Pannenserie bei der Swisscom wird zur Chefsache

Tausende Kleinfirmen haben keinen Zugriff aufs Festnetz – für die Betroffenen ist der Schaden gross.

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Man sei über die Swisscom «schon etwas verschnupft», sagte Stephan Notter, IT-Verantwortlicher bei einem Aargauer Grosshändler. Am Montag war sein Arbeitgeber wieder von einer Störung bei den Festnetz-Telefonleitungen betroffen, wie schon vor einer Woche (diese Zeitung berichtete). Die Firma ist Geschäftskunde bei der Swisscom. Sowohl ankommende als auch abgehende Gespräche von gewissen Swisscom-Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen waren eingeschränkt.

«Die Folge der Panne war, dass unsere Kunden nicht zu unserem Kundendienst durchkamen», sagt Notter. Die Mitarbeiter seien jedoch von der neuen Situation nicht völlig überrumpelt worden. Der Austausch mit den Kunden habe per E-Mail, Kurznachrichtendienst Whatsapp, einem alternativen Telefonieanbieter und privaten Handys stattgefunden. «So sind wir mehr oder weniger über die Runden gekommen», sagte Notter. Die Swisscom-Leitungen liefen inzwischen wieder zuverlässig, sagte er gestern Morgen gegenüber dieser Zeitung.

Die Swisscom teilte gestern Abend mit, die Situation habe sich entspannt. In der Nacht auf Dienstag hätten Spezialisten «verschiedene Massnahmen» umgesetzt, um das System zu stabilisieren. Das sei gelungen. Demnach konnten betroffene Kunden seit gestern Nachmittag wieder ohne Unterbrüche telefonieren. Die genaue Ursache für die aktuelle Störung sei aber nicht geklärt, hiess es weiter. Solange die Fehlerquelle unbekannt sei, könne keine endgültige Entwarnung gegeben werden. Die Swisscom arbeite «mit Spezialisten und Lieferanten rund um die Uhr an der Fehleranalyse».

Spekulationen, es handle sich um einen Hackerangriff, dementierte die Swisscom-Sprecherin Annina Merk auf Anfrage: «Nach unserem aktuellen Wissensstand war es keine Attacke von aussen», sagte sie. Einen entsprechenden Verdacht hatte Jürg Schumacher in der Montagsausgabe der «Thurgauer Zeitung» geäussert. Schumacher ist Gemeindepräsident von Märstetten TG. Die Festnetztelefonie der Gemeindeverwaltung war Anfang Woche von der Swisscom-Panne beeinträchtigt. Der Grund für die Störung von vergangener Woche war ein Softwarefehler. Ein Korrekturprogramm, ein sogenannter Patch, löste das Problem.

Starke Eingreiftruppe

Bei beiden Störungen waren Tausende Geschäftskunden der Swisscom betroffen. Sie beziehen bei ihr entweder die Dienstleistung Smart Business Connect oder Managed Business Communication. Kleine und mittlere Unternehmen können so beispielsweise für 22 Franken pro Arbeitsplatz unlimitiert das Schweizer Telefoniefestnetz nutzen, ohne nebenbei einen Internetanschluss abonnieren zu müssen.

Die zweite Pannenserie innerhalb von neun Tagen hat beim grössten Schweizer Telecomanbieter die Teppich­etage auf den Plan gerufen. Konzernchef Urs Schaeppi hat am Montagnachmittag eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich auf höchster Stufe um die Angelegenheit kümmert. Heinz Herren, Infrastrukturchef und Mitglied der Geschäftsleitung, ist direkter Ansprechpartner der Taskforce.

Herren steht der schnellen Eingreiftruppe mit 40 bis 60 Personen, die rund um die Uhr im Einsatz sind, zur Verfügung. Er hält sich dazu teilweise auch vor Ort im Kontrollraum in Ittigen BE auf. Wie diese Zeitung weiter erfahren hat, lässt sich Swisscom-Chef Schaeppi laufend über die Entwicklungen informieren.

