Operation Schwamm drüber

Öffentlichkeitswirksam hat die Credit Suisse über die Beschattungsaffäre informiert. Ein Befreiungsschlag? Von wegen!

Was ist wirklich passiert bei der Credit Suisse? Diese Männer haben heute informiert. Foto: ENNIO LEANZA/Keystone

Was ist wirklich passiert bei der Credit Suisse? Diese Männer haben heute informiert. Foto: ENNIO LEANZA/Keystone

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Mit der Pressekonferenz (zum Ticker), einem Auszug aus dem Bericht der Anwaltskanzlei Homburger (zum PDF) und einer Pressemitteilung (zur Newsmeldung) wollte die Grossbank Credit Suisse die Geschichte um die aus dem Ruder gelaufene Beschattung ihres zur UBS wechselnden Topmanagers Iqbal Khan abschliessen. Gelungen ist ihr das nicht. Zu viele Fragen bleiben offen.

Das gilt vor allem für die Rolle von CEO Tidjane Thiam. Homburger war schon gar nicht beauftragt, dessen Verhältnis zu Khan zu untersuchen. Unbestritten bleibt, dass zwischen diesen beiden ein heftiger Streit ausgebrochen ist. An einem Motiv, gegen Khan vorzugehen, hätte es Thiam nicht gefehlt.

Die Untersuchung kommt nun zum Schluss, es seien keinerlei Hinweise gefunden worden, dass Thiam in irgendeiner Weise in die Überwachung von Khan involviert gewesen sei. Und man habe intensiv nach solchen Hinweisen gesucht. Der Verwaltungsrat spricht dem CEO deshalb weiter das Vertrauen aus, und er wird seinen Posten behalten. Weil das wichtige Investoren der Grossbank schon in den letzten Tagen so forderten, war das keine grosse Überraschung mehr.

Verantwortlich für die Überwachung Khans seien einzig COO Pierre-Olivier Bouée und Sicherheitschef Remo Boccali gewesen, und sie seien auch die einzigen, die davon wussten. Die beiden müssen die Bank nun auch per sofort verlassen. Wie immer lautet die offizielle Erklärung, sie würden selbst die Konsequenzen ziehen.

Es fällt schwer zu glauben, dass es wirklich nur diese beiden waren, die von dieser Überwachung wussten beziehungsweise sie in Auftrag gegeben haben. Nicht nur wegen des erwähnten Streits zwischen Thiam und Khan, sondern auch, weil Bouée ein sehr enger Vertrauter von Thiam ist. Die beiden haben schon seit 2004 in verschiedenen Funktionen und Firmen zusammengearbeitet.

Die einzige Person, die ausserhalb der Bank etwas zum Auftrag an die Detektive sagen könnte, die Khan überwacht haben, ist der offenbar von Bouée oder dem Sicherheitschef beauftragte Mittelsmann «T», der dann die Detektei beauftragt hat. Doch dieser hat sich das Leben genommen, nachdem sein Name auf noch ungeklärte Weise an die Presse gelangt ist. Auch zu diesen Geschehnissen sind noch Fragen offen.

Klar ist heute Morgen einzig, dass noch vieles unklar ist. Der Credit Suisse ist es nicht gelungen, ihren Chef Tidjane Thiam aus der Schusslinie zu nehmen. Diese Geschichte wird weiter an ihm und damit an der Bank hängen bleiben.

Video: Die wichtigstem Momente der Pressekonferenz

«Ich will mich im Namen der Credit Suisse entschuldigen»: CS-Präsident Urs Rohner. Video: SDA-Keystone/Tamedia

Erstellt: 01.10.2019, 10:06 Uhr

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