Ohne ein Wort des Dankes

Johan Andsjö tritt als Chef von Salt zurück. Hat er die Erwartungen des neuen Besitzers Xavier Niel enttäuscht?

Als aus Orange Salt wurde: Der abtretende Chef Johan Andsjö bei der Party zur Lancierung des neuen Namens in Zürich. (23. April 2015)

Als aus Orange Salt wurde: Der abtretende Chef Johan Andsjö bei der Party zur Lancierung des neuen Namens in Zürich. (23. April 2015) Bild: Keystone

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Viel knapper könnte die Verabschiedung eines abtretenden Chefs kaum ausfallen. «Johan Andsjö, CEO, hat entschieden, Salt mit sofortiger Wirkung zu verlassen», gab die Telecomfirma heute bekannt. Sie nahm Andsjös Weggang zur Kenntnis und respektierte den Entscheid – Worte des Dankes verlieren mochte sie nicht. Bis auf weiteres werden die Geschäfte nun von Pierre-Alain Allemand geleitet, er unterstützte die Geschäftsleitung von Salt bisher bei Projekten zur «Steigerung der operativen und wirtschaftlichen Effizienz».

Andsjös Abgang ist der fünfte im Topmanagement, seit die Firma Anfang Jahr vom französischen Unternehmer Xavier Niel und seiner Holding NJJ Capital übernommen und von Orange in Salt umbenannt wurde. Im Juni nahmen der Kommerzchef Matthias Hilpert, der Kundendienstverantwortliche Tonio Meier und der Finanzchef Yann Leca gleichzeitig den Hut, laut Salt-Sprecherin Therese Wenger auf eigenen Wunsch. Zuvor hatte bereits Technikchef Johan Hall die Firma verlassen. Kurze Zeit später folgte der Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber, er geht per Ende Jahr. Die Führungsspitze von Salt hat mit jener von Orange also nicht mehr viel zu tun.

Neuer Name, neue Tarife – weniger Umsatz?

Trotz dieses Exodus der Spitzenkräfte: Vom überhasteten Abschied Andsjös wurden Experten und Branchenkenner gleichermassen überrascht. Der Schwede war erst vor drei Jahren Chef bei der damaligen Orange geworden, hatte den Besitzerwechsel von der britischen Beteiligungsfirma Apax Partners zu Xavier Niel miterlebt und dieses Jahr die Umbenennung in Salt vorangetrieben. Vom neuen Namen und dem neuen Auftritt zeigte sich Andsjö immer überzeugt. «Unser Ziel war es, dass Salt Ende 2015 ebenso bekannt ist, wie Orange es war. Das haben wir schon nach sieben Wochen erreicht», sagte er im August in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Die teure Marketingoffensive, die mit der Umbenennung verbunden war, habe sich gelohnt: «In den ersten sechs Wochen hatten wir viel mehr Besucher in den Läden und auf der Website. Dadurch stiegen die Verkäufe.»

Mit dem neuen Namen kamen auch neue Tarife: Salt vereinfachte das Abosystem auf fünf Angebote, die laut einer Studie des Vergleichsdienstes Comparis teilweise massiv günstiger sind als die alten Abos. Ob sie auch wirtschaftlich Sinn machen, lässt sich allerdings nicht beurteilen, da Salt seit dem Halbjahr 2015 keine detaillierten Geschäftszahlen mehr publiziert. Von Analysten sei zu hören, dass der Konzern im dritten Quartal eine bereinigte Umsatzeinbusse von 9 Prozent erlitten habe, schreibt die Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP. Der bereinigte Ebitda sei um 8,6 Prozent zurückgegangen.

Die neuen Tarife seien ein Versuch, das Geschäft zu stabilisieren und Anteile zu gewinnen, sagt Uwe Neumann, Telecom-Analyst bei der Credit Suisse. «Vorgängerin Orange hatte vor allem in der französischen Schweiz einen hohen Marktanteil. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser nach der Namensänderung gesunken ist – und nicht durch einen entsprechenden Zuwachs in der Deutschschweiz ausgeglichen werden konnte.» Gleichzeitig sei bekannt, dass die Konzernleitung Kosten senken wolle. «Möglicherweise kam es zu internen Konflikten, weil die Kosten nicht in dem Tempo und Ausmass zurückgingen, wie die Konzernleitung es sich erhofft hatte», sagt Neumann. Für Aufregung hatte in diesem Zusammenhang Salts Ankündigung gesorgt, als Sponsor des Open-Air-Kinos in Zürich, Basel, Genf und Bern auszusteigen.

«Konsolidierung könnte wieder zum Thema werden»

Der neue Salt-Besitzer Xavier Niel ist berühmt für seine Tiefpreisstrategie. In Frankreich hat seine Telecomfirma Free den Markt mit Dumpingpreisen ab 2 Euro pro Monat aufgemischt. In der Schweiz sieht seine Taktik aber offenbar anders aus. Von Dumpingpreisen kann keine Rede sein, trotz der billigeren neuen Angebote von Salt. Fraglich ist denn auch, ob eine solche Tiefpreisstrategie hierzulande überhaupt Sinn machen würde. Denn wer die Preise senkt, muss rasch neue Kunden gewinnen, um den Umsatz halten zu können. «Der Schweizer Markt ist träge, die Konsumenten sind weniger preissensitiv als in anderen europäischen Märkten», sagt Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis. Er könnte sich deshalb vorstellen, dass die mit der Namensänderung und den neuen Produkten verbundenen Erwartungen zu hoch gesteckt sind – und die Führungskräfte freiwillig den Hut nehmen, weil sie darum wissen.

Durch den abrupten Abgang Andsjös könnten nun auch Spekulationen um eine mögliche Konsolidierung auf dem Schweizer Telecommarkt neue Nahrung finden. «Je nachdem, wie sich die Geschäfte bei Salt entwickeln, könnte das Zusammengehen mit einem Konkurrenten wieder zum Thema werden», sagt ein Kenner der Branche. 2010 hatten die damalige Orange und Konkurrentin Sunrise schon einmal einen Fusionsversuch gestartet – der dann von der Wettbewerbskommission Weko gestoppt worden war. Letzten Sommer hiess es, die beiden Firmen würden wieder über eine Fusion nachdenken. Sunrise-Verwaltungsratspräsident Dominik Koechlin wollte davon allerdings nichts wissen.

Erstellt: 07.12.2015, 19:09 Uhr

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