Die Swisscom-Panne ist für den Standort Schweiz verheerend

Die bei der Swisscom aus Versehen gelöschten Kundenfotos und -Videos sind eine Katastrophe. Denn die Schweiz galt bisher als sicherer Hort für sensible Daten.

Der Fehler beim Cloudservice der Swisscom könnte auch auf andere Anbieter abstrahlen. Archivbild: Alesandro Della Bella (Keystone)

Der Fehler beim Cloudservice der Swisscom könnte auch auf andere Anbieter abstrahlen. Archivbild: Alesandro Della Bella (Keystone)

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Für jeden Anbieter von webbasierten Speicherlösungen – sogenannten Cloud-Speichern – ist der Verlust von Kundendaten peinlich. Für die Swisscom ist er aber eine Katastrophe, die auf den Standort Schweiz abzustrahlen droht. Zumal es nicht die erste Datenpanne der Swisscom ist.

Die Swisscom ist nicht irgendein Cloud-Dienstleister. Das Unternehmen hat «Swiss» im Firmennamen, hat einen Grundversorgungsauftrag und gehört mehrheitlich der Eidgenossenschaft. Wenn nicht mal der halbstaatliche Ex-Monopolist in der Lage ist, Fotos, gescannte Dokumente und andere persönliche Daten seiner Kunden sicher zu verwahren, ist das für den Standort Schweiz die denkbar schlechteste Werbung. Die Swisscom hat für die Branche Vorbildcharakter.

Wer vertraut einem Anbieter seine Röntgenbilder an, wenn dieser nicht einmal die Ferienfotos sicher verwahren kann? 

Dabei spielen gerade Schweizer Cloud-Anbieter spätestens nach den Enthüllungen von Edward Snowden zur massenhaften Datenabschöpfung durch die USA die Swissness-Karte. Neue Unternehmen haben sich angesiedelt. Auch der US-Riese Microsoft hat in der Schweiz ein neues Datencenter eröffnet. Die Branche stellt dabei Vorzüge in die Vitrine, die bisher vor allem die Banken nutzten: Neutralität, Stabilität und Rechtssicherheit. Und eben Exzellenz im Serviceniveau. Am letztgenannten Punkt drohen nun Zweifel laut zu werden.

Auch für die Geschäfte der Swisscom dürfte die Panne Folgen haben. Das Stammgeschäft mit Mobilfunk und Festnetzleitungen stagniert. Daher sucht die Swisscom neue Bereiche, um das Wachstum zu sichern. Das Geschäft mit Daten ist hierbei ein wich­tiger Pfeiler. So hat die Swisscom die Geschäftssparte Health aufgebaut, die bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens vorn mitspielen will, etwa bei der elektronischen Patientenakte. Im Gesundheitswesen liegt grosses Verbesserungspotenzial, das dank Digitalisierung gehoben werden kann. Auch bei der digitalen Identitätskarte und im Bankwesen ist sie aktiv. Doch wer vertraut einem Anbieter seine Röntgenbilder oder den Ausweis an, wenn dieser nicht einmal die Ferienfotos sicher verwahren kann?

Erstellt: 12.07.2019, 06:30 Uhr

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