. Die Schweiz muss im Gegensatz zu den USA, aber auch Spanien und Grossbritannien, keine Folgen einer geplatzten Immobilienblase verdauen. Bisher hat sich auch der Konsum erstaunlich gut gehalten.

Das könnte sich jedoch rasch ändern. Die Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten bleiben nicht ohne Wirkung. Die Konsumenten werden verunsichert und bleiben auf ihrem Geld sitzen. In der Schweiz ist die Finanzindustrie überproportional ausgebaut und für rund 15 Prozent des Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Wenn hier Arbeitsplätze abgebaut werden, bleibt dies nicht ohne Auswirkungen auf die Gesamtnachfrage. Auch der Staat leidet mit, die Finanzkrise hat bereits zu Steuerausfällen in der Höhe von Hunderten von Millionen Franken geführt.

Zahlen sind besser als Realität

Entspannt hat sich dafür die Lage an der Inflationsfront. Die Teuerung sollte wieder unter 2 Prozent sinken. Und auch das Tanken sollte ein wenig von seinem Schrecken verlieren: Der Ölpreis ist zeitweise unter 90 Dollar pro Fass gefallen.

Fazit: Derzeit sind die Zahlen eindeutig besser als die Realität. Die Finanzkrise hinterlässt zunehmend Spuren in der realen Wirtschaft. Bisher sind sie verkraftbar. Rezession und Massenentlassungen sind vorläufig noch nicht zu befürchten. Spüren werden wir die Krise aber zweifelsohne.

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