Die grausame Geschichte hinter dem Parmaschinken

Auf der Pizza, mit Burrata oder frischer Melone – Parmaschinken ist ein beliebter Exportschlager aus Italien. Doch bei der Herstellung kann es schlimm zugehen.

Grausame Zustände: Eine Tierschutzorganisation deckt die unwürdigen Zustände in sechs italienischen Schweinefarmen auf. Video: Lega Anti Vivisezione (LAV)

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Wenn man sich im Restaurant ein Gericht mit Parmaschinken bestellt oder sich welchen im Laden kauft, denkt man eigentlich, dass man etwas Hochwertiges konsumiert. Doch Videos einer Undercover-Recherche in italienischen Schweinefarmen dürften den Appetit vieler Parma-Liebhaber nun hemmen.

Die italienische Tierrechtsorganisation Lega Anti Vivisezione (LAV) hat in sechs italienischen Schweinefarmen unbemerkt gefilmt und dabei aufgedeckt, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden. Die Bilder sind schockierend. Die Tiere werden permanent in dunklen Räumen gehalten, berichtet LAV. Auslauf gibt es keinen, der Boden besteht aus Metall oder Beton.

Zu wenig Wasser

In den Videos sind ausgetrocknete Wassertröge zu sehen, ausserdem gibt es für die Tiere keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten. In einigen Käfigen gibt es gar keinen Zugang zu Wasser. Aus Langeweile beissen sich die Schweine und Ferkel gegenseitig oder liegen lethargisch in der Gegend herum. Um das Beissen zu verhindern, gibt man den Schweinen nicht etwa etwas zu tun – man schneidet ihnen in vielen Fällen stattdessen die Schwänzchen ab, so die Tierschützer. Eigentlich ist das in der EU aber verboten.

Ausserdem zeigen die Bilder teilweise auch an tödlichen Hautkrankheiten erkrankte Tiere inmitten von grossen Gruppen. Tierleichen liegen in den Gängen oder werden gedankenlos vor dem Gebäude entsorgt. In den Schweinefarmen leben laut LAV jeweils bis zu 10'000 Tiere.

Supermarkt-Schinken

Aus den gefilmten Schweinefarmen kommt laut einem Bericht der Zeitung «Independent» in erster Linie Parmaschinken, der im Supermarkt zu kaufen ist – auch in der Schweiz? Bei Coop heisst es, der Fokus liege klar auf Schweizer Fleisch. «Der Grossteil, also rund 80 Prozent, unserer Charcuterie stammt denn auch aus dem Inland, wo deutlich strengere Anforderungen an das Tierwohl gelten», so Sprecher Ramon Gander.

Coops Lieferant von Eigenmarken-Rohschinken aus Italien gehe ebenfalls schon deutlich weiter als die EU-Anforderungen verlangen. «Er hat deshalb auch im letzten Jahr den Good Pig Award erhalten», so Gander. «Von den Lieferanten von Markenprodukten verlangen wir, dass diese mindestens die gesetzlichen Anforderungen einhalten.»

Strenge Vorgaben bei Migros

«Solche Bilder sind inakzeptabel, deshalb hat die Migros bereits vor Jahren Massnahmen ergriffen», so Migros-Sprecherin Alexandra Kunz. «Wir fordern auch bei unseren Lieferanten im Ausland die Einhaltung der Schweizer Tierwohl-Vorgaben gemäss Schweizer Tierschutz.»

Den Parmaschinken im nationalen Sortiment beziehe Migros ausschliesslich von der Firma Beretta. Die sei einer der ersten ausländischen Lieferanten gewesen, die diese Vorgaben umgesetzt haben. «Das heisst, dass den Schweinen deutlich mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen als in der EU üblich, ausserdem werden keine Schwänze coupiert.» Die Einhaltung dieser Vorgaben wird vor Ort durch die unabhängige Stelle Procert kontrolliert. «Die Migros ist nach wie vor die einzige Detailhändlerin, die so hohe Anforderungen umgesetzt hat», so Sprecherin Kunz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.03.2018, 15:09 Uhr

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