Für die betroffenen Geschäftskunden der Swisscom wird es schwierig sein, Schadenersatz einzufordern. Das rechtliche Hintertürchen ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verankert. Dort ist festgehalten, dass der blaue Riese keine 100-prozentige Zuverlässigkeit seiner Telefonleitungen garantieren kann. «Eine konkrete Prozentzahl für die Zuverlässigkeit steht in den AGB aber auch nicht», sagte IT-Spezialist ­Stephan Notter, der von den Störungen betroffen war. «Möglich ist gemäss AGB höchstens, dass uns die Swisscom einen Monatsbetrag fürs Abonnement rückvergütet.» Er hoffe auf das Wohlwollen des Telecomanbieters.

Swisscom soll kulant sein

Der Dachverband der Schweizer Hotelbetriebe erhielt bis jetzt eine einzige Anfrage zum Thema. Der Fall habe sich jedoch erledigt, da die Störung beim betroffenen Verbandsmitglied habe behoben werden können, sagte Karin Sieber, Sprecherin von Hotelleriesuisse, gegenüber dieser Zeitung. «Wir unterstützen unsere Mitglieder gerne, falls sie dazu Fragen haben. Es muss aber von Fall zu Fall entschieden werden», erklärte sie.

Beim Schweizerischen Gewerbeverband sind keine Klagen von frustrierten Mitgliedern über die Swisscom eingetroffen. Verbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler zeigte indes Verständnis für die Situation der Betroffenen: «Je nach Geschäftsfeld sind moderne Telekommunikationsmittel heute unverzichtbar. Ich kann deshalb den Ärger nachvollziehen, wenn diese über längere Zeit ausfallen.» Die Swisscom tue gut daran, im Rahmen ihrer Krisenkommunikation kulant auf die Kunden zuzugehen. Bigler: «Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen dies auch tun wird.»

Konzernsprecherin Merk sagte dazu, die Swisscom werde im Nachgang jeden Fall mit den Betroffenen individuell prüfen und anschauen.

Erstellt: 17.01.2018, 09:22 Uhr

Telecomfirmen

Salt prüft Klage gegen UPC

Der Telecomanbieter Salt prüft eine Klage gegen den Konkurrenten UPC. Anlass dazu bietet der von UPC vergangene Woche angekündigte Wechsel seiner Mobilfunk­kunden vom Salt- aufs Swisscom-Netz. Salt stört sich dabei sowohl am Verhalten der Swisscom als auch an demjenigen von UPC. So sei die Bekanntgabe des Wechsels ein Jahr im Voraus nicht nur unnötig, sondern sogar vertragswidrig, sagte Salt-Chef ­Andreas Schönenberger in einem Interview mit der «Handelszeitung», das gestern online veröffentlicht wurde. Salt prüfe im Moment rechtliche Schritte.

Bei der Swisscom vermutet Schönenberger, dass «wohl auch andere Interessen» als rein geschäftliche beim Angebot an Salt im Vordergrund gestanden hätten. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Zusammenschlusses sei kein Zufall. «Insbesondere könnte Swisscom das Geschäft als Scheinvorzeigebeispiel nutzen wollen, um dem Parlament bezüglich der vorgelegten Revision des Fernmeldegesetzes ein Nichteintreten schmackhaft zu machen», sagte Schönenberger. Allenfalls sei auch das Wettbewerbsrecht verletzt worden, sollte Swisscom Salt ein Angebot unter den Kosten gemacht haben.

UPC nahm das Ansinnen von Salt «mit Befremden zur Kenntnis». Das Unternehmen sehe weder in der von Schönenberger erwähnten Kommunikation noch im Ausschreibungsverfahren «vertragswidrige oder rechtlich heikle Aspekte». Der Kabelnetz­betreiber hatte am Montag vor einer Woche den Wechsel des Mobilfunknetzbetreibers auf Anfang 2019 angekündigt. Er bezeichnete dabei das Mobilfunknetz von Swiss­com als «zukunftssicher», womit er implizit auch das Netz von Salt bewertete. (SDA)

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