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Österreicher buhlen um Schweizer Feriengäste

Österreich und Deutschland umwerben zahlungskräftige Schweizer Gäste. Zum Leidwesen der heimischen Tourismuswirtschaft. Auf Dauer sei aber für beide Seiten ein schwächerer Franken wünschenswert.

Schweizer Touristen sind gefragt: Ein Handharmonikaspieler am Österreich-Stand an der Schweizer Messe für Ferien und Freizeit Fespo in Zürich.
Schweizer Touristen sind gefragt: Ein Handharmonikaspieler am Österreich-Stand an der Schweizer Messe für Ferien und Freizeit Fespo in Zürich.
Keystone

Schweizer Touristen sind beliebt. Und zwar im Ausland: Von Januar bis Mai 2011 haben um mehr als 8 Prozent mehr Schweizer ihre Ferien in Österreich verbracht. Und Deutschland verzeichnet im Vergleichszeitraum des Vorjahres von Januar bis April sogar ein Plus von 16 Prozent. Wohingegen innerhalb der Schweiz die Zahlen rückläufig sind: Im ersten Halbjahr sind die Nächtigungen im Inland um knapp 1 Prozent zurückgegangen. Aus zwei Gründen: Einerseits bleiben die Schweizer immer häufiger zu Hause, weil Ferien im Inland schlichtweg zu teuer geworden sind.

Andererseits macht der starke Franken den Urlaub in den Euroländern günstiger und damit leistbarer. «Diese Rückgänge tun uns weh», sagt Mario Lütolf, Direktor des Schweizer Tourismusverbands. Hinzu kommt, dass im Inland die wichtigste Touristengruppe – die Deutschen – um 8,6 Prozent geschrumpft ist. Auch aus Österreich kamen um 1,6 Prozent weniger Gäste in die Schweiz als noch im Vorjahr.

Starker Anstieg

Tourismuswerber aus Österreich und Deutschland jubeln über den starken Franken. Und rühren für die zahlungskräftigen Schweizer die Werbetrommel als gäbe es kein morgen. Nicht nur die kurzfristigen Wechselkursveränderungen, sondern auch die langfristigen Tourismuszahlen machen das deutlich: Die Übernachtungszahlen schweizerischer Gäste in Deutschland haben sich laut dem Statistischen Bundesamt seit 2001 von 2,1 Millionen auf nunmehr 4,2 Millionen im Jahr 2010 verdoppelt. Rund 26 Prozent der Schweizer fahren nach Deutschland in die Ferien. In Österreich verzeichnet man ein Plus bei Schweizer Gästen von 41 Prozent über die vergangenen zehn Jahre.

Laut Tourismusforscher Smeral von der Wirtschaftsuniversität Wien war der Zusammenhang zwischen Urlaubsreisen und einer prosperierenden Volkswirtschaft wie jener in der Schweiz nie deutlicher als heute. Das bereitet Country Managerin Carmen Breuss aus Österreich auch ein wenig Sorgen: «Kurzfristig profitieren wir vom starken Franken, ein stabiler und realistischer Wechselkurs wäre uns aber noch lieber. Wir denken nicht in Halbjahren, sondern in Zehn-Jahres-Abständen. Dafür brauchen wir eine starke Schweizer Wirtschaft.» Wenn die Unternehmen zu stark unter Druck geraten, werde laut den Experten bei möglicherweise bald niedrigeren Löhnen zuerst beim Auto und dann beim Urlaub gespart.

Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg-Tourismus, fügt hinzu: «Momentan erleben wir ein aussergewöhnliches Hoch. Realistischerweise müssen wir uns aber darauf einstellen, dass das nicht ewig hält.» Derzeit sei der Gästeanteil der Schweizer in Vorarlberg gleich hoch wie jener der Österreicher. «Selbst wenn der Anteil wieder auf die Hälfte sinken würde, wäre das aber immer noch ein gutes Szenario für uns.»

Hohe Investitionen

«Die Wellness- und Hotelbetriebe in Tirol haben Hunderte Millionen in den Ausbau investiert», sagt Breuss, «fast 60 Prozent der Schweizer Touristen, die nach Österreich kommen, fahren nach Tirol.» Aus Sicht der Österreicher sei der Schweizer ein «qualitätsorientierter Gast», der überwiegend Vier- und Fünfsternhotels bucht. Der Ausbau macht sich also bezahlt.

Das grenznahe Vorarlberg besuchen verhältnismässig weniger Schweizer. Der Grund: In Tirol gibt es 5400 Tourismusbetriebe, in Vorarlberg nur 1000. In Vorarlberg verbleiben nur 18 Prozent der Schweizer. Und Kai Uwe Leonhardt von der Deutschen Zentrale für Tourismus erklärt den Zustrom der Schweizer Gäste nach Deutschland so: «Die Gäste schätzen unter anderem die bequeme Anreise und die guten Shoppingmöglichkeiten.»

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