Mega-Fusion in der Schweizer Möbelbranche

Möbel Pfister übernimmt das Möbelhaus Hubacher. Experten sehen darin eine Reaktion auf die wachsende Konkurrenz aus dem In- und Ausland.

Grösster Schweizer Möbelhändler: Die Pfister-Filiale in Lyssach. (6.9.2007)

Grösster Schweizer Möbelhändler: Die Pfister-Filiale in Lyssach. (6.9.2007) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Im Schweizer Möbelfachhandel kommt es zu einer grossen Fusion. Die Pfister Arco Holding übernimmt per sofort Möbel Hubacher. Das teilte die Muttergesellschaft des grössten einheimischen Möbelhändlers Möbel Pfister am Mittwoch mit. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Möbel Hubacher werde weiterhin unter dem bisherigen Namen am aktuellen Standort in Rothrist AG weitergeführt und die bestehenden Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Möbel Hubacher mit einer Verkaufsfläche von 30'000 Quadratmetern und einer ebenso grossen Lagerfläche beschäftigt 200 Mitarbeitende. Die Stilhaus AG, die auf demselben Areal ein einschlägiges Einkaufszentrum betreibt, ist von der Übernahme nicht betroffen.

Die Inhaberfamilie Medina-Hubacher habe für das Einrichtungshaus in Rothrist AG eine externe Schweizer Nachfolgeregelung gesucht. Mit der Pfister Gruppe habe man einen Wunschpartner gefunden, der den Standort in Rothrist weiter stärken und ausbauen wolle, heisst es in der Medienmitteilung.

Rudolf Obrecht, Verwaltungsratspräsident der Pfister Arco Holding, seinerseits betonte, dass das Unternehmen zu der langfristigen Strategie von Pfister passe. Man wolle über attraktive Standorte die führende Marktposition sowohl stationär als auch online ausbauen und den Marktanteil zu erhöhen.

Branche in Bedrängnis

Die Möbelbranche in der Schweiz hat wegen des starken Schweizer Frankens und nicht zuletzt wegen des Einkaufstourismus schwer zu kämpfen. So warf erst Anfangs November das traditionelle Möbelhaus Weibel in Endingen AG nach fünf Generationen das Handtuch. Es liegt nur vier Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Aber nicht nur der Einkaufstourismus ist eine Herausforderung. Mit der Aufgabe des Euromindestkurses Mitte Januar verbilligten sich die Möbel der ausländischen Konkurrenz auf einen Schlag um gut 20 Prozent, aktuell liegt der Unterschied um 10 Prozent herum.

Das brach der Möbelfabrik Karl Schuler in Rothenturm SZ im August das Genick. 48 Angestellte stehen nach dem Konkurs auf der Strasse. Die Aufträge waren weggebrochen. Die Möbelfabrik Fraubrunnen im Berner Mittelland musste Stellen streichen.

Möbel billig wie noch nie

«Möbel waren in der Schweiz noch nie so günstig wie jetzt», bringt es Kurt Frischknecht von Möbelschweiz, dem Verband Schweizer Möbelhandel und -industrie, auf den Punkt. Die Übernahme von Hubacher sei ein weiterer Schritt im anhaltenden Konzentrationsprozess.

Für die Produzenten stünden immer weniger Händler zur Verfügung, was auf die Preisgestaltung drücke. Die grossen zehn Möbelhäuser der Schweiz haben gemäss Frischknecht einen Marktanteil von 75 Prozent. Ikea, die Nummer Eins im Land, schnappt sich allein einen Viertel der Schweizer Gesamtausgaben für Wohnungseinrichtungen von 4 Milliarden Franken im Jahr.

Die Produzenten, von denen die meisten exportieren, seien bei der Aufgabe des Euromindestkurses mit einem drastischen Preiszerfall konfrontiert worden. Das könnten sie nicht kompensieren.

Gleichzeitig seien die Importmöbel - sie stellen 75 Prozent des Gesamtabsatzes - in der selben Grössenordnung billiger geworden. Das habe der Handel an den Konsumenten weitergegeben, sagt Frischknecht. So müsse die Industrie die Marge auch im Inland einschränken. Mit der aktuellen Lage versuche jeder Möbelhersteller so gut wie möglich fertig zu werden.

Keine Probleme für die Grossanbieter

Anbieterseits drängt die Entwicklung in der Gesamtbranche die im mittleren Preissegment agierenden Möbelhändler wie Pfister und Hubacher dazu, ihre Service- und Beratungsaktivitäten hochzufahren. So wollen sie in höhere Preissegmente vordringen. Denn an der tieferen Preisfront ist gegen Grossanbieter wie Ikea, Conforama, Migros und Coop kein Terrain mehr gutzumachen.

Wie Peter Platzer, Geschäftsleiter bei Interieursuisse, dem schweizerischen Verband der Innendekorateure und des Möbelfachhandels, beobachtet, bringt das seine Verbandsmitglieder neben der Konkurrenz ennet der Grenze zusätzlich in Bedrängnis. Diese nämlich bieten ihre Produkte und Dienstleistungen just in dem Segment an, in das Möbelhäuser wie Pfister nun vermehrt vordringen.

Überhaupt ist es um die kleineren Anbieter in der Branche schlecht bestellt, bilanziert Platzer. Die Schwergewichte könnten durch ihre Marktmacht europäische Preise durchsetzen. Möbel Pfister, auch wenn es das grösste schweizerische Möbelhaus ist, könne da nicht mithalten und erhalte in Europa die Preisliste für die Schweiz vorgesetzt. Solange sich in der Schweiz nichts bewege, werde es dabei bleiben, sagt Platzer. Abhilfe schaffen würden nur grössere Einkaufsgenossenschaften. (ij/sda)

Erstellt: 21.10.2015, 10:07 Uhr

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