Pensionskassen verbessern Deckungsgrad um 5 Prozent

Die dreissig grössten Unternehmen der Schweizer Börse konnten ihren Deckungsgrad 2017 auf 85 Prozent erhöhen.

Überdurchschnittlich hohe Deckungsrade weisen weiterhin die Banken auf. (Archiv)

Überdurchschnittlich hohe Deckungsrade weisen weiterhin die Banken auf. (Archiv) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Bilanzen der Schweizer Unternehmen haben sich mit Blick auf die Pensionspläne 2017 weiter verbessert. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz damit gut da, wie das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht aufzeigt. Die aktuelle Marktentwicklung lässt aber befürchten, dass in Zukunft in der Vorsorge nicht mehr so hohe Renditen erzielt werden können.

Der durchschnittliche Deckungsgrad - also das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen - der dreissig grössten Unternehmen der Schweizer Börse (SLI) verbesserte sich 2017 auf 85 Prozent von 80 Prozent. Bei Nichtberücksichtigung der nichtgedeckten Verpflichtungen verbesserte sich der Deckungsgrad 2017 auf 91 Prozent von 86 Prozent.

Gestiegene Renditen dank boomenden Börsen

Diese hohen Werte ergeben sich deshalb, weil fast alle SLI-Unternehmen (95 Prozent) nach den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP bilanzieren. Danach müssen sämtliche leistungsorientierten Vorsorgepläne inner- und ausserhalb der Schweiz zur Berechnung der Deckungssituation herangezogen werden.

Entsprechend weichen die von Willis Towers Watson ausgewiesenen Werte von anderen jüngst publizierten Deckungsraden deutlich ab. So hatte Ende Mai Swisscanto für Schweizer Unternehmen einen durchschnittlichen Deckungsgrad von knapp 114 Prozent für 2017 kommuniziert.

Die Verbesserung des Deckungsgrades basiert gemäss Stephan Wildner, Head of Retirement, einerseits auf einem Rückgang der Vorsorgeverpflichtungen um 3,6 Milliarden Franken oder 1,7 Prozent, während gleichzeitig die Planvermögen dank der boomenden Finanzmarktentwicklung um 0,9 Milliarden beziehungsweise 0,4 Prozent stiegen.

Überdurchschnittlich hohe Deckungsrade weisen weiterhin die Banken auf. So ergibt sich für die Credit Suisse einen solchen von 109,4 Prozent und für die UBS von 108,3 Prozent. Übertroffen werden sie nur von Vifor mit 111,7 Prozent. Wildner erklärt sich die Überdeckung der Banken mit den Kapitalunterlegungsvorschriften, die die Institute befolgen müssen.

Im internationalen Vergleich stehen die Schweizer Unternehmen bezüglich Deckungsgrad gut da, wie Wildner weiter erklärte. Sie befinden sich etwa auf der Höhe von US-Unternehmen, deren Deckungsgrad gemäss dem Willis Towers Watson Pension 100 Index 2017 auf 87 Prozent von 82 Prozent stieg. Die deutschen Gesellschaften liessen sie sogar deutlich hinter sich. Die DAX-Unternehmen verzeichneten einen Anstieg auf 68 von 63 Prozent. Weltweit sind die Deckungsgrade 2017 gestiegen, heisst es weiter.

Steigende Diskontierungssätze und rückläufige Planvermögen in Q1

Den Schweizer Pensionskassen gelang es dabei eine hohe Anlagerendite zu erzielen. Diese habe bei weitgehend unveränderter Vermögensallokation und trotz niedriger Zinsen rund 7,8 Prozent verglichen mit 7,1 Prozent 2016 betragen, führte Peter Zanella, Pensionskassenexperte von Willis Towers Watson, aus.

Im laufenden Jahr haben sich die diesbezüglichen Perspektiven aufgrund gestiegener Marktrisiken allerdings eingetrübt. «Wenn die Zinsen steigen, wie wir es an vielen Märkten weltweit beobachten, kommt es oft zunächst zu einem Abwärtstrend bei den Anlagerenditen, wenn alle übrigen Faktoren gleich bleiben», sagte Zanella. Im Klartext heisst dass, dass in Zukunft nicht mehr mit so hohen Renditen gerechnet werden kann und dass sich «die jetzt hohen Deckungsgrade, die seit 2009 immer bei rund 80 Prozent lagen, wieder relativieren», so Zanella weiter.

Und tatsächlich waren in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres bei den Vorsorgeplänen mit einer 15-jährigen Laufzeit die Vorsorgeverpflichtungen infolge des steigenden Diskontierungssatzes in der Schweiz etwa 2 Prozent rückläufig. Zudem haben sich auch die Planvermögen in der Schweiz im ersten Quartal generell um rund 1-2 Prozent verringert, einerseits wegen der negativen Entwicklung an den Aktienmärkten und «vermutlich in Reaktion auf das steigende Zinsniveau ohne entsprechende Veränderung der Vermögensallokation», erklärte Wildner. (sep/sda)

Erstellt: 11.07.2018, 13:30 Uhr

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