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Petroplus fährt Raffinerien herunter

Der ums Überleben kämpfende Raffineriekonzern Petroplus schliesst im Januar drei seiner fünf über Europa verstreuten Raffinerien. Darunter ist auch die Anlage in Cressier NE, wo rund 260 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Hier soll zumindest vorübergehend kein Öl mehr raffiniert werden: Petroplus-Anlage in Cressier NE. (27. Dezember 2011)
Hier soll zumindest vorübergehend kein Öl mehr raffiniert werden: Petroplus-Anlage in Cressier NE. (27. Dezember 2011)
AFP

Neben der Schweizer Raffinerie in Cressier werden auch die Raffinerien im belgischen Antwerpen und im nordfranzösischen Petit-Couronne heruntergefahren, wie Petroplus heute mitteilte. Das Unternehmen kann seine Rohöllieferanten nicht bezahlen, nachdem die Banken am Dienstag für die Zahlungen benötigte Kreditlinien gesperrt haben.

Die Produktion könne erst wieder aufgenommen werden, wenn neues Geld zur Verfügung stehe, hiess es im Petroplus-Communiqué weiter. Der hochverschuldete und defizitäre Konzern befindet sich weiterhin in Gesprächen mit den Banken. Unter den 13 Geldgebern von Petroplus sind auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Unia will Druck auf Banken

Im Gegensatz zur Raffinerie in Petit-Couronne wird jene in Cressier NE nicht sofort geschlossen. Die Produktion werde nicht vor Mitte Januar heruntergefahren, sagte Volkswirtschaftsdirektor Thierry Grosjean am Abend gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er sei erleichtert, dass die Massnahme nicht sofort wirksam werde. «Damit können wir nächste Woche die Diskussion mit verschiedenen Partnern weiterführen», erklärte Grosjean. Die Geschäftsleitung der Raffinerie in Cressier sei bisher sehr offen für Gespräche gewesen. Keine der Parteien sei an einer endgültigen Schliessung des Standorts interessiert, betonte er.

Bereits am Nachmittag hatte Grojean an einer Medienkonferenz erklärt, der Kanton Neuenburg werde sich für die Raffinerie in Cressier und ihre Mitarbeiter einsetzen. Der Standort sei sehr wichtig für den Kanton Neuenburg. Man stehe im Kontakt mit dem Petroplus-Management, so Grosjean. In den Standort Cressier seien in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen unter anderem in den Umweltschutz geflossen. «Obwohl relativ klein, schlägt sich Cressier innerhalb der Petroplus-Gruppe gut», sagte der Politiker. Neben Collombey VS steht in Cressier die einzige Raffinerie der Schweiz.

Unia will mitreden

Nachdem in den vergangenen Tagen französische Gewerkschaften die Regierung in Paris zum Handeln aufgefordert hatte, hat sich auch die Schweizer Arbeitnehmervertreterin Unia wegen Cressier zu Wort gemeldet. Die Gewerkschaft fordert vom Kanton mehr Druck auf die Banken.

In Cressier sind laut Unia neben den 260 Raffinerieangestellten auch die Arbeitsplätze ebensovieler Menschen indirekt von der Produktion abhängig, schreibt die Gewerkschaft. Unia fordert einen runden Tisch zur Diskussion der Probleme.

Aktie erholt sich etwas

Am Freitag legte die Aktie um teilweise über 10 Prozent zu und schloss 6,1 Prozent über Vortagesschlusskurs. Nach Weihnachten hatte die Aktie rund 50 Prozent an Wert verloren, konnte sich im Lauf des Donnerstags aber stabilisieren. Sollte eine Übereinkunft mit dem Bankenkonsortium nicht bald zustande kommen, muss Petroplus auch den Betrieb der zwei übrigen Anlagen - Coryton in England und Ingolstadt in Deutschland – einstellen. Petroplus schreibt seit 2008 rote Zahlen und steht wegen den dünnen Margen im Raffineriegeschäft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.

Am Donnerstag hatten Analysten davon gesprochen, dass eine Insolvenz im Raum stehe, während die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's die Bonität herabstuften und mit dem Prädikat «mit hohen Risiken behaftet» versahen.

SDA/rub

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