Onlinebanken buhlen um Schweizer Kunden

Mehrere ausländische Finanz-Start-ups bieten ihre Eurokonten auch in der Schweiz an. So funktioniert das Geschäft ohne Banklizenz.

Gilt als eines der erfolgreichsten Start-ups der europäischen Finanzszene: N26-Gründer Valentin Stalf in Berlin.

Gilt als eines der erfolgreichsten Start-ups der europäischen Finanzszene: N26-Gründer Valentin Stalf in Berlin. Bild: Wolfgang Kumm/Keystone

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Die Zeiten für Banken sind schwer. Denn durch die Negativzinsen verdienen sie kein Geld mehr mit den Einlagen ihrer Kunden. Viele Banken erhöhen daher die Gebühren, um Gegensteuer zu geben, wie zum Beispiel die Postfinance.

Neue, rein digitale Anbieter erhöhen nun den Wettbewerbsdruck. Auch ausländische Institute entdecken den Schweizer Markt. Das deutsche Start-up N26 will noch im ersten Halbjahr seine Plattform für Schweizer Kunden öffnen, allerdings zunächst mit einem begrenzten Angebot.

«Wir bieten keine Konten in Franken an, sondern in Euro. Wir sehen hierfür eine ausreichend grosse Nachfrage», sagt Alex Weber, der bei N26 in der Geschäftsleitung für die Auslandsexpansion zuständig ist. So hätten sich bereits rund 10'000 Schweizer bei N26 auf einer Art Warteliste eingetragen. «Wir öffnen ohne eigene Banklizenz, sondern offerieren Konten von Deutschland aus», so Weber.

Ohne Banklizenz

N26 startet also mit dem, was Schweizer Banken gross gemacht hat: das grenzüberschreitende Geschäft. Das ist vom Ausland aus problemlos auch in der Schweiz möglich, denn laut dem Schweizer Aufsichtsrecht brauchen nur jene Institute eine Bewilligung der Aufsicht Finma, die in der Schweiz dauerhaft Personal beschäftigen und Konten führen. Sprich, Auslandsbanken ohne Niederlassung oder sonstige dauerhafte Vertretung in der Schweiz können online vom Ausland aus Schweizer Kunden bedienen.

Die britische Revolut, die mit besonders günstigen Devisengeschäften wirbt, geht ähnlich vor. Das Start-up hat nach eigenen Angaben bereits rund 50'000 Kunden in der Schweiz. Um Zahlungen aus der Schweiz heraus abzuwickeln, arbeiten die Briten seit jüngstem mit der Credit Suisse zusammen. Dank solch einer Zusammenarbeit mit einer Schweizer Bank ersparen sich die Newcomer den teuren und langen Aufwand, selbst eine Banklizenz zu beantragen. Ob auch N26 einen Schweizer Bankpartner sucht, um auf diese Weise auch Frankenkonten anbieten zu können, dazu macht N26-Manager Weber keine Angaben.

Schweizer Banken stöhnen zwar oft und gerne über die Regulierung. Doch mit Blick auf die ausländischen Neobanken, wie die Smartphone-Banken auch genannt werden, sind die Schweizer Aufsichtsregeln eine schwer zu überwindende Schutzmauer, die Schweizer Banken ausländische Konkurrenz beim Angebot von Frankenkonten vom Leib hält.

Daher sagt N26-Manager Alex Weber: «Ob und wann wir Konten in Franken anbieten werden, ist noch nicht entschieden. Wir starten mit einem ersten, einfachen Produktangebot und schauen so, wie die Kundenreaktionen sind.» Das Basisprodukt ist ein kostenloses Girokonto mit einer Debit-Mastercard. Die Kontoeröffnung erfolgt digital nur über das Smartphone über Videochat.

Smartphone-Banken sind noch selten

N26 gilt als eines der erfolgreichsten Start-ups der europäischen Finanzszene. Jüngst schloss das Berliner Unternehmen eine neue Finanzierungsrunde über 260 Millionen Euro ab, bei der N26 mit insgesamt 2,6 Milliarden Euro bewertet wurde. Zu den Aktionären zählen unter anderem die Allianz und Paypal-Mitgründer Peter Thiel. Das Unternehmen hat rund 750 Mitarbeiter und ist in 24 Ländern aktiv. Insgesamt hat N26 nach eigenen Angaben bereits 2,3 Millionen Kunden, eine Aufschlüsselung nach Ländern gibt es indes nicht.

Bisher spielen solche Smartphone-Banken in der Schweiz laut einer Studie der Unternehmensberatung ZEB keine grosse Rolle, ihr Marktanteil betrage weniger als 0,1 Prozent. Und solange Player wie N26 und Revolut keine Zahlungen in Franken abwickeln, müssen sich UBS & Co. wohl keine Sorgen machen, dass die neuen Player aus dem Ausland ihnen im grossen Stil Kunden abjagen.

In Frankreich dagegen haben die neuen Smartphone-Banken bereits den Durchbruch geschafft. Nach Angaben der französischen Bankenaufsicht haben diese neuen Player bereits einen Marktanteil von 6,5 Prozent erobert. Die Platzhirsche des französischen Bankgeschäfts wie BNP Paribas haben daher ihre eigenen Smartphone-Banken wie die Hello Bank gestartet, die die volle Palette der Bankdienstleistungen mobil anbietet.

Im Ausland lässt sich Geld sparen

In ihren Nischen sind die neuen Player aber auch in der Schweiz bereits sehr wettbewerbsfähig, wie zum Beispiel bei Bezahlkarten. Das zeigt eine Erhebung des Vergleichsdiensts Moneyland für die «SonntagsZeitung». Dabei wurden die Bezahlkarten von Anbietern von Revolut und Transferwise mit den Angeboten der Supercard von Coop, der Cumulus-Karte von Migros und der Cashback-Karte von Swisscard verglichen.

Beim Einkaufen im Ausland fallen bei Revolut und Transferwise oft die Bearbeitungsgebühren weg oder sind tiefer als bei den Schweizer Karten. «Mit Revolut und Transferwise lässt sich im Ausland im Vergleich mit Schweizer Kreditkarten viel Geld sparen», sagt daher Moneyland-Experte Ralf Beyeler.

Die Schweizer Banken reagieren. So startete im vergangenen Jahr die Bank Cler, die zur Basler Kantonalbank gehört, die Banking-App Zak, die ein kostenloses Zahlungsverkehrskonto nebst Maestro-Karte und Kreditkarte anbietet. Wie viele Kunden das Angebot nutzen, wird nicht offengelegt.

Erstellt: 21.01.2019, 16:13 Uhr

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