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Orell-Füssli-Notendieb kommt ohne Gefängnis davon

Der Hilfsarbeiter, der halbfertige Noten im Wert von mehreren Zehntausend Franken hatte mitgehen lassen, ist zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der Dieb nutzte die in Heimarbeit vollendeten Blüten, um «die Kosten des täglichen Lebens» zu decken, wie er vor Gericht sagte.
Der Dieb nutzte die in Heimarbeit vollendeten Blüten, um «die Kosten des täglichen Lebens» zu decken, wie er vor Gericht sagte.
Martin Rütschi, Keystone

Ein Hilfsarbeiter, der unfertige Geldscheine im Wert von 65'000 Franken bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Orell Füssli entwendet hatte, muss nicht ins Gefängnis. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat ihn zu einer bedingten zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte die Scheine zwischen März 2012 und September 2013 gestohlen. Am Bundesstrafgericht endete die erste juristische Aufarbeitung des Diebstahls nun mit einem teilweisen Freispruch.

Für die Notendruckerei war es eine der grössten Pannen in ihrer Geschichte: 1800 halbfertige Tausendernoten verschwanden während des Produktionsprozesses. Die Spuren führten gemäss Bundesanwaltschaft in mehrere Richtungen. Unmittelbar nach dem Diebstahl versuchten zwei Männer, in einer Londoner Wechselstube falsche Schweizer Tausendernoten in Englische Pfund zu wechseln. Bei ihnen wurden insgesamt 37 ungültige Tausendernoten sichergestellt.

Eine weitere Person - ein ehemaliger Druckereihilfsarbeiter - wurde nun am Mittwoch in Bellinzona wegen Geldfälschung und in Umlaufsetzen falschen Geldes zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der frühere Gabelstaplerfahrer bei Orell Füssli müsste die Strafe erst absitzen, wenn er sich in der Probezeit von zwei Jahren etwas zu Schulden kommen lässt.

Der Mann, welcher sich seit Dienstag vor dem Bundesstrafgericht verantworten musste, stand laut Staatsanwalt allerdings in keiner Verbindung zu den anderen Londoner Verdächtigen.

Perfekte Blüten in Heimarbeit

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der heute 44-Jährige mit einer «hohen kriminellen Energie» zu Werke ging, als er die Microperforation und gefälschten Seriennummern auf die noch unfertigen Geldscheine auftrug. Die gefälschten Noten hätten selbst in der maschinellen Prüfung durch die Schweizerische Nationalbank nur schwer als solche identifiziert werden können, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Der Mann machte sich deshalb der Geldfälschung und des in Umlaufsetzen von Falschgeld schuldig.

Durch den Diebstahl des ehemaligen Druckereihilfsarbeiters entstand der Notendruckerei, die im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank die Banknoten der Schweiz herstellt, ein Schaden von 65'000 Franken. Der Dieb nutzte die in Heimarbeit vollendeten Blüten, um «die Kosten des täglichen Lebens» zu decken, wie er vor Gericht sagte.

Insgesamt habe der Mann so 60 bis 65 gefälschte 1000-Franken-Scheine in Umlauf gebracht - unter anderem bei Detailhändlern sowie bei der Post. 43 Blüten konnten in der Zwischenzeit sichergestellt werden. «Mich hat der Teufel geritten», sagte der Familienvater vor Gericht, als er zu seinen Motiven befragt wurde.

Teilweiser Freispruch

Die Beweislage habe allerdings nicht ausgereicht, um den Ex-Orell Füssli-Angestellten auch wegen Diebstahls zu verurteilen. Auch andere Personen hätten in dem betroffenen Zeitraum die Notenbögen entwendet haben können, sagte der Richter. Die Verteidigung hatte in der Hauptverhandlung hervorgebracht, dass Sicherheitslücken bei Orell Füssli mögliche Diebstähle massgeblich begünstigt hätten.

Der Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs habe sich ebenfalls nicht erhärtet. Der Deutsche mit libanesischen Wurzeln habe mit den Scheinen bei Detailhändlern und der Post gezahlt. Diese wurden allerdings in der Zwischenzeit durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) entschädigt.

Der Verurteilte muss eine Entschädigung von 15'000 Franken an Orell Füssli zahlen - aufgrund der beiden Freisprüche sei diese Busse geringer ausgefallen, argumentierte der Richter. Die Bundesanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil zufrieden, wie sie am Mittwochabend auf Nachfrage mitteilte. Im Gesamtkomplex des Orell Füssli Diebstahls werde es nun weitere Ermittlungen geben. Wann sich jene «weiteren Personen», die zum Kreis der Verdächtigen zählen, vor Gericht verantworten müssen, konnte der Staatsanwalt auf Anfrage noch nicht sagen.

SDA/thu

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